Rinteln

„Mit Kaffee und Kakao alleine könnten wir längst dichtmachen“
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Rinteln (mld). Auch die Discounter haben den „Fairen Handel“ inzwischen für sich entdeckt. Jilla Wowra, die mit 14 Mitarbeitern über einen Verein den Rintelner Eine-Welt-Laden betreibt, hatte neulich den Prospekt eines solchen Supermarkts in der Hand: „Kaffee mit Bio-Siegel haben die angeboten. Da habe ich gestaunt.“ Keine Frage, dass damit das frühere Nummer-1-Produkt der Weltläden, fair gehandelter Kaffee, heute kein Zugpferd mehr ist: „Mit Kaffee und Kakao allein könnten wir längst dichtmachen“, sagt Wowra.

Also musste der Weltladen in der Bäckerstraße „umsatteln“, wie sie sagt: Inzwischen vertreibe er über 1000 Produkte. Neben Lebensmitteln gibt es dort auch Kunsthandwerk wie Schmuck und Holzfiguren oder Fußmatten zu kaufen. Besonders gut laufen laut Wowra kolumbianische Uhren aus recyceltem Metall, Ledertaschen aus Indien und Kleidung aus ökologisch korrekt angebauter Baumwolle aus Indien und Paraguay.

„Bio-Bekleidung war eine richtige Marktlücke“, schildert Wowra ihre Entdeckung. Seit einem Jahr führt das Geschäft Kleidung der Öko-Marken „ethos“ und „ideo“. Momentan gebe es nur zwölf Weltläden in Deutschland, die fair gehandelte Kleidung verkauften.

Seine Waren bezieht der Eine-Welt-Laden von etablierten Fair-Trade-Unternehmen wie gepa, Contigo oder El Puente. Eine Interessenvertretung der deutschen Weltläden, der „Weltladen-Dachverband“ mit Sitz in Mainz, prüft diese Importeure fair gehandelter Produkte und stuft sie als „Fachgeschäfte des Fairen Handels“ ein. Gütesiegel für die Einhaltung bestimmter Kriterien bei der Produktion – zum Beispiel Einhaltung der Menschenrechte oder Gewährung der Gewerkschaftsfreiheit – gibt es allein für Lebensmittel.

„Die Läden in kleinen Städten sind sehr aktiv“

In Riepen bei Bad Nenndorf führt Manfred Winkler ein Fair-Trade-Unternehmen: „Globo Fair Trade“ beliefert nach eigenen Angaben etwa 300 Weltläden in Deutschland und Europa mit eigens importierten Produkten. Seit etwa 15 Jahren ist auch der Rintelner Eine-Welt-Laden Kunde bei Winkler: „Alles ist immer korrekt und sauber“, sagt Wowra, und auch Winkler bestätigt „gute Zusammenarbeit“. „Generell sind die Läden in kleineren Städten sehr aktiv“, so der studierte Historiker, der in den Siebzigern über ein Auslandssemester in Argentinien Kontakt zu Werkstätten bekam und so in die Fair-Trade-Branche rutschte.

Zusammen mit seiner Frau vertreibt er von einem Resthof aus zahlreiche Produkte, von mexikanischen Fliesen über schwarze Keramik aus Kolumbien bis hin zu Seidentücher aus Indien. Die Qualitätskontrolle läuft bei Winkler allein über persönliche Absicherung: Er kenne jede Werkstätte, die für ihn produziert.

Einen Auftrag erhalte eine Werkstatt nur, wenn Kriterien wie gerechte Entlohnung und Arbeitsschutz erfüllt seien und, natürlich, wenn die Qualität der Produkte stimme. Über Messen, Freunde, Botschaften sowie bei 39 Lateinamerika-, zwei Afrika- und drei Asienreisen hat Winkler ein Netzwerk mit Produzenten und Händlern geknüpft.

„Andere kriegen das Bundesverdienstkreuz, ich kriege die Reisen“, witzelt Winkler. Lange Zeit bezog er Produkte vor allem aus Mexiko, dann kamen afrikanische Länder wie Tansania oder Kenia dazu. In den letzten Jahren sind durch einen Asien-Trend Indien und Nepal stärker in den Fokus gerückt. Wirtschaftlich mache der Faire Handel allerdings nicht viel aus, gibt Winkler zu: Fair gehandelter Kaffee zum Beispiel halte momentan etwa ein Prozent Marktanteil in Deutschland.

Im Eine-Welt-Laden in der Bäckerstraße hat Jilla Wowra oft das Gefühl, als Mitarbeiterin eines fair handelnden Unternehmens ein Nischendasein zu führen: „Viele Leute hier kennen uns gar nicht. Das Interesse fehlt“, klagt sie.

Für die Zukunft wünscht sie sich junge Verstärkung für das Weltladen-Team. Die müsste aber umsonst arbeiten: „Wir arbeiten hier alle ehrenamtlich“, stellt Wowra klar.

Dass fair gehandelte Produkte nicht gerade billig sind, weiß sie selbst: „Natürlich haben wir keine Discount-Preise.“ Von dem Geld muss das Geschäft unterhalten werden. Was dann übrig bleibt, wird gespendet.

Artikel vom 07.10.2009 - 23.00 Uhr
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