Obernkirchen

Start auf dem Kartoffelacker

Obernkirchen (sig). Vor sechs Jahrzehnten waren die meisten Mitbürger noch froh, wenn sie einen kleinen Gemüsegarten besaßen und auch etwas Kartoffelland. Der Weltkrieg war zwar vorbei, aber einen großen Wohlstand konnten sich die Überlebenden noch nicht erarbeiten. Erstaunlich, dass es damals in der Bergstadt schon Interessenten für den noch als elitär geltenden Tennissport gab.

Von Fritz Raeder und Ulrich Berger kam 1950 die Anregung, das Kartoffelland unterhalb des Weges „Zur alten Bückeburg“ als Tennisplatz zu nutzen. Schnell wurde eine zunächst noch kleine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, und am 5. September des gleichen Jahres gründeten 30 Mitglieder den Tennisclub Obernkirchen (TCO). Den Vorsitz übernahm Friedrich Möller-Bornemann.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Am 17. September erfolgte der erste Spatenstich. Die Vereinsgründer packten beim Bau des Tennisplatzes nach Kräften mit an. Das Bauunternehmen Ackmann & Sohn unterstützte das Projekt. Bereits am 23. Juni des nächsten Jahres konnte der Trainings- und Spielbetrieb aufgenommen werden. Die heutige Anlage an der Piepenbreite wurde 1970 in Betrieb genommen. Dazu gehören vier Plätze und das Clubhaus.

Sportwart Erwin Nerge, der den TCO derzeit kommissarisch führt, ging bei der Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten auch auf die hervorragende Jugendarbeit seines Vereins ein.

Das ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für das Überleben eines Tennisclubs, denn das Fehlen von herausragenden deutschen Tennissportlern hat diese Sportart längst wieder vom zweiten Rang hinter dem Fußball verdrängt.

Das liegt nicht an dem Kostenaufwand, der beim Tennis betrieben wird, denn der ist deutlich zurückgegangen gegenüber früheren Zeiten. Einen Beweis für den Wandel zum Volkssport lieferte der Ehrenvorsitzende des Kreissportbundes, Friedrich Meier aus Rinteln. Er wusste zu berichten, dass der KSB Schaumburg im Zeitraum zwischen 1979 und 1991 den Bau von nicht weniger als 99 Tennisplätzen im Landkreis finanziell gefördert hat.

Als Steffi Graf und Boris Becker ihren Höhenflug hatten und einen Turniersieg nach dem anderen errangen, zählte der TCO 271 Mitglieder. Das wird heute eine Wunschvorstellung bleiben, aber immerhin hat der Club noch 190 Mitglieder, darunter 88 Kinder und Jugendliche. Die meisten davon werden von der früheren ukrainischen Meisterin Elena Masur und von ihrem Ehemann Gerd trainiert.

Die langjährige Kooperation mit der Grundschule am Kammweg hat sich bislang ausgezahlt. Josephine Oelsner zum Beispiel gehört heute zu den sechs besten Spielerinnen ihrer Altersklasse in Niedersachsen.

Der stellvertretende Landrat Horst Sassenberg bezeichnete den TCO als einen der ältesten Tennisvereine im Schaumburger Land und lobte die Zusammenarbeit mit dem allerdings noch 20 Jahre älteren Rintelner Club und den Nachbarn vom TSV Liekwegen. Bürgermeister Oliver Schäfer bedankte sich für die vorbildlich gepflegte Anlage im Uhlenbruchtal und für die vorzeigenswerte Jugendarbeit.

Schatzmeister und Jugendkoordinator Peter Schlehufer (l.) freute sich über eine Geldspende in Höhe von 365 Euro für die Jugendarbeit, die Andreas Schulz überreicht.

Foto: sig

Artikel vom 25.08.2010 - 00.00 Uhr
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