Wissenschaft

Forscher entziffern «Ötzis» Erbgut
Bozen/Tübingen (dpa) - Forscher aus Deutschland und Italien haben das Erbgut der Gletschermumie «Ötzi» entziffert. Wie die Wissenschaftler am Dienstag bekanntgaben, entnahmen sie dem etwa 5300 Jahre alten Eismann eine Knochenprobe und lösten die Erbsubstanz DNA heraus.
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"Ötzi" im archäologischen Museum in Bozen in Südtirol (undatiertes Archivfoto).

Diese wurde dann mit einem schnellen Sequenzautomaten gelesen. Die Interpretation der genetischen Daten steht noch aus. Erste Ergebnisse und Rückschlüsse aus den vielen Daten sollen zum 20. Jahrestag der Entdeckung der Mumie 2011 präsentiert werden. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob irgendwo noch Nachfahren des Gletschermanns leben. Aber nicht nur das erhoffen sich die Forscher: «Diese Fülle an Daten birgt ein Universum an Möglichkeiten», erklärte Albert Zink der Nachrichtenagentur dpa.

Zink ist Leiter des Instituts für Mumien und den Gletschermann an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) - eine der drei an den Forschungen beteiligten Einrichtungen. Neben ihm haben auch Carsten Pusch vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen und der Bioinformatiker Andreas Keller vom Biotechnologie-Unternehmen febit in Heidelberg an diesem Projekt mitgearbeitet.

«Besonders interessant finde ich, die Krankheitsgeschichte von Ötzi zu untersuchen», sagte Zink. Sollte Ötzi Spuren von Krankheiten tragen, die heute häufig vorkommen - wie etwa Diabetes, Krebs oder Alzheimer - könnten sie eventuell auf Genveränderungen als Auslöser dieser Übel stoßen. «Mit etwas Glück können wir so vielleicht auch dazu beitragen, etwas gegen diese Krankheiten zu unternehmen - das wäre für mich die Brücke zwischen Erforschung von Vergangenheit und Gegenwart», meinte der Wissenschaftler.

«Wir haben 95 Prozent der DNA gelesen», sagte Carsten Pusch vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen. Die übrigen 5 Prozent enthalten keine Gene und können mit der bestehenden Technik nur sehr schwer gelesen werden - ein Problem, das für menschliche DNA immer gilt. Pusch sprach mit Blick auf die Daten von einer ersten Fassung, die in den nächsten Monaten verbessert und ergänzt werden soll.

Der Gletschermann war im Alter von etwa 46 Jahren zu Tode gekommen. Er wurde von einem Pfeil getroffen und dann vermutlich mit einem Keulenschlag getötet.

Seine Leiche wurde 1991 beim Tisenjoch in den Ötztaler Alpen nahe der österreichisch-italienischen Grenze gefunden. «Ötzi» wird seit 1998 im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt. Die bei ihm gefundenen Gegenstände und seine Kleidung geben einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen vor mehr als 5000 Jahren.
Artikel vom 27.07.2010 - 17.21 Uhr
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