Kommentar
FeindbilderVon Albrecht Scheuermann
Deutschlands scheidender Sparkassen-Präsident hat ein Problem weniger. Er muss sich keine Sorgen machen, dass seine Verabschiedung im Mai mit der Abschiedsparty von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kollidiert. „Herr Haasis kann seine Termine legen, wie er will, es gibt keine Ackermann- Show, die ihm irgendwie in die Quere kommt“, sagte Deutschlands Topbanker gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz. Die Zurückhaltung dürfte auch mit der Diskussion über das Bankgewerbe im Allgemeinen und die Deutsche Bank im Besonderen zusammenhängen.
Während etwa die Institute mit dem roten S sich als die Saubermänner darstellen, steht die Deutsche Bank für alles Übel, das die Branche in den vergangenen Jahren in Verruf gebracht hat: Spekulation, Profitgier, Selbstbereicherung. Diese Sicht entspricht nicht der Realität, diese ist wie üblich etwas komplizierter. Aber das will im Moment niemand wissen. Die Welt braucht Feindbilder – und die Deutsche Bank hat Einiges getan, um sich dafür zu qualifizieren.
Die Bank gehört zu den Geldhäusern, die an der 2008 offen ausgebrochenen Weltfinanzkrise mitschuldig sind. Ihr Ursprung lag in dem heiß gelaufenen US-Immobilienmarkt, der vom Einfallsreichtum der Banken befeuert wurde. Die Deutsche Bank gehörte zu den Adressen in der Verbriefung von Kreditrisiken, die das Wachstum überhaupt erst ermöglicht haben. Die Geschäfte haben Namen wie „Collateralized Debt Obligation“, aber im Kern sind sie einfach zu verstehen: Man verspricht Investoren hohe Renditen, sammelt auf diese Weise Geld ein und investiert es in einen heißen Markt, der dadurch heißer wird – was wiederum mehr Geld anlockt. Irgendwann stößt das Geschäftsmodell an seine Grenzen, der Markt kippt, die Investoren wollen raus, aber es ist zu spät, weil niemand mehr rein will. Die Deutsche Bank hat von diesem Geschäft enorm profitiert. Schlimmer noch: Die Bank soll selbst gegen den Markt gewettet haben, während sie gleichzeitig ihren Kunden Wertpapiere andrehte.
All das und noch mehr ist in der Ära Ackermann passiert. Doch der Schaden ist größer. So hat ihr Ansehen gelitten – und nicht nur in den USA laufen eine Reihe von Klagen gegen die Bank. Es geht um Betrug, Beihilfe zum Betrug und ähnliche Vorwürfe. Dass der Gewinn 2011 enttäuschend niedrig ausfiel, hängt auch damit zusammen, dass die Bank Reserven für „Rechtsrisiken“ bilden musste. Freilich lässt sich die Ära Ackermann nicht nur auf solche Skandale reduzieren. Immerhin hat er die Wende eingeleitet, um die Abhängigkeit vom Investmentbanking zu verringern und das stabile Geschäft mit Privatkunden und Unternehmen voranzubringen, etwa durch die Übernahme der Postbank. Man muss dem Branchenprimus auch zugute halten, dass er die Krise aus eigener Kraft bewältigt hat – und nicht den Steuerzahler anzapfen musste. Und schließlich sollten die Kritiker auch nicht vergessen, dass die Deutsche Bank als einziges deutsches Institut in der Liga der international agierenden Großbanken überhaupt noch eine Rolle spielt. An der Spitze tummeln sich angelsächsische und chinesische Häuser. Es dürfte jedoch nicht im deutschen Interesse liegen, sich hier ganz abzumelden. Anstelle von Ackermann wird nun eine Doppelspitze installiert. Dies deutet darauf hin, dass der Kurs der Bank umstritten ist. Während Jürgen Fitschen für das klassische Bankgeschäft steht, gilt Anshu Jain als der Kopf des Investmentbankings. Die Jahre werden zeigen, ob er die richtigen Lehren aus der Krise gezogen hat.
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