Rinteln

Stadt rechnet vor: Neubau billiger als Sanierung

Rinteln (dil). Gibt es nun Bedarf für ein Dorfgemeinschaftshaus in Uchtdorf oder nicht? Bevor dazu die Bevölkerung befragt wird, will die Stadt erst einmal sehen, dass sich auch wirklich ein Verein zur Übernahme der Einrichtung findet. Der Verwaltungsausschuss hat jetzt gefordert, dass mit der Gründung eines entsprechenden Vereins schon einmal Bedarf bekundet wird, nachdem dieser von CDU und WGS mehrfach bezweifelt worden war.

Die Verwaltung hat die Kosten überschlagen für den Fall, dass man den Anbau an das alte Dorfgemeinschaftshaus erhielte und sanierte, um diesen als Dorftreffpunkt zu nutzen. Nicht überraschend kam dabei heraus, dass die Kosten noch etwas höher sind als bei dem geplanten neuen Anbau an das Feuerwehrhaus, für den aber schon 150 000 Euro Zuschuss aus Leader-Mitteln in Aussicht stehen.

Hier einige Kostenpositionen, die plus weiterer zu einer Gesamtsumme von 370 000 Euro führen sollen: Abriss des alten Gebäudes an der Straße 45 000 Euro, Einbau einer Behindertentoilette samt Fliesen 35 000 Euro, Wärmedämmung 70 000 Euro, Fenster 15 000 Euro. Hinzu kommen eine neue Heizung, denn die bisherige befindet sich im Altbau. Reißt man ihn an, ist die Statik des Anbaus gefährdet. Dieser müsste aufwendig stabilisiert werden.

Für den Neubau sind dagegen 350 000 Euro kalkuliert. „Aber auch das erst, weil wir auf Wunsch der Leader-Genehmigungsstelle abgespeckt und die Kosten reduziert haben“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz. Der Anbau werde auf Stelzen stehen, um das Hochwasserrückzugsgebiet der Exter nicht zu verkleinern. Küche und Toilette seien an die zur Wohnbebauung hin liegende Seite umgeplant worden, um Lärmbelästigung über offene Fenster des für Feiern geeigneten Raums zu vermindern.

Der Verwaltungsausschuss will nicht, dass ein Riss durch die Einwohnerschaft geht – zwischen Gegnern und Befürwortern des neuen Dorfgemeinschaftshauses. Immerhin waren mehr als 80 Unterschriften gegen den Neubau gesammelt worden. „Ohne Gründung eines Vereins geht es nicht weiter“, teilt Buchholz mit. Dann können die Einwohner immer noch nach dem Bedarf gefragt werden.

Mit Freude kommentiert die WGS den Beschluss des Verwaltungsausschusses, erst abzuwarten, ob sich ein Trägerverein für ein Dorfgemeinschaftshaus Uchtdorf bildet und ein tragfähiges Finanzierungskonzept erstellt, bevor die Stadt Rinteln die Planungen vorantreibt. „Dies ist der richtige Weg“, so WGS-Fraktionsvorsitzender Dr. Gert Armin Neuhäuser gestern in einer Pressemitteilung.

„Der Verwaltungsausschuss war gerade auch auf der Grundlage der verschiedenen, gegenläufigen und in Briefen dokumentierten Ansichten der Uchtdorfer Bürger, des ungeklärten Bedarfs und der Uneinigkeit über Sanierung oder Neubau zu dem Ergebnis gelangt, dass erst die Rahmenbedingungen geklärt werden müssten, bevor man konkret plant“, erklärt Neuhäuser. „So ist es auch bei dem DHG Goldbeck gelaufen, wo erst ein Trägerverein ein tragfähiges und überzeugendes Konzept präsentiert hat, und dann Beträge zur Verfügung gestellt wurden.“

Der Anbau (vorn) an das alte Dorfgemeinschaftshaus Uchtdorf ist nur mit erheblichen Kosten zu einem neuen Dorftreffpunkt umzugestalten.

Foto: tol

Artikel vom 04.02.2012 - 00.00 Uhr
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