Eilsen

Nach Haushaltsauflösung: Neue Besitzer für die Ratsstühle

Heeßen (tw). Mit einer „Haushaltsauflösung“, genauer, einem Ausverkauf der besonderen Art hat sich jetzt das Ortsparlament beschäftigt – und dabei die notorisch klamme Gemeindekasse um 1000 Euro bereichert. Unter Regie von Bürgermeister Harald Bokeloh ging es um die Zukunft von fast 30 Stühlen, auf denen die Heeßer Politiker bis vor Kurzem ihr Sitzungsgeld verdient hatten.

Die Vorgeschichte: Im Dezember 2007 waren im Zuge der Renovierung des Sitzungszimmers im Gemeindehaus Im Wiesengrund, das neu gestrichen wurde und neue Lamellen-Vorhänge erhielt, auch 14 neue Stühle beschafft worden; die alten Stühle stammten vom Stil her noch aus der Zeit des berüchtigten Gelsenkirchener Bergwerksbarock. Hinzu kamen damals noch zwei Tische mit Ansteckplatten. Exakt 2380 Euro blätterte die Gemeinde weiland dafür hin.

Damit nicht genug, kaufte die Gemeinde im August 2008 weitere 15 zu den Sitzmöbeln passende Stapelstühle dazu; sie wurden im Besucherteil des Ratsraumes aufgestellt – denn warum sollten die Bürger schlechter sitzen als die Bürgervertreter. Auf Vorschlag von Wilhelm Brümmel (CDU), damals Bürgermeister, hatten sich die Abgeordneten dabei einvernehmlich dafür ausgesprochen, das Angebot der Firma Diekmann, Hotel- und Gaststättenbau mit Sitz in Rinteln, anzunehmen – zumal Diekmann auch Heeßer Bürger war.

Dann rang sich der Gemeinderat im Sommer 2011 dazu durch, das Heeßer „Rathaus“ an den bisherigen Mieter zu verkaufen. Die Unterhaltskosten standen für die Gemeinde in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen. Sitzungszimmer und Bürgermeisterbüro wurden ausgeräumt, das Mobiliar bei Brümmel untergestellt.

Da der Rat fortan in der Regel im Heeßer Krug, wahlweise aber auch im Schützenhaus, im Jugendzentrum oder beim TSV Bad Eilsen tagt, wurden – im Wortsinn – neue Besitzer für die auch nach maximal vier Jahren Einsatz noch immer neuwertigen Stühle gesucht. Die sind auf der jüngsten Ratszusammenkunft gefunden worden.

Nachdem zunächst überlegt worden war, das Standesamt der Samtgemeinde mit den Sitzmöbeln zu bestücken, wurde zuletzt davon abgegangen. Zwei Bewerber blieben im Rennen: zum einen die Samtgemeinde, die die Stühle jetzt aber für die Neuausstattung des Sozialraumes begehrte, zum anderen der Schützenverein Heeßen unter seinem Chef Gerhard Hasse.

Der Beschlussvorschlag von Gemeindedirektor Bernd Schönemann hatte offen gelassen, ob die Stühle gegen ein Entgelt oder gratis abgegeben werden sollten. Bei der Zusammenkunft im Heeßer Krug sind beide Interessenten jetzt in kürzester Zeit einvernehmlich überein gekommen, das „Erbe“ zu teilen. Demnach übernimmt die Samtgemeinde für ihren Sozialraum, dessen Erstausstattung noch von 1974 stammt, die 14 Ratsstühle und die Tische; der Schützenverein nimmt den Rest. Als Kaufpreis wurde ein Drittel des damaligen Anschaffungspreises vereinbart – macht für die Samtgemeinde etwa 800 und für den Schützenverein etwa 200 Euro.

Artikel vom 26.01.2012 - 00.00 Uhr
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