Rinteln
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Leiharbeiter: Gleicher Schutz – gleicher Lohn?

Boom macht Facharbeiter rar / In Rinteln mischen vier Unternehmen mit / Preisdruck ist enorm
Gleichbehandlung von Leiharbeitern und Stammkräften: Auf Baustellen tragen beide gleiche Helme, das erfordert der Arbeitsschutz, weiß Hans Gerd Depping. Seine Leiharbeiter seien gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Deshalb geht es derzeit um gleich
Gleichbehandlung von Leiharbeitern und Stammkräften: Auf Baustellen tragen beide gleiche Helme, das erfordert der Arbeitsschutz, weiß Hans Gerd Depping. Seine Leiharbeiter seien gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Deshalb geht es derzeit um gleichen Lohn. Foto: tol

Rinteln (wm). Die Zahl der Leiharbeiter steigt auf Rekordhoch, meldet die Bundesagentur für Arbeit. Auch heimische Firmen wie Wesergold und Stüken haben schon auf Leiharbeiter zurück gegriffen. Zeitarbeit boomt. Das bestätigt auch Firmenchef Hans Gerd Depping, seit über 20 Jahren im Geschäft. Die Depping Verwaltungs GmbH & Co. KG, ein Unternehmen für Zeitarbeit und Personaldienstleistungen, ist seit 1990 in Rinteln, Osnabrück, Leipzig und Berlin am Markt.

Seine Auftragsbücher für dieses Jahr seien „randvoll“, ließ Depping auf Anfrage wissen. Das Problem liege woanders. Durch die laufende Tarifrunde der IG Metall würden große Firmen zurzeit ihre Budgets noch nicht freigeben. Dann sei noch die Diskussion um eine gesetzliche „Equal-Pay-Regelung” voll im Gang. „Equal-Pay” meint eine Angleichung der Löhne von Stammbelegschaft und den Beschäftigten der Personaldienstleister.

Dass trotz des Booms in der Branche die Gewinne keineswegs üppig sprudeln, hat für Depping einen anderen Grund: Der Preisdruck sei in den letzten Jahren enorm gestiegen. Vor allem seit Tschechen, Slowaken und andere Osteuropäer auf den Markt drängen.

Trotzdem sieht sich das Rintelner Unternehmen in einer guten Position. Er habe langjährige Kunden, einen guten Ruf und ein Potenzial von Top-Facharbeitern für Elektro-, Mess- und Regeltechnik, den Anlagenbau und andere Spezialbereiche.

Die Depping-Gruppe ist europaweit tätig. In der Region, erzählt Depping, selbst Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, seien von seinen derzeit rund 170 Mitarbeitern gerade mal zehn beschäftigt, die anderen von Skandinavien bis Italien unterwegs: „Wir gehen mit unseren Kunden überall hin.“

Motivierte und gut ausgebildete Facharbeiter, das sei ein Wettbewerbsvorteil der Mittelständler gegenüber den Großen der Konkurrenz, die oft einen „Bauchladen“ anbieten, aus jedem Berufsfeld etwas. Was aktuell noch so alles in der Politik von Brüssel bis Berlin diskutiert wird, hält Depping teilweise für Windeier. Oft werde verkannt, „dass wir kein Agenturbetrieb sind, sondern ein normaler Arbeitgeber“. Das Image Heuern und Feuern, das der Zeitarbeit anhänge, spiegele nicht die Realität wieder. „Wir haben Mitarbeiter, die sind seit 17 Jahren bei uns.“

Immerhin: Leiharbeiter sind in den Betrieben, die sie anheuern, keine Arbeitnehmer zweiter Klasse mehr. Sie dürfen wie das Stammpersonal zu günstigen Preisen in der Kantine essen und mit Personalrabatt einkaufen, wenn das Unternehmen das anbietet. So steht es im Arbeiternehmer-Überlassungsgesetz (AÜG), dessen zweiter Teil im Dezember in Kraft getreten ist.

Raymond Fleckes, Geschäftsführer der Firma Besser Personal Service GmbH in der Konrad-Adenauer-Straße, stimmt Depping zu, Facharbeiter seien gefragt, gering qualifizierte Arbeitnehmer eher das Problem. In bestimmten Branchen seien Fachkräfte so rar auf dem Markt, dass dort sogar höhere Löhne als für das Stammpersonal bezahlt würden.

Besser Personalservice mit Büros in Rinteln, Bielefeld und Bad Salzuflen ist deutschlandweit tätig und vermittelt Arbeitnehmer in praktisch allen Branchen vom Krankenpfleger bis zum Ingenieur. Aktuell werden im Bereich Rinteln vor allem Schlosser, Schweißer, Elektriker und Gas-Wasser-Installateure gesucht. Zahlen zu den bei Besser beschäftigten Leiharbeitern wollte Fleckes allerdings nicht nennen.

Rund 70 bis 80 Prozent der Zeitarbeiter, die die DLZ (Gesellschaft für faire Beschäftigung) vermittelt mit Büros in Rinteln in der Enge Straße und in Goslar, fallen in die unteren Lohngruppen. Das habe, erläutert Geschäftsführer Dietmar Steege in Rinteln, mit der Geschichte der DLZ zu tun, die als gemeinnütziges Unternehmen begonnen hat, heute eine GmbH ist. Bis in die neunziger Jahre war es mit Aufgabe der DLZ, Arbeitslosengeld-II-Empfänger (was heute Hartz IV entspricht) wieder in Lohn und Brot zu bringen. Daraus resultiert auch, dass noch heute die meisten Mitarbeiter in Rinteln oder der Region Beschäftigung finden, weil viele wenig mobil sind. Wer für die DLZ als Leiharbeiter tätig ist, erhält einen Tariflohn, wenn auch meist an der Lohnuntergrenze. Gezahlt wird bei Leiharbeit nur die tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Das Risiko für Ausfallzeiten trägt die Leiharbeitsfirma. Steege räumt ein: „Es ist für uns ein Spagat. Um klar zu kommen, bemühen wir uns, Ausfallzeiten so gering wie möglich zu halten.“

Bei Teilzeit Thiele, ältester familiengeführter Personaldienstleister in Rinteln, hat man keine Angst vor „Equal-Pay”. Schon bisher, betont Peter Thiele, habe man einen Mindestlohn von 8,05 Euro bezahlt, und Mitarbeiter erhielten Zuschläge. Teilzeit Thiele hat 47 Büros in ganz Deutschland. Das Rintelner Büro in der Bahnhofstraße ist zurzeit geschlossen, zuständig die Filiale in Bückeburg.

Derzeit sieht der Tarifvertrag mit den DGB-Gewerkschaften in der Leiharbeit einen Mindestlohn von 7,89 Euro in Westdeutschland und 7,01 im Osten vor.

Doch Zeitarbeit ist längst nicht mehr das untere Ende der Lohnskala. Das sind inzwischen die sogenannten Werkverträge. Ausgegliederte Bereiche, nicht tarifgebunden noch schlechter bezahlt als die Leiharbeit.

Leiharbeit, sagen Chefs, ist ihr Schmuddelimage längst los: Schließlich fliegt inzwischen sogar die Lufthansa mit Leih-Stewardessen. Leiharbeit ist heute so selbstverständlich wie Just-in-Time. Für Depping führt kein Weg zurück: „Personal-Leasing ist inzwischen eine wichtige Säule im modernen Personalmanagement.“

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