Bückeburg
Mit 9 Jahren auf dem Weg zur MeistersolistinFrüh übt sich…: Minha Marie und ihr Bruder Jun-Ho mit Prof. Karl-Heinz Kämmerling (v.l.), Koordinatorin Christiane Bessert-Nettelbeck und Peter Christoph Loewe vom Kuratorium. Foto: mig
Bückeburg (mig). Wer die kleine Minha Marie im Staatsarchiv sieht, mag kaum glauben, dass sie zu den Teilnehmern der Internationalen Musikakademie für Solisten (kurz: IMAS) gehört. Das schmächtige Mädchen ist gerade einmal neun Jahre alt – und schon eine angehende Meisterin des Klaviers. „Ich spiele seit vier Jahren Klavier, zu Hause übe ich jeden Tag etwa eineinhalb Stunden“, sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht. Neben dem Klavier spielt Minha auch noch Geige, besonders viel Spaß hat sie an Auftritten. „Aufgeregt bin ich dann kaum.“ Ob die in diesem Jahr jüngste Solistin der Musikakademie beim Abschlusskonzert mitspielen darf, weiß sie noch nicht, fest steht aber schon jetzt: „Ich habe hier viel gelernt und viel gesehen.“
Eine Brücke ins Berufsmusikerleben und eine Schnittstelle für die künstlerische Fortbildung junger Solisten – das ist IMAS, deren 32. Herbstakademie gerade auf Schloss Bückeburg läuft. Neun Tage lang führt die Herbst-Akademie begabte Schüler und renommierte Dozenten zusammen. An diesem Sonntag, 12. September, endet die Arbeitsphase mit einem Abschlusskonzert.
Unterrichtet wird die junge Pianistin von Professor Karl-Heinz Kämmerling, dem Nestor der IMAS-Meisterkurse. Kämmerling, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, leitet in diesem Jahr letztmalig den Klavierkurs, beim Abschlusskonzert am Sonntag soll er entsprechend geehrt werden. Dann wird auch der Name seines Nachfolgers bekannt werden, Kämmerling selbst soll der IMAS aber in beratender Funktion erhalten bleiben.
„Ich gehe mit lachenden Augen, weil ich weiß, dass für Kontinuität gesorgt ist“, betont Kämmerling im Gespräch. Seit fast 30 Jahren ist der Musikprofessor jetzt in Sachen IMAS unterwegs, besonders am Herzen lag und liegt ihm die Förderung des Nachwuchses. „Professor Kämmerling ist der spiritus rector, der Grandseigneur in der Musikpädagogik. Er ist der künstlerische Vater der IMAS“, lobt Peter Christoph Loewe (IMAS Kuratorium) den Lehrer. Dem Professor selbst hat es in Bückeburg immer „besonders gut gefallen“: „Ich möchte mich bei der fürstlichen Familie, den Gasteltern und den Bürgern für ihr Interesse und ihre Unterstützung bedanken.“
Auch wenn Kämmerling große Fußstapfen hinterlässt, in einen „Schwanengesang“ will Christiane Bessert-Nettelbeck „nicht ausbrechen“. „Professor Kämmerling ändert nur seine Funktion, er bleibt uns weiter erhalten“, so die IMAS-Koordinatorin.
Für die Zukunft sieht Bessert-Nettelbeck die IMAS gut aufgestellt, langfristig erhöht werden soll allerdings die Zahl der Mitglieder. „Wir wollen die IMAS auf mehr Schultern verteilen“, so Peter Christoph Loewe. „Neue Impulse setzen“ will die Akademie auch in der Ausbildung. Bessert-Nettelbeck: „Wir wollen noch mehr rein in die Jugend und in die Regionen.“ Ein weiteres Ziel ist die Erhöhung der Durchlässigkeit – schon jetzt gibt es eine enge Kooperation zwischen IMAS und IFF/VIFF (Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter und deren Vorklasse). „Wir versuchen ein Portfolio zu entwickeln, das die Kinder vom Kindergarten bis hin zum Studium in der Begabung begleitet und keine Brüche entstehen lässt.“
Erhöht wird die Notwendigkeit zur Vernetzung auch durch die (Ganztags-)Schule. Diese schöpfe immer mehr Zeit ab, die die Kinder früher zum Üben genutzt hätten, erläutert Bessert-Nettelbeck. „Wir wollen ins Grundschulalter runtergehen, da muss es Andockplätze für hochbegabte Musiker geben.“ Peter Christoph Loewe: „Die IMAS war schon immer der Ort gewesen, wo Frühberufene und weltbekannte Professoren aufeinandertreffen. Wir haben Teilnehmer im Alter zwischen acht bis Jahren.“
Karten: Für das Konzert am Sonntag um 16 Uhr im Festsaal von Schloss Bückeburg sind noch einige Restkarten verfügbar.