Bückeburg
So zivil geht es bei der Bundeswehr zuAuf reges Interesse stößt die Funktionsweise der mächtigen Flugzeug-Antriebsaggregate. Aktuelle und zukünftige Besucher der Ausbildungswerkstatt nutzen die Veranstaltung zum Informationsaustausch. Foto: bus
Achum (bus). Eine Informationsveranstaltung der bei der Heeresfliegerwaffenschule in der Achumer Schäfer-Kaserne angesiedelten Ausbildungswerkstatt H für Fluggerätemechaniker Instandhaltungstechnik und Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme ist auf großes Interesse gestoßen. Außer aktuellen und zukünftigen Absolventen nutzen zahlreiche Eltern, Freunde und Bekannte der Azubis die Möglichkeit, umfassende Auskünfte über die zivile Berufsausbildung bei der Bundeswehr zu erhalten. „Es ist gut, wenn Angehörige kennenlernen, mit wem und mit welchem Umfeld es ihre Schutzbefohlenen zu tun haben“, bemerkte Ausbildungsleiter Reinhold Neitzert.
Zum Veranstaltungsprogramm gehörten außer Begrüßung und Einführungsvortrag die Vorstellung der gesamten Ausbildungswerkstatt sowie die Präsentation der Ausbildung im Stationsbetrieb. Dabei war für einheimische Besucher einigermaßen überraschend, dass in der großen Halle nicht Hubschrauber sondern sogenannte Starrflügler das Bild bestimmten. Zu sehen waren etwa Exemplare der Baureihen Bronco OV 10A (Schulflugzeug) und Fiat G.91R/1 (Angriffs- und Aufklärungsflugzeug).
Die Ausbildungswerkstatt H ist eine von 32 zivilen Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr. Die im Dualen System (Betrieb/Berufsschule) organisierte Ausbildung erfolgt in Kooperation mit der Firma TUI-fly und dauert jeweils 42 Monate. Sie schließt mit der Facharbeiterprüfung vor dem zivilen Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer ab. Pro Ausbildungsjahr werden für den Beruf Fluggerätmechaniker 16 und für die Berufsrichtung Elektroniker zwölf Plätze bereitgestellt. Hinzu kommt im ersten und zweiten Ausbildungsjahr eine jährlich wechselnde Anzahl von Azubis der TUI-fly.
Die berufliche Grundbildung im ersten Ausbildungsjahr spielt sich in speziellen Werkstätten beispielsweise in Laborwerkstätten ab. Für das zweite Jahr steht ein Lehrdock zur Verfügung, in dem die Lehrlinge an Flächenflugzeugen das Arbeiten am Luftfahrtgerät erlernen. Vom dritten Jahr an durchlaufen die Lernenden den Instandsetzungsbereich der Heeresfliegerwaffenschule, wo sie in Kleingruppen, jeweils unter Aufsicht eines Lehrgesellen, am eingeführten fliegenden Gerät der Heeresfliegertruppe mitarbeiten. Fluggerätemechaniker sind im späteren Berufsleben überwiegend mit Herstellung, Wartung, Inspektion und Instandhaltung von Flugzeugen beschäftigt; Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme werden von Fachabteilungen der Luft- und Raumfahrtindustrie, von Flugzeugherstellern und Fluggesellschaften oder von der Bundeswehr nachgefragt.
Das in der Schäfer-Kaserne vorgehaltene Angebot erfreut sich bundesweiter Beliebtheit. In der Regel stammen 80 Prozent der Bewerber nicht aus der hiesigen Region. Seit der Eröffnung der Lehrwerkstatt (1987) wurden 329 (Stand Februar 2010) erfolgreiche Absolventen gezählt. Derzeit betreut das elf Köpfe umfassende Personal von Leiter Neitzert 112 Azubis, die überwiegend in Privatunterkünften untergebracht sind. Für den ausbildungsbegleitenden theoretischen Unterricht zeichnet die Berufsbildende Schule Rinteln verantwortlich. Die Unterrichtung erfolgt im hochmodern ausgestatteten Gebäude der früheren Marienschule in Bückeburg.
Alles in allem bildet die Bundeswehr derzeit in rund 40 Berufen mehr als 5000 junge Leute aus. Wobei von dem 1959 ins Auge gefassten Ziel, Kindern von Bundeswehrangehörigen an sogenannten Einödstandorten eine Berufsausbildung zu ermöglichen, kaum etwas übrig geblieben ist. Das stellten bereits die überregionalen Nachfragen unter Beweis, erläutert Neitzert. Allerdings sei in den zurückliegenden Jahren ein rückläufiges Bewerberaufkommen auszumachen. „Früher kamen auf eine Stelle durchschnittlich 15 Bewerber, heute sind es nur noch acht.“ Was aber immer noch einer bemerkenswerten Quote gleichkomme und die Beliebtheit des Angebotes unterstreiche.