Niklas Fritsche und Nico Rüffer weg, Martin Prange und Tim Engler mit dem Karriereende – am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison musste man sich um den VfL Bückeburg ernsthafte Sorgen machen. Doch sie sind völlig unbegründet. Der Oberligist erneuerte sich im Sommer in außergewöhnlicher Weise, wie üblich überwiegend von innen heraus.
Das Ergebnis: verschärfter Konkurrenzdruck statt Personalnot, Wettbewerbsfähigkeit statt Abstiegsangst, Zuversicht statt Pessimismus, attraktiver Fußball statt Destruktivität. Der VfL Bückeburg erfand sich neu, und er hat ohne Zweifel einen breiteren und auch stärkeren Kader als bisher. Sorgen muss man sich allenfalls um einige alteingesessene Spieler des VfL Bückeburg machen. Die Jugend drängt nach und manch einer, der gestern seinen Stammplatz noch sicher hatte oder ein gefeiertes Talent war, hat heute einen hungrigen Konkurrenten im Nacken. „Ich bin in der Lage, jede Position doppelt und qualitativ gleichwertig zu besetzen“, freut sich Timo Nottebrock, der im Sommer äußerst aktiv war und mit Niko Schikora einen weiteren überraschenden Neuzugang aus dem Ärmel zauberte.
„Wir sind auf unsere zweite Oberligasaison bestens vorbereitet.“ Nottebrock zog aus der letzten Saison in eindrucksvoll stringenter Weise seine Lehren und machte den üblichen Bückeburger Spagat: Kader ausbauen, Qualität hinzuholen, aber der soliden Linie in der Personalpolitik bloß nicht untreu werden. Das Gros der Nachrücker stammt auch in dieser Saison aus eigener Produktion. Hochwertige Nachwuchsarbeit und punktuelle Verstärkung mit handverlesenen Kandidaten – es ist wohl diese Kombination, die dem VfL Bückeburg eine derart herausragende Position im Schaumburger Fußball eingebracht hat.
Der sportliche Wettkampf findet allerdings auf niedersächsischer Ebene statt und auch dort hat sich die Lage ein wenig entspannt. Halbprofessionelle Überflieger wie der VfB Oldenburg, der Goslarer SC und der BV Cloppenburg sind nicht mehr in der Oberliga. Die Namen der Nachrücker lesen sich wesentlich provinzieller: Jeddeloh bei Oldenburg, Drochtersen-Assel an der Oberelbe und Egestorf-Langreder vom Deister. Für Timo Nottebrock sind das unbeschriebene Blätter. Eine Ausnahme ist der 1. FC Germania Egestorf-Langreder aus Barsinghausen, der neue Nachbar. Fest steht aber: Der VfL Bückeburg wird auf wesentlich mehr Gegner treffen, denen er fußballerisch auf Augenhöhe begegnet. Die Zeiten, in denen die Zuschauer lediglich einen hartnäckigen Widerstand gegen übermächtige Gegner honorieren konnten, scheinen vorbei zu sein. Beim VfL Bückeburg ist zukünftig wieder unterhaltsamerer Fußball zu erwarten. Dazu will aber auch Timo Nottebrock etwas beitragen. Da der Kader so groß geworden ist und in der Vorbereitung ständig 23 bis 24 Spieler am Training teilnahmen, eröffnen dem Coach neue Möglichkeiten. Der VfL Bückeburg wird je nach Ausgangslage in einem 4-4-2- oder einem 4-2-3-1-System spielen. Im zweiten Fall sind schnelle Außenstürmer erforderlich. Die Zeiten, in denen der VfL nach der Balleroberung meist lang nach vorne spielte, sind womöglich schon bald vorbei. Zukünftig will man den Gegner schon sehr früh bearbeiten, dazu ist mehr Laufarbeit als bisher erforderlich.
Die Bückeburger Vorbereitung war ausgesprochen intensiv. „Es war das härteste Programm in meiner achtjährigen Trainerzeit“, berichtet Timo Nottebrock. Er habe sich absolut sicher sein wollen, dass die Mannschaft eine optimale konditionelle Grundlage für die Saison hat. „Oft werden gegen gleichwertige Gegner nur wenige Prozente über Sieg und Niederlage entscheiden“, glaubt Nottebrock. Der sonst so freundliche und ausgeglichene VfL-Trainer zeigte sich in den letzten Wochen deshalb häufig von seiner unerbittlichen Seite.
Hart wird es für ihn auch, wenn er demnächst einige Spieler des üppigen Kaders auf Auswärtsfahrten erst gar nicht mitnehmen kann. So könnte die VfL-Reserve in der Kreisliga ein Profiteur des großen Personalangebotes werden. Offene Fragen gibt es in den Oberligaplanungen aber auch noch, zum Beispiel die des Torwartes. Dass Tim Engler nach so vielen Jahren nicht mehr im Kasten steht, ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Bisher drängte sich noch keine neue Nummer eins auf. Neuzugang Christian Witthaus wackelte in den Testspielen, Patrick Spilker aber ebenso. Fest steht bisher nur, dass einer der Torhüter im Pokalspiel gegen Hildesheim und der andere im ersten Punktspiel gegen Osnabrück spielen wird. „Danach muss ich vielleicht mein Bauchgefühl entscheiden lassen“, sagt Timo Nottebrock.
Ein Favorit ist in der umgekrempelten Oberliga in dieser Saison nur schwer auszumachen. Timo Nottebrock glaubt, dass Eintracht Braunschweig II und der VfL Osnabrück II mit Unterstützung der Profiabteilungen oben anzutreffen sind.
Doch welche Rolle wird der VfL Bückeburg spielen? Dass sich die sportliche Führung zur Oberliga als neue sportliche Heimat bekannte, sorgte bei der Zielsetzung für Klarheit. Der Klassenerhalt ist also das vornehmliche Ziel, doch einige Experten glauben, dass der VfL Bückeburg durchaus ins gesicherte Mittelfeld vorstoßen kann. Timo Nottebrock hat einen klaren Auftrag. Seine Hausaufgaben hat er gemacht.
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