Kommentar
Alibi für die ArmeeVon Daniel Alexander Schacht
Ägyptens Parlament bildet erst mal einen Arbeitskreis, der Premier verhängt Staatstrauer, entlässt einen Gouverneur und die Fußballverbandsspitze. Kann man sich zaghaftere Reaktionen auf die Ausschreitungen von Port Said vorstellen?
Die Fernsehbilder zeigen Polizisten, die ratlos herumstehen, dann das Feld räumen. Am ehesten wäre zu verschmerzen, wenn solche Szenen nur von Hilflosigkeit zeugten. Doch wahrscheinlich steckt dahinter die Duldung eines Massakers. Viele Ägypter hängen dieser Verschwörungstheorie an – und argwöhnen, dass das Militär die Eskalation gefördert hat, um sich einen Vorwand für brutale Schritte gegen die Opposition zu verschaffen. Dabei waren Ägyptens Hooligans an Schlägereien mit dem Militär ebenso beteiligt wie am Sturm auf Israels Botschaft. Sie sind also nicht mit den gemäßigten Kräften identisch, die im Dienste der Demokratie die Konfrontation mit den Militärs wagen. Die Unterscheidung zwischen Demokraten und Randalierern droht nach der Nacht von Port Said auf der Strecke zu bleiben. Umso wichtiger ist es jetzt, der bedrängten Opposition gegenüber dem Militär den Rücken zu stärken, damit diese die Gewalt der Hooligans nicht als Alibi zum Durchgreifen gegen Oppositionelle missbraucht.
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