Obernkirchen
Ursache für Absackung könnte „wilder Bergbau“ seinGelldorf (mld). Der Einbruch eines Schachts aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist womöglich Ursache für die plötzliche Absackung in einem Feld in Gelldorf nahe der B 65, über die wir gestern berichteten. Diese Vermutung hegt zumindest die Stadt Obernkirchen: „Der Stollen stammt vermutlich aus dem Notbergbau nach dem Zweiten Weltkrieg“, so Bürgermeister Oliver Schäfer.
In dieser Zeit, als es an allem mangelte, musste die Landbevölkerung versorgt werden beziehungsweise sich selber versorgen – und nutzte so wieder stillgelegte Stollen und Schächte. Teilweise entstanden beim „wilden Bergbau“ auch neue Stollen, aus denen Kohle gefördert wurde. Bis 1952 sollen in Obernkirchen so rund 17 000 Tonnen Kohle gefördert worden sein.
Auch für das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ist diese Erklärung wahrscheinlich: Ein sogenanntes Grubenbild, in dem der Verlauf und die genauen Maße eines Schachts dokumentiert werden, deute darauf hin, so Thomas Finkeldey vom LBEG, der am Donnerstag mit Vertretern der Stadt die Absackung besichtigt hat.
Seine Vermutung: Die Absackung ist am Ende eines Schachts aus den vierziger oder fünfziger Jahren entstanden – Notbergbau nicht der Obernkirchener, sondern eventuell der Gemeinden Sülbeck oder Nienstädt, vermutet Finkeldey.
Eventuell könne unter dem Feld in Gelldorf aber auch ein wesentlich älterer Schacht eingebrochen sein: „Als man begann, Grubenbilder anzulegen, hat man ältere Stollen oft nicht mit eingezeichnet“, erklärt Finkeldey. Älter, das hieße älter als das Jahr 1800.
Aber auch eine „geologische Störung“ könnte Ursache für den Einbruch sein – „aber das ist meine ganz persönliche Vermutung“, so Finkeldey: Normalerweise überdecke Sandstein den Kohleflöz, der damit recht stabil sei. An der Stelle der Absackung könnte der Sandstein aber einen Bruch erlitten haben – und dadurch könnte das Erdreich nachgegeben haben.
Ein Stolleneinbruch sei um diese Jahreszeit aber nichts Außergewöhnliches, erläutert der Bergbau-Experte: Besonders am Ende des Winters, wenn es schwere Regenfälle gibt, geschehe das häufig. Eine Statistik des LBEG habe gezeigt, dass das Frühjahr „die beste Jahreszeit“ für solche Einbrüche sei.
Das Loch soll „so bald wie möglich verfüllt werden“, kündigt Bürgermeister Schäfer an. Verfüllt werden soll laut Finkeldey mit Bodenmaterial. Dadurch würden Kosten von „einigen Hundert Euro“ entstehen.
Wer die übernimmt, ist übrigens laut Finkeldey auch schon klar: Die ehemalige Preussag, die in der heutigen TUI aufgegangen ist.
Ob sie aber auch wirklich für die Schächte in dieser Gegend zuständig ist, „ist eine Grauzone“, so der LBEG-Mitarbeiter. Doch die TUI habe in diesem Fall „hemdsärmelig“ reagiert und wolle die Kosten übernehmen, um eine größere Rechtsstreitigkeit um die zweifelsfreie Klärung der Zuständigkeiten zu vermeiden – rechtlich gesprochen heißt das: „ohne Anerkennung rechtlicher Verpflichtungen“.
„Darüber bin ich sehr glücklich“, bekennt Finkeldey – der Schaden könne so schnell behoben werden.
Entstehen übrigens durch Stolleneinbrüche Schäden für Privatpersonen, sagt Finkeldey, wird zuerst der Bergbauunternehmer ermittelt – und wenn das nicht mehr möglich ist, muss das jeweilige Bundesland die Kosten übernehmen.
Gefahr für die B 65 bestehe übrigens nicht, so Schäfer. Und hofft: „Dann können die Anwohner hoffentlich auch wieder beruhigter sein.“ Dennoch appelliert er: „Das Feld sollte erst einmal niemand betreten.“ Auch wenn „unmittelbare Gefahr“ nicht bestehe.
Unter dem Feld in Gelldorf könnte ein Stollen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verlaufen, vermutet das Landesamt für Bergbau. Statistiken hätten gezeigt, dass gerade im Frühjahr nach starken Regenfällen immer wieder Stollen einbrechen.
Foto: mld