Bückeburg
Wolfhard Müller motzt über Hochwasser-VersäumnisseTeile der Bückeburger Niederung wie hier die Aue am vergangenen Freitag sollten viel mehr als Rückhalteraum bei Hochwasser genutzt werden, meint der Niederungsexperte Wolfhard Müller.
Bückeburg (mig). Die vergangene Woche wird vielen Hausbesitzern noch lange in schlechter Erinnerung bleiben. In kurzer Zeit überschwemmte ein Starkregen viele Keller und Grundstücke, Feuerwehr und THW hatten alle Hände voll zu tun. Auch das Schuhhaus Niemann wurde am „schwarzen Freitag“ in Mitleidenschaft gezogen. Schäden, die möglicherweise hätten verhindert werden können, so der Vorsitzende des Fördervereins „Bückeburger Niederung“, Wolfhard Müller.
Insbesondere den vergangenen Freitag werden die Bückeburger nicht so schnell vergessen. Bis zu 130 Liter pro Quadratmeter gingen auf die ehemalige Residenz nieder – in zahlreichen Kellern und Geschäftsräumen hieß es „Land unter“. Schnell kam in den am schlimmsten getroffenen Gebieten (Kornmasch, Cammer, Rusbend) das Gefühl auf, es könne an mangelndem Hochwasserschutz gelegen haben. Ein Gefühl, das Wolfhard Müller, Vorsitzender des Fördervereins „Bückeburger Niederung“, durchaus nachvollziehen kann. „Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn genug Überschwemmungsfläche vorhanden gewesen wäre, das Schuhhaus Niemann nicht solche Probleme haben würde“, so Müller anlässlich einer Podiumsdiskussion des Europäischen Informationszentrums Berlin. Dort bekräftigte der Kommunalpolitiker seine Forderung nach mehr Überschwemmungsraum in der Bückeburger Niederung und übt Kritik an der von der Landesregierung zurückgefahrenen Flächenförderung. „Es reicht bei weitem nicht aus, nur in unmittelbarer Nähe der Gewässer Grunderwerb zu tätigen. Das muss großflächig passieren. Uns fehlen noch 80 bis 100 Hektar, dann könnten wir die Dämme wegnehmen.“
Müller ist überzeugt: Der Ankauf weiterer Flächen in der Niederung könnte auch die Fehler der vergangenen Jahrzehnte (Begradigung, Eindeichung und mehr) ausbügeln. „Das würde nicht nur den Naturschutz weiter voranbringen, sondern auch die Hochwassergefahr insbesondere in Cammer, Evesen und auch in Rusbend erheblich mindern“, so der Ratsherr im Gespräch. Als mögliche Überschwemmungsgebiete nannte Müller die Ochsenwiesen sowie das mittlere und vordere Bruch in der Niederung (etwa 80 Hektar groß). „Die Ochsenwiese in einer Flächengröße von 43 Hektar könnte viel Wasser aufnehmen, das sonst – auch durch den Abschlag von Wasser aus der Aue in den Auekanal geleitet – in den Kellern landet.“
Die Gretchenfrage sei aber auch hier: „Wer bezahlt das alles?“ Da die Landesregierung die Förderung erheblich zurückgefahren hat, müsste eine andere Lösung her. Müller: „Stadt, Landkreis, und die Fürstliche Hofkammer als Eigentümerin müssten sich zusammensetzen.“ Als Ergebnis könne er sich zum Beispiel einen Grundstücktausch vorstellen. Gegebenenfalls könnte das Land eigene Flächen in dieses Tauschgeschäft einbringen. „Man muss das nur wollen.“
In Zukunft könnte dann vielleicht mancher Keller trocken bleiben – mittelfristiges Ziel des Fördervereins ist eine „Deichrückverlegung“ der Flächen Vorderes und Mittleres Bruch und die Herrichtung eines „dynamischen Fließgewässers“. „Wir brauchen dauerhafte Lösungen, man darf das Problem Hochwasser nicht einfach weiterreichen“, warnt Müller.
Übrigens: Der „Scheier Bruch“ gehörte noch in diesem Jahrhundert zum Überschwemmungsgebiet der Bückeburger Aue, wurde jedoch nach und nach durch wasserbauliche Maßnahmen (Eindeichungen, Entlastungsgräben) isoliert.
Erst in diesem Jahr hat die Landesregierung ihren Zuschuss für den Hochwasserschutz rund um Rusbend komplett gestrichen. Er soll jetzt voraussichtlich erst 2011 fließen. Das Konzept, das ein Herumführen des Hochwassers um Rusbend herum in Richtung Nordosten und Mittellandkanal vorsieht, ist in den politischen Gremien beraten und liegt fertig in der Schublade.