Rinteln

Jason (2) auf Tuchfühlung mit der Vogelspinne
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Rinteln (wk). Eine Ausstellung mit dem Titel „Die faszinierende Welt der Spinnen“ hat am vergangenen Wochenende kleine und große Tierfreunde, aber auch manchen neugierigen Angsthasen in den Brückentorsaal gelockt. Die lebenden, achtbeinigen „Ekeltiere“ waren jedoch nicht die einzigen Zugpferde der Ausstellung, bei der auch Insekten, Amphibien und Reptilien zu bestaunen waren – mitunter sogar ebenfalls „hautnah zum Anfassen“.

„Wir wollen mit unserer Ausstellung den Besuchern die Angst vor den Tieren nehmen“, erklärte der Tierpfleger Carol Lauenburger. Zudem wolle man die oftmals bestehenden falschen Vorurteile durch Aufklärung beseitigen.

Gelegenheit zu einer ersten Annäherung an das Thema Spinnen und Co. boten die zahlreichen Terrarien. Sicher geschützt durch die Frontglasscheibe des Behältnisses, wagten es auch ängstlichere Zeitgenossen, die dahinter hockenden Tiere in Augenschein zu nehmen. Wirkten manche Arten wie etwa die rund acht Zentimeter messenden Fauchschaben, die mehr als faustgroße Chinesische Erdkröte oder das Jemenchamäleon, das mit jedem Auge in eine andere Richtung schauen konnte, eher skurril, rangierten die Vogelspinnen bei vielen ganz oben auf der Ekelskala: „Ich mag die absolut nicht“, räumte denn auch Marion Kalwey ein. Zum einen seien die Spinnen „riesig-haarig“, zum anderen habe sie „Angst vor den Bissen“.

Während die Rintelnerin sich nicht mal im Traum vorstellen konnte, eine der Vogelspinnen anzufassen, war ihre Tochter Indra schon mutiger. Die Elfjährige war sogar extra in den Brückentorsaal gekommen, um sich ihrer „panischen“ Spinnenphobie zu stellen. Tapfer nutzte sie die Chance, sich von Tierpfleger Lauenburger eine recht muntere „Rote Chile“ auf die Hand setzen zu lassen. Bewundernde Blicke der umstehenden Besucher waren ihr Lohn.

„Ich habe voll Herzrasen gehabt, weil ich dachte, dass die vielleicht beißt“, erzählte Indra später. „Dann war es aber irgendwie lustig.“ Und völlig begeistert berichtete sie, dass sich die über die Hand laufende Spinne „wie ein Fell“ angefühlt habe und man wohl doch keine Angst vor den Tieren haben müsse. „Ein Gruselfaktor ist schon dabei“, befand indes die Nienstädterin Martina Ludewig.

Völlig unbekümmert gingen dagegen oftmals die kleinen Besucher an die Sache ran. Der zweijährige Jason Leiskau aus Rinteln beispielsweise streckte ohne Zögern die Hand nach einer fetten Vogelspinne aus, die Veranstalter André Alfons Hein bei einer der „Shows“ durch die Zuschauerreihen trug. „Der hätte sie am liebsten angefasst“, bestätigte Vater Marco Leiskau stolz, gab allerdings zu, dass er selbst schon etwas Angst vor den Tieren habe, weil ihm die Haare und die Augen unheimlich seien. Da der Sohn solch eine Phobie gar nicht erst entwickeln soll, hatte ihn der Familienvater mit zu der Ausstellung genommen.

Ein gänzlich anderes Kaliber als die kleinen Krabbelviecher war ein rund 2,70 Meter langer und 15 Kilogramm wiegender Albino-Tigerpython. „Schlangen sind wechselwarme Tiere, die sich der Umgebungstemperatur anpassen“, erläuterte Lauenburger. Zudem seien die Reptilien „weich und schön anzufassen“. Davon durften sich denn auch zwei Mädchen überzeugen, denen der Tierpfleger die schwere Pythonschlange gemeinsam um den Hals hängte. „Am Anfang habe ich ein bisschen Angst gehabt, dass die mich erwürgt“, schilderte die elfjährige Lena Horntasch anschließend. Weil sie Tiere aber gerne mag („bis auf Zecken und solche Viecher“), hatte sie sich freiwillig für die Mutprobe gemeldet. Ebenso ihre Mitstreiterin Anna-Lena Kapsaskis (10): „Ich finde Schlangen so was von süß“, schwärmte die Krankenhägerin und schob die Begründung gleich nach: „Das ist mal was anderes – viele andere Tiere haben ja Beine, die aber schlängeln sich.“

Ein weiterer tierischer Teilnehmer der „Show“ war dann noch ein gut 1,30 Meter langer Grüner Leguan, dem Lauenburger „messerscharfe Krallen“, einen kräftig zuschlagenden Schwanz und eine „Beißkraft von fast einer Tonne“ bescheinigte. Bei all den exotischen Tieren in der Ausstellung stellte sich die Frage, wie oft der Tierpfleger denn schon gebissen wurde: Bisher nur einmal, verriet Lauenburger schmunzelnd. Und zwar von einem Hund.

Artikel vom 24.05.2009 - 23.00 Uhr
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