Rinteln
„Viele wissen nichts von Neubau“ – Schlecht informiert?Uchtdorf (pk). Nach den Befürwortern eines neuen Bürgerhauses in Uchtdorf melden sich nun auch die Gegner eines Neubaus öffentlich zu Wort. Zumal die von Karlheinz Bode, seines Zeichens Befürworter des Neubaus, erhobene Kritik an der Unterschriftenaktion (wir berichteten) der bislang etwa sechs aktiv gewordenen Gegner nicht gerechtfertigt sei.
„Ich bin mit meiner Tochter und unserem Hund spontan durchs Dorf und wahllos von Tür zu Tür gegangen, um Unterschriften zu sammeln“, sagt Simone Mansfield. Die Vereinszugehörigkeit der Uchtdorfer habe dabei aber sicher keine Rolle gespielt. Allein bei Karlheinz Bode habe sie in der Tat darauf verzichtet, eine Unterschrift gegen das neue Bürgerhaus einzuholen, schließlich war sie mit seiner Meinung dazu bereits hinlänglich vertraut.
Was die Unterschriftenaktion jedoch vor allem gezeigt habe, sei, dass „von rund 80 Befragten etwa 50 gar nichts von einem Neubau des Dorfgemeinschaftshauses wussten“, beanstandet Mansfield. Aber man sei nun, so Dietmar Vogt (Grüne), der im Ortsrat Taubenberg bereits gegen einen Bürgerhausneubau gestimmt hatte, angesichts der für den 9. März anberaumten Dorfversammlung und der vom Stadtrat beschlossenen Bürgerbefragung zum Thema Dorfgemeinschaftshaus zumindest erleichtert, dass diesem Informationsdefizit nun entgegengewirkt werde.
Ein wesentliches Argument der Bürgerhaus-Gegner ist, dass sich durch die Verlegung des Bolzplatzes dieser deutlich verkleinern würde. Dabei sei der Platz nicht nur bei Uchtdorfer Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen aus Exten und Krankenhagen. „Und sonntags kommen noch die Väter dazu und spielen mit“, sagt Mansfield, die als Anwohnerin des Ellerbruchs den Bolzplatz stets im Blick habe. „Man kann wirklich sagen, dass der Platz von Frühjahr bis Herbst fast täglich bis abends spät belegt ist.“ Altersklassen und Nationalitäten übergreifend werde dort rege miteinander gespielt.
Durch eine Verkleinerung werde die Attraktivität des Platzes jedoch deutlich eingeschränkt. Außerdem könnten bei einer Verlegung von der jetzigen Nord-Süd-Ausrichtung des Platzes in eine Ost-West-Ausrichtung keine Ballfangzäune aufgestellt werden, da diese sonst bei Hochwasser das Treibgut der Exter blockierten. Das wiederum bedeute auf kurz oder lang Ärger mit den Nachbarn, dessen Grundstück dann beschossen werde. Darüber hinaus meinen Mansfield und Vogt, dass bei einer engen Nachbarschaft zwischen Bürgerhaus und Bolzplatz „Ärger vorprogrammiert“ sei, da sich Vereine von den spielenden Kindern und Jugendlichen gestört fühlen könnten.
Bauchschmerzen bereite den Gegnern auch die Parkplatzsituation. „Wo sollen im Ellerbruch bei Feiern im Bürgerhaus denn noch 30 bis 40 Autos parken?“, fragt sie. Die Feuerwehreinfahrt muss ständig frei bleiben. Und werde an der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt, bekomme der Bus Probleme bei der Durchfahrt.
Und wenn das Bürgerhaus wie angedacht, wie in Goldbeck, durch einen Trägerverein finanziert werden soll, stellten sich die Fragen, ob es überhaupt ausreichend vermietet werden könne, um sich selbst zu tragen, und falls nicht, wer dann die Kosten übernimmt.
Davon abgesehen seien die Kosten für eine Sanierung des alten Dorfgemeinschaftshauses vermutlich zu hoch veranschlagt worden. Die Berechnung habe außer Acht gelassen, dass es sich bei dem Dorfgemeinschaftshaus um ein „zweiteiliges Gebäude“ handelt: einen Anbau, in dem sich das eigentliche Dorfgemeinschaftshaus befindet, und ein leer stehendes Wohnhaus.
Ein Abriss des Wohnhauses und eine Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses kämen der Stadt deutlich günstiger zu stehen als eine Komplettsanierung oder ein Neubau, der die Stadt – trotz Förderung aus Leader-Mitteln – immer noch rund 200 000 Euro kosten würde. In einer Zeit, in der „überall gestrichen und gespart“ werde, so Vogt, solle man die Kosten lieber noch einmal durchrechnen.
Diese Meinung teilt auch Stadtratsmitglied Thorsten Kretzer (CDU). Zudem sei für ihn der Bedarf an einem neuen Bürgerhaus noch nicht hinreichend belegt. Die Unterschriftenliste der Befürworter überzeuge ihn „kein Stück“. Von elf Vereinsunterschriften stammen schon vier allein von der Feuerwehr. Und eine Unterschrift stammt von einer Tanzgruppe, die es gar nicht mehr gibt.
Zweifel am Bedarf eines neuen Bürgerhauses hatte in der letzten Stadtratssitzung auch Fraktionsvorsitzender Dr. Gert Armin Neuhäuser von der WGS geäußert. Von der Wählergemeinschaft kam der Vorschlag für die Bürgerbefragung.
Simone Mansfield und Dietmar Vogt sind gegen ein neues Bürgerhaus und wollen, dass der Bolzplatz in Uchtdorf in seiner jetzigen Größe erhalten bleibt. Foto: pk