Kommentar
Auf halbem WegVon Daniel Alexander Schacht
Auf den ersten Blick sah es nach einer Feierstunde aus: In Sachen Integration seien „gute Botschaften“ und „Fortschritte“ zu verkünden, sagte die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer. Ihre Zuversicht schöpft sie aus dem Integrationsbericht, der Erfolge von Migranten bei Spracherwerb und Kita-Besuch, Bildungsbeteiligung und Arbeitsmarktzugang verzeichnet. Bei genauerem Hinsehen sinkt aber die Feierlaune.
Deutschland ist allenfalls auf halbem Wege zum Ziel wirklicher Integration, der Bericht zeugt auch von großen Defiziten – bei der Integration ebenso wie bei deren statistischer Erfassung. Wie kommt es etwa, dass inzwischen fast genauso viele Migrantenkinder in Kitas geschickt werden wie Kinder ohne Migrationshintergrund – und doch der Anteil arbeitsloser Jugendlicher und langzeitarbeitsloser Erwachsener bei Migranten doppelt so hoch ist wie bei Deutschen? Diese Misere zeugt davon, dass die Instrumente der Integration viele Migranten nicht erreichen – all jene, die eingewandert sind, bevor es diese Instrumente gab. Experten erblicken darin eine „verlorene Generation“, für die sie „nachholende Integration“ fordern. Man darf Erfolge bei Kindern und Jugendlichen feiern. Doch die Politik muss auch den Blick auf jene lenken, an denen alle Integrationsbemühungen bislang wirkungslos vorbeigehen.
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