Bückeburg

In Gummistiefeln durch die Wiege der Frösche

Markus Richter vom Projekt Amphikult bei der Inspektion der Niederung. Foto: mig

Bückeburg (mig). Fast ins Wasser gefallen ist am Freitag eine gemeinsame Veranstaltung der Aktion Europa und des Naturschutzbundes Niedersachsen. Rund 20 interessierte Bürger und Bürgerinnen ließen es sich aber – trotz starken Regens und „Land unter“ – nicht nehmen, das mit EU-Fördermitteln unterstützte Amphibienschutzprojekt „Amphikult“ zu besichtigen. Das Programm in der Bückeburger Niederung ist Teil des europaweiten Netzes „Natura 2000“ und trägt dazu bei, gefährdete Tierarten und Lebensräume zu schützen.

Für die Frösche war es das ideale Wetter, für die Naturfreunde nicht unbedingt. Der anhaltende Regen hatte nicht nur viele Keller überschwemmt, sondern machte fast auch die geplante Exkursion unmöglich. Nach einer halben Stunde Bedenkzeit wurde schließlich doch noch grünes Licht für einen Kurzbesuch gegeben. „Wir sind doch keine Weicheier“, meinte der Vorsitzende des Nabu Bückeburg, Alfred Matthäi, schmunzelnd. Gemeinsam mit dem Manager des Projekts „Amphikult“, Dr. Markus Richter, und in hohen Gummistiefeln machten sich schließlich rund 20 abgehärtete Bürger und Bürgerinnen auf den Weg in die Niederung bei Berenholz.

Mit dem Bus fuhr die Gruppe dann möglichst nahe an das Gebiet heran, etwa zwei Kilometer mussten die Naturfreunde aber zu Fuß gehen. Viel zu sehen war beim wetterbedingten „Land unter“ zwar nicht, blicken ließ sich an diesem Tag nur eine friedlich grasende Ochsen-Herde. Durch „Amphikult“ gefördert wird die Fläche aber vor allem wegen des hier vorkommenden Laubfrosches, dieser habe hier in Restbeständen überdauert, erklärte Markus Richter: „Wir hoffen, dass er sich bald wieder explosionsartig vermehren wird.“ Auch die Beweidung durch Kühe ist Teil des Konzepts. Die Tiere verhindern, dass zu viele Gewächse und Bäume das Gebiet verschatten. „Das mag der Laubfrosch gar nicht“, so Richter. „Die Bewirtschaftung ist aber immer auch eine Gratwanderung und darf nicht zu intensiv sein.“

Einen Überblick über das Amphikult-Gesamtprojekt gab Richter im trockenen Bus. „Das Projekt von Nabu Niedersachsen und mehreren Partnern ist Anfang des Jahres gestartet und will seltene Amphibien wie den Laub- und Moorfrosch, die Kreuz- und Knoblauchkröte oder den Kleinen Wasserfrosch schützen. Deren Lebensräume sollen verbessert und weiterentwickelt werden.“ Die insgesamt 15 Projektgebiete liegen alle im südlichen bis mittleren Niedersachsen. Hier kommen 15 von 19 der in Niedersachsen heimischen Amphibienarten vor. In den nächsten Jahren will der Nabu „300 Teiche für Niedersachsen“ schaffen, die Laufzeit des „Life+Natur“-Projekts „Life Amphikult“ beträgt fünf Jahre.

Für den zweiten Teil der Veranstaltung übernahm dann Jan Rössel, Leiter des Europäischen Informationszentrums Berlin, die Federführung. Mit der Aktion „Europa vor Ort“ tourt Rössel derzeit durch ganz Deutschland, etwa 20 Städte und Dörfer will man besuchen. „Wir wollen auf diese Weise Projekte, die mit Mitteln der Europäischen Union gefördert wurden, anschaulich zu machen und Europa zu den Bürgern bringen“, so Rössel. Brüssel bestimme das Leben der Bürger immer mehr, umso wichtiger sei es, sich einzumischen. Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Was tut die Europäische Union für unsere Region?“ lieferte dann eher Stoff für EU-Skeptiker: Wirklich Zugang zur Lebenswirklichkeit in Bückeburg fanden die Politiker und Referenten Bernd Lange (Mitglied des Europäischen Parlaments/SPD), Ursula Langendorf (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz), Claudia Maier, (ebenfalls Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz) und Dr. Holger Buschmann (Vorsitzender des Naturschutzbunds Niedersachsen) nicht.

Rund eine halbe Stunde drehte sich das Gespräch vornehmlich um die Förderpolitik, außerdem angesprochen wurden die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung. Spannend wurde es erst als Wolfhard Müller, Vorsitzender des Fördervereins Bückeburger Niederung, in die Diskussion eingriff. Müller („ich bin wütend“) nahm die angespannte Hochwasserlage als Aufhänger und kritisierte, dass es kein Programm zur Förderung des Grunderwerbs mehr gebe. Dadurch habe bisher auch kein dynamisches Fließgewässer entstehen können.

Müller weiter: „Uns fehlen noch 80 bis 100 Hektar. Wir brauchen Retentionsraum für die Bückeburger Niederung.“ Schützenhilfe bekam Müller auch von Holger Buschmann (Nabu): „Sie haben ein Problem angesprochen, das muss das Ministerium akzeptieren. Herr Sander sieht es als Problem an, Flächen zu erwerben. Aber Naturschutz braucht Flächen.“

Weiterer Bericht folgt.

Artikel vom 01.09.2010 - 00.00 Uhr
drucken
Diesen Artikel versenden


   
versenden

Artikel kommentieren






Startseite | Lokales | Überregionales | Sport | Magazin | Kultur | Anzeigenmarkt | Service | Impressum
© C. Bösendahl GmbH & Co. KG
Eine starke Gruppe: Deister- und Weserzeitung | Pyrmonter Nachrichten | Dewezet Bodenwerder | Schaumburger Zeitung | Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung | Deister-Leine-Zeitung | Neue Deister-Zeitung | Wesio | Weserbergland.Com | Medien 31