Eilsen
Wie der Kurort vom künftigen Klinikum profitieren sollMarko Ellerhoff, Claus Eppmann und „Igel“-Chef Paul Mühe (v.l.).
Luhden (möh). „Wir sind nicht generell gegen alles“, räumt Vorsitzender Paul Mühe mit einem Vorurteil gegen den Verein „Igel“ auf und erklärt: „Die Vorteile eines neuen Klinikums in unmittelbarer Nähe der Samtgemeinde überwiegen die Nachteile.“ Kopfschmerzen bereite aber der zusätzliche Verkehr durch Bad Eilsen. Hier müsse man mit den Planern daran arbeiten, dass die Blechlawine, ohne die Umwelt zu belasten, zum Klinikum geführt wird. Zwei Stunden erläuterten ProDiako-Geschäftsführer Claus Eppmann und Projektleiter Marko Ellerhoff dem Vorstand der Interessengemeinschaft zur Förderung und Erhaltung der Lebensqualität in der Samtgemeinde den Stand der Planungen für das Krankenhaus.
Ein Gutachten geht davon aus, dass jeweils 50 Prozent der Autos zum Klinikum über die B 65 und die B 83 fahren. Für Bad Eilsen wird damit gerechnet, dass der doch jetzt schon enorme Verkehr mitten durch die Ortschaft noch einmal um zehn bis 20 Prozent zunehmen wird. Um die Kreuzung in Ahnsen (Neumühlener Straße, Friedrich-Ebert-Straße und Krainhäger Weg) nicht zu überlasten, spricht sich ProDiako für zwei direkte Zufahrten zum Krankenhaus aus, und zwar über Vehlen und von der Ampel in der Ortsdurchfahrt und dann über die Ahnser Straße (L 451) sowie von Röhrkasten aus. Dort sei bereits ein landwirtschaftlicher Weg zum Gelände des Klinikums Schaumburg vorhanden, der nur noch ausgebaut werden müsse. Durch diese zweiseitige Erschließung sei es möglich, nicht nur die Kreuzung in Ahnsen, sondern auch die Wohngebiete in Vehlen, Obernkirchen und Ahnsen zu schonen. Für Bad Eilsen, so erklären Eppmann und Ellerhoff, wolle und werde man auf jeden Fall vermeiden, dass durch das zusätzliche Verkehrsaufkommen der Status des Kurortes gefährdet wird. Die Fahrzeuge aus Süden würden auf die Obernkirchener Straße zum Nachbarort Röhrkasten geleitet.
„Igel“-Befürchtungen, dass die Zahlen des Gutachtens „schön gerechnet“ seien, und dass man durch Bad Eilsen eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand ziehen müsse, damit die Anwohner noch leben könnten, wie Vizevorsitzender Jörg Müller formuliert, weisen die Fachleute zurück. Die errechneten Zahlen seien real. Aber was die Zukunft bringe, wenn das Klinikum sich erfolgreich am Markt positioniert habe und man eventuell baulich erweitern müsse, könne jetzt nicht gesagt werden, geben Ellerhoff und Eppmann freimütig zu. Ferner gibt der Vorstand der Interessengemeinschaft zu bedenken, man möge auch auf „Schleichwege“ achten. So könnten Autofahrer aus Richtung Rinteln auch bis Buchholz und dann über die Hauptstraße in Heeßen bis zur Kirche in Bad Eilsen gelangen, oder bei der „Süßen Mutter“ nach Krainhagen abbiegen, um zum Krankenhaus zu gelangen.
Nachteile für den Kurort sieht „Igel“ auch von der A 2 kommend. Denn: Nach einem Unfall auf der Autobahn würden die Notarztwagen durch den Kurort fahren. Erklärung von Eppmann: „Heute wird nach einem Unfall nicht mehr das nächste, sondern das für die Art der Verletzung optimalste Krankenhaus angefahren. Die Rettungsfahrzeuge sind so gut ausgestattet, wie vor Jahren die Intensivstationen kleinerer Kliniken.“
Der Geschäftsführer betont, dass der Kurort durch das neue Klinikum profitieren werde. Unter den Rehahäusern herrsche derzeit große Konkurrenz. Dieses gehe so weit, dass Kliniken ihre Patienten sogar zu Hause per Bus abholten. Für Bad Eilsen sei daher eine Zusammenarbeit zwischen neuem Krankenhaus, DRV-Rehazentrum und Bückeberg-Klinik vorgesehen. Entsprechende Gespräche seien positiv verlaufen und er könne sich vorstellen, dass Patienten vom Akutkrankenhaus sofort in die benachbarte Rehabilitation wechseln können. In Bad Pyrmont sei eine derartige Zusammenarbeit sehr erfolgreich. Ferner würde das Klinikum mit seinem Umfeld Kaufkraft in die Samtgemeinde tragen. Und zuletzt dürfe nicht vergessen werden, dass Mitarbeiter des neuen Krankenhauses sich in Eilsen eine neue Wohnung oder ein neues Haus suchen würden.
„Igel“-Vertreter Rainer Wolff kündigte an, die Interessengemeinschaft werde die Planung des Verkehrs zum neuen Klinikum mit Argusaugen beobachten. Sollte es Probleme geben, werde Igel wieder „bei ProDiako auf der Matte stehen“. Wolff: „Wir sind wie Parasiten. Wir kommen immer wieder.“