Auetal
Jugendliche mit Angeboten aus der „Grauzone“ herausholenRehren (la). Vandalismus, Einbrüche und kürzlich eine Schlägerei, die einen Großeinsatz der Polizei erforderte (wir berichteten) – gibt es im Auetal einen Schwerpunkt in Sachen Jugendkriminalität?
„Im Auetal stellen wir schon fest, dass vermehrt Delikte von Jugendlichen begangen werden. Es sind auffällig mehr als zum Beispiel in Rinteln“, sagte der Rintelner Kripochef, Jörg Stuchlik, auf Anfrage.
Das Problem sei bekannt, und gerade an der Aufklärung der Schlägerei, die während des Discoabends der Jugendfeuerwehr im Gewerbegebiet stattgefunden hat und bei der ein Polizist verletzt wurde, werde derzeit gearbeitet. Die Aufklärungsrate von Einbruch- und Vandalismusfällen sei im Auetal hoch, was Stuchlik auch auf die hervorragende Arbeit der Polizeibeamten vor Ort zurückführt. „Trotzdem muss hier noch mehr geschehen, aber da ist nicht nur die Polizei, sondern auch die Gemeinde gefordert“, so der Kriminalhauptkommissar.
„Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und in Kürze soll wieder ein gemeinsames Gespräch stattfinden“, sagte Bürgermeister Thomas Priemer. Er sieht keinen besonderen Handlungsbedarf der Gemeinde.
„Es gibt hier eine Handvoll Jugendlicher, die immer wieder auffallen. Hier kann die Jugendpflege nicht mehr helfend eingreifen, hier müsste die Justiz durchgreifen. Diese Jugendlichen sind bereits mehrfach vorbestraft und durch die Jugendpflegerin nicht mehr zu erreichen“, so Priemer.
Diese Jugendlichen konsumierten regelmäßig Alkohol und Drogen, erzählt Jugendpflegerin Anne Matthias. Sie seien auch alkoholisiert ins Jugendzentrum in Rehren gekommen. Inzwischen hätten sie Hausverbot und blieben der Einrichtung fern. „Das können wir den anderen Jugendlichen nicht zumuten und es geht nicht, dass Jugendliche alkoholisiert ins Jugendzentrum kommen und pöbeln oder randalieren. Dann würden die anderen Jugendlichen, die unsere Angebote gern nutzen, wegbleiben“, so Matthias.
Trotzdem stehe auch dieser Kreis Jugendlicher indirekt im wichtigen Aufgabenfokus der Jugendpflegerin. „Es fühlen sich immer wieder Kinder und Jugendliche von dieser auffälligen Gruppe angezogen. Diese versuche ich dann durch mein Angebot im Jugendzentrum wieder davon abzubringen“, so Matthias. Meist gelinge dies auch. Zwar beobachte sie, dass die Gruppe immer wieder „Neuzugänge“ bekommt, aber durch gezielte Ansprache könnten diese immer wieder auf den „rechten Weg“ gebracht werden.
„Viele Kinder und Jugendliche haben keine große Ausdauer. Sie kommen für eine Zeit ins Jugendzentrum, nehmen das Angebot, wie etwa das gemeinsame Kochen, wahr, und ich nutze die Gelegenheit, mit ihnen zu reden. Aber nach einigen Wochen oder Monaten werden ihnen die Besuche im Jugendzentrum wohl zu langweilig, und sie suchen wieder das ,Abenteuer‘“, sagt Anne Matthias, die sich aber nicht entmutigen lässt und immer wieder nachhakt. „Die Jugendlichen, die immer wieder durch Vandalismus und Einbrüche auffallen, müssten durch einen Sozialarbeiter betreut werden. Das kann unsere Gemeinde, so hart das auch klingt, nicht leisten. Aber die Kinder, die sich von den bereits kriminellen Jugendlichen angezogen fühlen, müssen wir an unsere Jugendarbeit zu binden versuchen“, so Priemer.
Derzeit arbeitet Anne Matthias an einem neuen Programm für das Auetaler Jugendzentrum in Rehren. „Ich versuche das Angebot möglichst vielfältig und interessant für die Jugendlichen zu gestalten“, so Matthias.