Obernkirchen
Kinder marschieren für eine bessere ZukunftObernkirchen (rnk). Geht es nach dem Willen von Dörte Worm und Beate Josten, dann wird Fürst Ernst bei seiner Wiederkehr im Sommer auf seiner gesamten Route von einer lautstark singenden Kinderschar begleitet: Die beiden Obernkirchenerinnen planen für den „Schaumburger Friede“ einen Kindermarsch – eine musikalisch ausgerichtete Kinderkette.
Dabei sind sie auf die Kindertagesstätten und Schulen, die entlang der Route liegen, angewiesen. Sie sollen ihre Kindergruppen so formieren und aufstellen, dass sie den Friedensfürsten empfangen – etwa an der Grenze der Kommunen – und ihn zum zentralen Platz der Stadt führen und begleiten. Dabei sollen die Kinder ausgewählte Lieder singen, die sich dann entlang der Route wie ein musikalisches Band wiederholen. Dadurch, so Stadtkoordinatorin Worm und Pädagogin und Sängerin Josten, werde ein Schaumburg verbindender und vereinender Eindruck erreicht.
Beate Josten und Dörte Worm stellen es sich so vor: Auffällig bunt gekleidete Kinder säumen den Weg, „erbetteln“ sich mit einem Hut ein paar milde Gaben wie den „Schaumburger Schilling“ (die Einnahmen könnten später zwischen den Einrichtungen aufgeteilt werden), anschließend folgt der Auftritt des Fürsten, der Gericht halten kann. Dabei sind die Kinder als „lebendiges Publikum“ Teil der Veranstaltung. Anschließend begleiten die Kinder den Herrscher zum Ausgang der Stadt und „übergeben“ ihn dort den Kindern der nächsten Kommune. Beate Josten: „Es wäre eine schöne Gelegenheit für die ansässigen Spielmannszüge und sonstigen Vereine, den Zug zu begleiten.“ Größeren Kindern, die sich ohne Aufsicht bewegen könne, ist es dabei freigestellt, den gesamten Fürstenzug zu begleiten – mit dem Fahrrad, dem Skateboard oder zu Fuß. Das Konzept schließt ausdrücklich Sportvereine mit ein.
Die bunte Kleidung der Kinder muss nicht unbedingt zur frühmittelalterlichen Zeit passen, in der der Fürst regierte. Stilbrüche, so Worm und Josten, seien durchaus erwünscht, da eine Anlehnung an den historischen Hintergrund nicht zwingend erforderlich sei.
Auch die Musikinstrumente sind nicht unbedingt die gleichen, die vor 900 Jahren das Ankommen des Gerechtigkeits-Fürsten weithin hörbar verkündeten. Sie sollten sich, so die beiden Organisatorinnen, den heutigen Gegebenheiten anpassen, also Gitarren, Trommeln oder Selbst gebasteltes.
Die Idee eines Kindermarsches begründen Beate Josten und Dörte Worm mit der täglichen Realität: Kinder seien in der Gesellschaft zwar die gern und oft beschworene Zukunftssicherung, kämen in der Gegenwart aber nicht entsprechend vor. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der fehlenden Lobby und der ausschließlichen „Empfängersituation“ hätten Kinder nur über das Medium Eltern oder über Institutionen die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Die Realität der Kinder – und damit auch die der künftigen Gesellschaft – sehe aber nicht rosig aus: „Es fehlen immer noch qualifizierte Kindertagesstätten; Schulen, die den Ansprüchen der Kinder und den Lernanforderungen gerecht werden; Sozialangebote der Gesellschaft wie Schwimmbäder, Büchereien, Vereine und sonstige Einrichtungen, deren Zukunft immer ungewisser werde. Beate Josten: „Kinder haben bis auf wenige mediale Sprachrohre wenig Möglichkeiten, sich selbst und ihre Zustände in den öffentlichen Blick zu rücken.“
Anlässlich des Jubiläums „900 Jahre Schaumburg“ müsse es daher ein Anliegen sein, eine friedliche und zukunftsorientierte Perspektive des gesamten Schaumburger Landes zu demonstrieren. Denn, so sind sich die beiden Obernkirchenerinnen sicher, die Präsenz und darüber hinaus das aktive Mitwirken der Kinder bei diesem Projekt zeige „auf das Deutlichste“ den nachhaltigen Ansatz, „Schaumburg als zukunftsorientiert und familienfreundlich in das Bewusstsein jedes Einzelnen zu rücken.“
In dieser Woche werden die Kindertagesstätten und Grundschulen angeschrieben, über das Projekt informiert und um Mitarbeit gebeten. Konkret sollen die Mitarbeiter als Multiplikatoren dienen: In der Schule Schlaffhorst-Andersen in Bad Nenndorf werden sie von Beate Josten mit den ausgewählten Liedern vertraut gemacht, die sie dann in ihren Einrichtungen einüben können. Und dann geht es im Sommer hinaus zum großen Friedensmarsch.
Wer mitmachen möchte, kann sich gerne melden. Beate Josten und Dörte Worm freuen sich über alle, die den Kindermarsch gemeinsam mit ihnen bunt gestalten möchten: worm@wormconsulting.de oder josten@teleos-web.de
Wollen für den Schaumburger Frieden einen Marsch der Kinder organisieren, der den Fürst bei seiner Wiederkehr singend begleitet: Beate Josten (l.) und Dörte Worm.
Foto: rnk