Auetal
Nach großem Ladensterben – Angelika Held hält durch Rolfshagen (la). Früher hatten die Einwohner von Rolfshagen alle Geschäfte für den täglichen Bedarf – und noch darüber hinaus – mitten in ihrem Dorf. In zwei Lebensmittelgeschäften, einer Fleischerei, einem Blumenladen, einem Elektrofachgeschäft und einem Bekleidungsgeschäft konnten die Rolfshagener einkaufen. So war es noch, als Angelika Held 1989 ihr Geschäft „Pro Natur“ in der Rolfshagener Straße eröffnete und dort Umweltschutzpapier anbot. „Damals war ich überzeugt davon, dass nur Umweltschutzpapier gut ist, und das Geschäft ging gut. Die Kunden kamen von weit her zu mir“, erinnert sich Angelika Held. Schon bald nach der Geschäftseröffnung nahm sie Schulbedarf und Schulbücher in ihr Angebot auf. „Mein Sortiment orientierte sich an den Kundenwünschen und wuchs entsprechend“, so Angelika Held.
Doch mit der Zeit schloss ein Geschäft nach dem anderen in ihrem Umfeld. Die Fleischerei bereits Anfang der neunziger Jahre, das Blumengeschäft, in dem dann für einige Zeit das Jugendzentrum Platz fand, kurz danach. Es folgte das Bekleidungsgeschäft Mitte der neunziger Jahre und das Elektrofachgeschäft.
Auch der „Konsum“-Markt in der Rolfshagener Straße rentierte sich nicht mehr, weil immer mehr Dorfbewohner mit dem Auto in die Supermärkte und Discounter in den umliegenden Städten fuhren. Außerdem war die Konkurrenz des „Markant“-Marktes zu groß. Für zwei Lebensmittelmärkte reichte der Umsatz nicht. 1996 gab der „Konsum“ auf. Aus dem Geschäftshaus wurde ein Wohnhaus. Wer die Rolfshagener Straße entlangbummelt, dem fallen zahlreiche Häuser mit ehemaligen Schaufenstern auf. Einige wurden inzwischen umgebaut, und für einige haben sich Nachnutzer gefunden. So zog die Bäckerei Luchs in der Rolfshagener Straße ein, eine Fahrschule und ein Fußpflege- und Kosmetiksalon. Der „Markant“-Markt hielt noch bis 2002 durch und wurde dann ebenfalls geschlossen. Seitdem können die Rolfshäger in ihrem Ort nur noch Backwaren bei Bäcker Luchs, Bekleidung beim Fabrikverkauf von RHM und „Papier & mehr“ in ihrem Dorf einkaufen.
Angelika Held hat durchgehalten. Im Jahr 2002 benannte sie ihr Geschäft „Pro Natur“ in „Papier & mehr“ um. „Umweltpapier war nicht mehr so gefragt, und das normale Papier ist längst nicht mehr so belastend für die Umwelt“, erklärt Angelika Held. Außerdem sei ihr Sortiment in Sachen Büro- und Schulbedarf ständig gewachsen.
In demselben Jahr übernahm die Rolfshäger Geschäftsfrau die Postagentur und nahm Zeitungen und Zeitschriften in das Sortiment auf. „Dazu brauchte ich mehr Platz und ließ umbauen, um einen Raum mehr zu schaffen“, erzählt Angelika Held. Eine Goldgrube sei ihr Laden nicht, aber ihr mache die Arbeit und der Kontakt zu ihren Kunden viel Spaß. „Davon leben könnte man nicht, aber man kann es mit einem Nebenjob vergleichen, dem man stundenweise nachgeht“, so Angelika Held.
Auf den geplanten Dorfladen in der ehemaligen Schule freut sich Angelika Held: „Das kann nur gut für unseren Ort sein.“ Dass sie ihr Geschäft in Rolfshagen seit 20 Jahren betreibt, möchte sie mit ihren Kunden am morgigen Freitag, 30. Oktober, von 15 bis 18 Uhr feiern und zwar bei kostenlosem Kaffee, bei Kuchen und Bratwurst. „Schließlich verdanke ich es meinen Kunden, dass ich noch immer hier bin“, so Angelika Held.