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Lehrer sein bis 67? – „Alle, die es können, machen Altersteilzeit“Landkreis (jl). Die Landesregierung möchte die Lebensarbeitszeit für Beamte – und damit auch für Lehrer – bis zum 67. Lebensjahr verlängern. Doch schon heute arbeitet längst nicht jeder Pädagoge mit voller Stundenzahl bis zum Schluss. Das haben stichprobenartige Anfragen quer durch die Schaumburger Schullandschaft ergeben.
Beispiel Grundschule Am Sonnenbrink in Stadthagen: Dort hat Rektorin Petra Ammon in ihren drei Jahren in dieser Funktion bisher sechs Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand verabschiedet. Davon hatten vier bis zum Tag X in Altersteilzeit, also mit halber Stundenzahl, gearbeitet und zwei die Pensionierung mit 65 mit voller Stundenzahl erreicht. Aktuell gibt es in dem 32-köpfigen Kollegium einer der größten Grundschulen des Kreises sieben Pädagogen in der Altersgruppe 60 plus. Von denen sind drei in Altersteilzeit. Weitere haben ihre Stundenzahl reduziert. Den deutlichen Trend zur kürzeren Arbeitszeit im Alter erklärt die Schulleiterin damit, dass Lehrer heute „unheimlich viel Sozialarbeit leisten müssten“, und das koste Kraft.
„Alle, die es können, machen Altersteilzeit“, fasst Reinhold Lüthen, Direktor des Gymnasiums Ernestinum in Rinteln, seine Erfahrungen zusammen. Am Rintelner Gymnasium wird die Option Altersteilzeit zurzeit von zehn Mitgliedern des 90-köpfigen Kollegiums wahrgenommen. „Die einzigen, die voll bis 65 durcharbeiten, sind die Schulleiter“, ergänzt der Pädagoge.
Ein Grund sei die geringere Unterrichtsverpflichtung für Schulleitungen. Diese hätten zwar auch reichlich Arbeit, seien aber nicht dem besonderen Stress der übrigen Pädagogen ausgesetzt. Denn der „Klassendruck und der Abstand zwischen den Generationen“, sei für ältere Lehrer eine harte Herausforderung, deshalb der starke Trend zur Teilzeitarbeit.
Lüthens Beobachtungen zur Lebensarbeitszeit von Mitgliedern von Schulleitungen trifft auch auf die Grundschule Am Harrl in Bückeburg zu. Dort arbeiten Schulleiter Wolfgang Voß und seine Vertreterin Brigitte Holtz volle Stundenzahl. Voß wird in diesem Jahr 65 und in Pension gehen, und Holtz wird diese Grenze im kommenden Jahr erreichen. Im Übrigen gibt es im Kollegium zwei 62-jährige Lehrkräfte in Altersteilzeit und eine 60-jährige, die volle Stundenzahl arbeitet. Und auch an der Grundschule Lindhorst arbeitet nach Angaben von Schulleiter Hubert Sagel nur eine Lehrkraft der Altersgruppe über 60 die volle Stundenzahl 28. Die übrigen haben entweder die Stundenzahl reduziert oder sind in Altersteilzeit.
Ohne Altersteilzeit, so schätzt es Eberhard Koch, der amtierende Leiter der IGS Schaumburg, würden viele ältere Kollegen zusammenbrechen. An der IGS arbeiten drei Pädagogen aus der Altersgruppe volle Stundenzahl, während drei das inzwischen ausgelaufene Teilzeitmodell wahrnehmen.