Eilsen

Über 800 Zuschauer rufen begeistert „Vivat“
Von Cord Möhle

Friedrich Winkelhake, Irmtraud Senk, Ingrid Schneider und Bürgermeisterin Christel Bergmann (von links) freuen sich vor Bad Eilsens Wahrzeichen – dem Tuffsteinbrunnen – auf die Ankunft von Fürst Ernst und seinem Gefolge. Foto: möh

Bad Eilsen. Eine tolle Inszenierung mit hervorragender Unterhaltung für Erwachsene und Kinder: Dieses Lob gehört der Gemeinde Bad Eilsen, die nach monatelanger Vorbereitung Samstagabend „Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg-Sternberg und Herr zu Gemen“ im Kurpark begrüßt hat. Weit mehr als 800 Zuschauer schwenkten begeistert Fähnchen und riefen immer wieder „Vivat“, als die berühmte Person mit ihrem Gefolge vor dem Tuffsteinbrunnen von Bürgermeisterin Christel Bergmann begrüßt wurde.

Bergmann überreichte dem „Fürsten“ eine Petition, in der sie „Ihre fürstliche Gnaden“ um Hilfe beim Verkauf oder Vermietung der vielen historischen Gebäude bittet. Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, schenkte Christel Bergmann dem hohen Ehrengast ihre Bürgermeisterinnenkette. „Fürst Ernst“ versprach denn auch, in 400 Jahren, wenn der „Schaumburger Friede“ 800 Jahre besteht, wieder in Bad Eilsen nach dem Rechten zu schauen.

Vom Schwefelgeruch nicht gerade begeistert

Stolz präsentierte die Bürgermeisterin dem „Fürsten“ und seinem Gefolge die neu restaurierte Tuffsteinquelle und erläuterte, dass vor 200 Jahren „Ihre gnädige Familie“ durch Fürstin Juliane das älteste Schlammschwefelbad Deutschlands hier gegründet habe. Unter Fürst Adolf habe sich der Ort zu einem Bad entwickelt, in dem sich die Welt ein Stelldichein gab. Dem hohen Gast, der sich vom Schwefelgeruch nicht ganz so begeistert zeigte, kredenzten zwei Bauersfrauen in Schaumburg-Lipper Tracht (Irmtraud Senk und Ingrid Schneider) anschließend einen Schluck „Schnüffelwater“ aus der Quelle.

Hans-Heinz Evers (Friedrich Winkelhake), ein berühmter Autor und Schriftsteller der damaligen Zeit, stellte Fürst Ernst und damit auch dem interessierten Publikum die vor 90 Jahren erfolgreichsten und überall in der Welt bekannten Bad Eilser Augenärzte, Dr. Graf Wiser (Hanno Teuber) und Dr. Friedrich von Tippelskirch (Lutz Gräber) vor. Der kleine Simon als Franz Liszt, der ein Jahr als Gast im Kurort lebte, spielte auf dem Klavier. Vorgestellt wurde er von Dirk Hasse, dem Vorsitzenden der Bückeburger Jäger. Die Bürgermeisterin erläuterte, dass der Niedergang des Weltbades mit den tragischen Umständen vor und während des Zweiten Weltkrieges begonnen habe. Die britische Besatzungsmacht habe dann bis 1955 alle Häuser des Ortes beschlagnahmt und in dieser Zeit habe das Bad allen Glanz verloren.

Christel Bergmann ging denn aber auch auf die aktuellen Probleme des Kurortes ein: So ringe man um die Anerkennung als Heilbad, zusammen mit der Rentenversicherung suche man nach Investoren für die vielen historischen Gebäude. Ferner habe die Gemeinde viele Pläne und gute Ideen, aber die Eilser „Sparlade“ sei leer. Fürstliche Hilfe erhoffe man sich jetzt durch die Petition …

Ein derartiger Erfolg des Lichterfestes, wie der jetzige Musikabend in früheren Jahren hieß, ist noch nie verzeichnet worden. Unter den vielen Gästen kam zu keiner Zeit Langeweile auf, denn die vielen Programmpunkte kamen Schlag auf Schlag. Der Gemischte Chor Eilsen begrüßte den Fürsten mit dem Schaumburg-Lied an der Tuffsteinquelle. Die Bückeburger Jäger und der Spielmannszug Ahnsen gaben eine kleine Probe ihres Könnens. Die Kindershowtanzgruppe des TSV Bad Eilsen und die „Linken Füße“ begeisterten das Publikum. Auch die Teakwondo-Abteilung des TSV demonstrierte, was möglich ist, wenn viel trainiert wird. Die Zeit bis zum Abschluss des Abends, dem Feuerwerk, verkürzte Sonny B. mit Oldies, Country und mehr in der Musikmuschel des Kurparks. Natürlich gab es an vielen Ständen zu essen und zu trinken, was das Herz begehrte.

Artikel vom 30.08.2010 - 00.00 Uhr
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