Lokalsport

Union Stadthagen setzt auf einen Neuaufbau

Junge Talente statt neuer Stars / Trainer Carter will Union in der Kreisliga stabilisieren

Der SV Union Stadthagen lebt noch. Von vielen Experten war nach dem sang- und klanglosen Abstieg aus der Bezirksliga ein totaler Ausverkauf der 1. Mannschaft und ein Zusammenbruch des kompletten Vereins prognostiziert worden. So kann man sich irren.

Der Verein hat erstmals seit Jahren reagiert und, für Union-Verhältnisse, rechtzeitig und lange vor der neuen Saison einen Trainer verpflichtet. Einen richtigen Trainer, einen Briten. Der Mann heißt Chris Carter und ist auf den Schaumburger Fußballplätzen kein Unbekannter. Er leitete als Schiedsrichter Spiele bis zur Kreisliga und trainierte seit geraumer Zeit Mannschaften im Jugendbereich des SC Rinteln. Zuletzt war er mit den B- und A-Junioren des SCR erfolgreich. Nun also Union. Für Chris Carter und seinen Co-Trainer Oliver Rick wird es keine leichte Aufgabe. „Es wird ein interessantes Jahr. Wir wollen den Neuaufbau und haben keinen Druck vom Vorstand“, sagt Carter und fügt an: „Wenn alles gut läuft können wir oben mitspielen, wir haben die Leute dazu. Aber wichtig ist vor allem die Stabilität.“

Union hatte in der Sommerpause tatsächlich einen großen Aderlass zu verkraften, ist daran aber nicht zerbrochen. Das hat der Verein auch Carter zu verdanken, der viele Spieler aus dem Rintelner Einzugsbereich nach Stadthagen geholt hat.

Es ist Sonntag, kurz nach elf Uhr. Der Schauplatz ist ein Nebenplatz an der Vornhäger Straße in Stadthagen. Auf dem Platz trainieren 13 Spieler, auf den ersten Blick ein multikultureller Hühnerhaufen. Als die ersten Diskussionen losgehen, folgt eine knappe Anweisung des Trainers. Sieben Männer gehen auf den Boden, machen Liegestütze. „Das ist gut so, der Trainer möchte nicht, dass wir auf dem Platz so viel diskutieren“, sagt Unions Mittelfeldspieler Hasan Günes. Tatsächlich scheint Trainer Carter das Team in den Griff zu bekommen. Das hat vor Jahren schon einmal funktioniert, damals hieß der Trainer Duran Gök. Union gewann sogar die Fair-Play-Wertung. Davon war der Verein in der Abstiegssaison Lichtjahre entfernt. „Die Disziplin ist für die Mannschaft ist ein sehr wichtiger Aspekt. Das müssen wir in den Griff bekommen“, sagt Carter. Keiner seiner Spieler habe einen Stammplatz, alle müssten begreifen, dass es nur über das Training gehe, so Carter. Wenn es mit den Schichtarbeitern passe, habe er über 20 Spieler beim Training. „Besser kann es nicht gehen“, freut sich Carter.

Die Verantwortlichen um Präsident Ahmet Cetindere hatten über Jahre mit Geld um sich geworfen, wollten sich durch eine gute Mannschaft mit herausragenden Kickern Aufmerksamkeit und Anerkennung erkaufen. Zuletzt stand dann keine Mannschaft mehr auf dem Platz, sondern elf mit dem Abstiegskampf überforderte Einzelspieler.

Im Sommer sind erstmals seit Jahren keine „Stars“ mehr gekauft worden. Dafür holte man junge Spieler mit Perspektive. Wie Pascal Fichtner von den A-Junioren des SC Rinteln. Von ihm schwärmen sie bei Union bereits jetzt in den höchsten Tönen. Ähnlich liegt der Fall bei Gazi Acar, der vom SV Obernkirchen kommt. SVO-Trainer Marco Gregor hält Acar für ein großes Talent, funkte mit dem jungen Kicker aber nicht auf einer Wellenlänge. Die, so hofft Chris Carter, gefunden zu haben. „Für uns ist es wichtig, eine gute Mischung hinzubekommen. Vor allem für die jungen Spieler ist der Schritt in den Herrenbereich nicht einfach“, weiß Carter.

Der Offensivbereich wird auch in der Kreisliga das Prunkstück des SV Union sein. Mit Hasan Günes und dem einzigen namhaften Neuzugang Süleyman Kahraman ist das Mittelfeld in der Zentrale sehr gut besetzt. „Die Jungs haben mich gefragt, ob ich ein typisch britischer Trainer bin. Ich konnte sie beruhigen. Ich stehe nicht auf länge Bälle, sondern auf Kurzpassspiel und Laufwege. Und da sind wird mit Hasan und Süleyman auf einem guten Weg“, sagt Carter.

Nuri Barut kann an guten Tagen die gegnerischen Abwehrreihen in Panik versetzen und Wilhelm Becker hat seine Kreisligatauglichkeit zuletzt beim SC Deckbergen-Schaumburg unter Beweis gestellt und zahlreiche Tore erzielt.

Bleibt die Abwehr, die bereits in der vergangenen Saison nach Stabilität suchte. Mit Keeper Artur Schneider, der bei Union viele Kritiker hatte, und Rabia Khodr haben zwei wichtige Spieler den Verein verlassen. Vor allem Schneider werden sie bei Union noch vermissen. Der neue Keeper Sascha Fricke ist ein unbeschriebenes Blatt. Aber Chris Carter ist guter Dinge, will vor allem eine Einheit formen, die auf und neben dem Platz zusammenhält. Zum Start geht es gleich zur Reserve des VfL Bückeburg, dem Favoriten auf die Kreismeisterschaft. Wenn es dumm läuft, bekommt das Union-Gebilde beim ersten Härtetest gleich ein paar Beulen.

Das neue Union Stadthagen ist ein fragiles Gebilde. Aber der eingeschlagene Weg scheint richtig zu sein, wenn es Union Stadthagen auch noch in ein paar Jahren geben soll. Totgesagte leben bekanntlich länger.

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