Landkreis

„So ein Wetter in 40 Jahren nicht erlebt“

Sehen hübsch aus, können aber auch dem Haus gefährlich werden: Eiszapfen. Foto: tol

Landkreis (dil). Seit Wochen Schnee und Eis und nur gelegentlich mäßiges Tauwetter, so wie gestern – mit Sorge blickt da so mancher Hausbesitzer auf sein Dach, auf dem der Schnee nicht schmilzt, sondern rutscht und an dessen Rändern dicke Eiszapfen hängen. Hinter den glitzernden bizarren Formen verbergen sich randvoll mit Eis gefüllte Dachrinnen und Eispanzer auf den Pfannen – und auch darunter. Bei jedem leichten Antauen mit anschließendem Frost wird das Eis am Dach dicker, und das Tauwasser sucht sich neue Wege – nicht selten auch ins Hausinnere.

„Es tropft durch Dachfenster, Wände werden feucht, und viele Kunden rufen an, dass ihre Dachrinne mit Eis verstopft ist“, erklärt der stellvertretende Obermeister der Dachdeckerinnung Schaumburg, Gerd Oltrogge aus Suthfeld. „Wir fahren dann zwar hin und schauen uns das an, aber machen können wir meist nichts. Nur wenn ein Fallrohr verstopft oder vereist ist, nehmen wir es ab und tauen es bei uns im Lager wieder auf. Es wird dann gereinigt und wieder angebaut.“

„Alles hat mit dem Eisregen vor Silvester begonnen“, erinnert sich Oltrogge. „Dann kam viel Schnee, das Eis taute nicht wieder ab. Wenn dann ein Regenrinnenablauf nicht sauber war, hat er sich mit dem Eis verstopft. Nun taut es an manchen Tagen unter dem Schnee, friert dann aber nachts oder bei neuer Kälte wieder zu Eis. Bis zu 60 Zentimeter sind die Dachränder auf und unter den Pfannen oftmals schon vereist. Das Eis schiebt sich durch offene Fugen bis ins Hausinnere. So eine Wetterlage, so massiv mit Eis, habe ich in meinen 40 Berufsjahren noch nicht erlebt.“

Oltrogge rät davon ab, jetzt Dachrinnen freihämmern oder mit Hitze auftauen zu wollen. Das könnte sofort Schäden auslösen. Wenn Feuchtigkeit allerdings bereits in die Wände zieht, dann sollte man die waagerechte Rinne abbauen lassen. Setze Tauwetter ein, könne man die Rinne auch vom Dachdecker unter Einsatz von Heißluftgeräten eisfrei machen und reinigen lassen.

Sorge bereiten dem Dachdecker auch die Flachdächer, auf denen schon jetzt große Schneelasten liegen (siehe Berichterstattung der letzten Tage über die gesperrte Sporthalle in Haste und die dortige Grundschule). Bei Tauwetter werde dieser Schnee noch schwerer, weiß Oltrogge. Da müssten Hausbesitzer dann unbedingt ihre Dachgullys kontrollieren, die oftmals im Haus liegen. Oltrogge erwartet für sich und seine Berufskollegen beim und nach dem nächsten längeren Tauwetter viele Aufträge, weil etliche Schäden erst dann sichtbar und spürbar werden.

Ruhiger geht es bei den Sanitärhandwerkern zu. Da es nur recht moderate Frosttemperaturen gab, sind kaum Rohre eingefroren, so Obermeister Rolf Kummerlöwe aus Wölpinghausen. Mit Dächern habe er weniger zu tun. Er rät zur elektrischen Begleitheizung für Dachrinnen und Fallrohre. „Aber ich habe nur einen Kunden, der so etwas hat“, gibt er zu. Auch Oltrogge sagt: „Das letzte Mal habe ich so eine Heizung vor 15 Jahren eingebaut.“ Die milden Winter haben das Interesse daran seit Jahren klein gehalten.

Feuchtigkeitseinbrüche in Häuser hat auch Thorsten Lang von der Isotec-Niederlassung Stadthagen bisher nicht vermehrt festgestellt. Der Spezialist für Bautrocknung und Isolierung wird derzeit eher wegen Schimmelpilzbildung an den Innenseiten der Außenwände gerufen. „Durch die lange Kälteperiode kühlen Außenwände sehr stark aus, da kann man manchmal gar nicht mehr gegenanheizen. Wir bauen dann auf Wunsch Klimaplatten von innen auf die Wand, die isolieren und Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben können.“

Artikel vom 14.01.2010 - 23.00 Uhr
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