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Ein Leben hinter der bunten Mauer

Autobiografisches Buch von Cornelia Zoels über das Leben in der DDR gefällt auf Messe

Obernkirchen. Was erwartet man vom Leben? Sicherlich Gesundheit, Liebe, Glück und Frieden? Aber was ist das alles wert, wenn man in einem Staat aufwächst, der seine Bürger bespitzelt und unterdrückt und in dem es kein Recht auf persönliche Freiheit gibt? Cornelia Zoels hat ein solches Unrechtssystem erlebt und erleiden müssen. Weil sie nicht im Strom mit schwamm, weil sie sich ihre eigene Meinung nicht verbieten ließ, deshalb hatte die Stasi der ehemaligen DDR kräftig in ihr Leben eingegriffen.

Die Brandenburgerin fühlte sich auch nicht so geliebt von ihren Eltern, wie sich das jedes Kind wünscht. Aber das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben und für die Zeit danach. Sie bringt Wärme, Geborgenheit und Kraft für alle Herausforderungen des Alltags. Das alles zusammen dürfte der Auslöser dafür gewesen sein, dass Cornelia Zoels zur Feder griff und ein Buch schrieb mit dem Titel „Hinter der bunten Mauer“. Sie war 25 Jahre alt, als die Mauer fiel. Bis dahin hatte sie schon so manches erlebt, auf das sie gut und gern hätte verzichten können. Damals wusste sie noch nicht, dass viele dieser kleinen, aber auch der großen und einschneidenden Ereignisse eines Tages Eingang in einer spannenden Chronologie ihrer verschiedenen Lebensstationen finden würden.

Die Autorin dieses auch sprachlich gelungenen Erstlingswerkes hat ein gutes und sehr lebendiges Gedächtnis, aber sie verfügt auch über die nötige Fantasie, sich ihren Weg ins Leben vorzustellen, als das kindliche Gedächtnis noch einem unbeschriebenen Blatt glich. Aber da gibt es zum Schließen der Lücken ja auch noch die Recherche.

Als ihr Vater die Genehmigung erhielt, seine im Westen lebende Mutter zu besuchen, kam er stark verändert zurück. Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede der beiden Staaten hatte er gründlich wahrgenommen. Schier übermächtig wurde deshalb in ihm der Wunsch, die DDR zu verlassen.

Der erste Schritt dazu war der Verkauf des eigenen idyllisch gelegenen Familiensitzes und der Wohnortwechsel nach Berlin. Verständnis dafür konnte der Vater bei den jüngeren Familienmitgliedern kaum erwarten. Als danach die Eltern schließlich den Ausreiseantrag stellten, begann die große Veränderung im Leben der damals zwölfjährigen Cornelia. Noch heute ist sie davon überzeugt, dass ihren Eltern zu jener Zeit die Tragweite dieses Entschlusses nicht klar sein konnte.

Natürlich wurden auch die Arbeitsstätten der Eltern und die Schule über den Ausreiseantrag informiert. Das hatte Folgen für die ganze Familie, auch für die Kinder. Die bekamen deutlich schlechtere Noten und wurden schon in diesem Alter wie Staatsfeinde behandelt. Zudem legte Cornelia keinen Wert auf die Jugendweihe und blieb stattdessen ihrer Kirche verbunden.

Die Chance, das Abitur abzulegen und zu studieren, war für Cornelia dahin. Damit konnte sie sich auch nicht ihren Berufswunsch erfüllen, Lehrerin zu werden. Selbst eine Sportschule durfte sie nicht besuchen, obwohl ihr Handballtrainer die Aufnahme befürwortete. Eines Tages wollten sich ihre Eltern in Berlin in die Obhut der Botschaft der Bundesrepublik begeben. Das Vorhaben misslang aber, weil der Vater kurz davor von Stasi-Agenten festgehalten wurde. Schließlich wurden beide in der DDR inhaftiert.

Cornelia kam in ein Kinderheim, und die Eltern wurden nach ihrer Verhaftung lange Zeit den Repressalien der Stasi ausgesetzt, bis sie schließlich aus dem Land ausgewiesen wurden. Es gab keine festen Familienbande mehr. Zu den in Bayern lebenden Eltern, die sich einst ohne sie und ohne zwei andere Kinder in den Westen absetzen wollten, besteht kein Kontakt mehr.

Was sich in jenen schicksalhaften Jahren in dem Leben von Cornelia Zoels ereignet hat, schildert sie anschaulich und realistisch in dem Buch, das sie kürzlich bei der Leipziger Buchmesse vorstellte. „Ich habe ein positives Echo bekommen“, verriet die Autorin, die seit 2014 in Obernkirchen ihren neuen Lebensmittelpunkt fand. Eine Anstellung erhielt sie beim Jobcenter in Hannover, wo sie Jugendliche berät und betreut.

Cornelia Zoels hat sich ein neues Leben aufgebaut – ohne elterliche Hilfe, aber auch ohne die Furcht vor der Willkür eines menschenverachtenden Systems. Sie hat sich nicht verbiegen lassen. Darauf darf sie stolz sein.

Ihre erste Autorenlesung hat Cornelia Zoels am Freitag, 24. April, um 20 Uhr in Bad Oeynhausen im Begegnungszentrum in der Kaiserstraße 14. Der Eintritt ist frei. Spenden werden dem Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt.

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