Eilsen
Zum 30. Juni: Der Chefkoch legt den Löffel hinHeeßen (möh). Als eines der Restaurants mit tollem Essen und Ambiente hat sich der Heeßer Krug im heimischen Bereich einen wohlklingenden Namen erworben. Mit Aktionen wie Fischwochen, Spargelzeit, Stammgastabend und „Alles Leckere um die Nudel“ kümmert sich seit über acht Jahren das Pächterpaar Silvana und Ralf Rüter um das Wohlergehen der Gäste. Mit Erfolg, denn zahlreiche der Stammkunden kommen nicht nur aus der Samtgemeinde, sondern auch aus Bückeburg, Porta Westfalica oder sogar aus Minden. Es hatte sich einfach herumgesprochen, dass sich ein Besuch des Restaurants lohne. Doch die Fans des Heeßer Kruges sind jetzt enttäuscht: Mit Ablauf des 30. Juni gibt die Familie Rüter die Bewirtung im Lokal und die Bewirtschaftung des Landhotels auf. Aber nicht aus Not, sondern aus freien Stücken, wie Chefkoch Ralf Rüter ausdrücklich betont. Seine Frau und er wollten sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen.
Acht Jahre und acht Monate exakt haben sich Ende Juni Rolf und Silvana Rüter um die Gäste im Heeßer Krug gekümmert. Warum das Pächterpaar nun den gut laufenden Betrieb aufgibt, möchte es aber nicht weiter kommentieren. Der brodelnden Gerüchteküche, sie müssten den Betrieb aufgeben oder sie hätten schon langst die Koffer gepackt, gibt die Familie eine deutliche Absage und versichert, sie habe den Termin 30. Juni als letzten Arbeitstag freiwillig und mit Blick auf ihren Auszubildenden in der Küche gewählt. Der junge Mann werde nämlich bis dahin seine Lehre beendet und die Prüfung bestanden haben, wie Ralf Rüter erklärte.
Auf die vielen Jahre im Heeßer Krug blicken Silvana und Ralf Rüter mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück. Dieses Restaurant war der erste Betrieb, mit dem sich Ralf Rüter auf in die Selbstständigkeit machte. Zuvor hatte er als Koch respektive Chefkoch in verschiedenen Lokalitäten in Bielefeld, Herford und hauptsächlich in Minden gearbeitet. Mit viel Elan, so denkt das Ehepaar wehmütig zurück, brachte es den Heeßer Krug, wo vor seiner Zeit mehrmals hintereinander die Pächter gewechselt hatten und der damals nicht mehr unbedingt eine gute Adresse war, in die Erfolgspur zurück. Hierbei waren natürlich der vorhandene Saal, in dem 130 Personen feiern können, das Restaurant mit seinen etwa 80 Plätzen und das Hotel mit seinen sieben Doppel- und drei Einzelzimmern hilfreich. Wenn das Wetter es denn zulässt, erfreuen sich viele Gäste auch am Biergarten mit seinen lauschigen Plätzen.
Wohin die Reise der Familie letztendlich geht, ist noch relativ offen. Sicher ist nur, dass sie weiterhin in der Gastronomie ihre Aufgabe sieht. Bis jetzt haben Silvana und Ralf Rüter sich überhaupt noch kein geeignetes Objekt angesehen. Ralf Rüter: „Wir wollten erst einmal das Weihnachtsgeschäft mit doch viel Stress vernünftig abwickeln.“ So langsam würden sie jetzt anfangen, sich zu orientieren. Auf jeden Fall wollen sie nach eigenen Angaben wieder ein Lokal mit einem Saalbetrieb übernehmen. Die Familie unisono: „Wir schauen uns um, hinterfragen wichtige Dinge, wägen ab und entscheiden uns dann in aller Ruhe.“
Der Heeßer Krug ist nicht gerade ein kleines Restaurant. Neben Rolf Rüter in der Küche und seiner Ehefrau Silvana im Büro und auch im Service, arbeiten dort der Koch-Auszubildende, ein fest angestellter Restaurantfachmann und zehn bis zwölf Aushilfen. Was aus diesen Arbeitskräften in Zukunft wird, ist ungewiss.
Gewiss aber ist und bleibt, so das Pächterpaar Rüter, dass bis zum 30. Juni 2012 alle vorliegenden Aufträge gewissenhaft erfüllt und auch neue Wünsche, die vor dem Aufgabedatum eingehen und zur Zufriedenheit der Gäste abgewickelt werden können, noch angenommen werden.
Übrigens: Ralf Rüter bietet seinen Gästen einen Service. Auf der Internetseite www.gasthof-heesser-krug.de will er unverzüglich mitteilen, wenn er einen Betrieb gefunden hat, den er übernimmt.