Rinteln
Im Hallenbad: Freie Bahn für MuslimaRinteln (pk). Knapp zwei Monate nach der Unterschriftenaktion der türkisch-islamischen Mevlana-Gemeinde und des Integrationskurses haben die Frauen, die die Aktion initiiert hatten, ihr Ziel erreicht. Seit Anfang Dezember haben die muslimischen Frauen in Rinteln und Umland die Möglichkeit, im Hallenbad Steinbergen schwimmen zu gehen, ohne dass Männer dabei sind.
Sich Männern nur in Badeanzug oder gar im Bikini zu zeigen, das verbiete den Frauen ihre Religion, hatte Murat Demirel, der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde, die dem am weitesten verbreiteten sunnitischen Islam angehört, im Vorfeld argumentiert. Theoretisch wäre es auch möglich gewesen, dass die Frauen bekleidet in den Bädern ins Wasser gehen, dann eben auch im Beisein von Männern. Das sei durchaus machbar, sagt der leitende Schwimmmeister Lothar Schön vom Rintelner Hallenbad. „Allerdings muss es sich um ausgewiesene Badekleidung handeln, damit die Wasserhygiene gewährleistet wird. Es gibt ja auch Leute, die mit Neoprenanzug ins Wasser gehen“, sagt Schön.
Das sei für die Mevlana-Gemeinde aber nicht in Frage gekommen. „Dann werden die Frauen schräg angesehen oder vielleicht sogar angepöbelt“, glaubt Demirel. „Das mag in den Großstädten, wie Hamburg, Düsseldorf oder Berlin, anders sein, aber in einer Kleinstadt wie Rinteln…“
Immer sonntags in der Zeit von 12 bis 13.30 Uhr haben jetzt im Übrigen nicht nur die muslimischen Frauen, sondern alle Frauen die Möglichkeit, unter sich zu baden. Jungs sind bis zu einem gewissen Alter ebenfalls zugelassen. Betreut werden die Frauen selbstverständlich von einer Bademeisterin, statt von einem Bademeister.
Den Termin für die Frauen einzuräumen, sei kein Problem gewesen, sagt Sascha Rose. Lediglich eine Kindergruppe sei zeitlich ein wenig nach hinten verlegt worden.
Xenia Fischer-Loock, die Leiterin des Integrationskurses, die die Unterschriftenaktion der Muslima von Anfang begleitet hat, freut sich mit den Frauen, dass alles geklappt hat, und zieht nach den ersten beiden Sonntagen eine positive Bilanz. „Einige Töchter der muslimischen Frauen haben bereits ihre nichtmuslimischen Freundinnen mitgebracht“, erzählt sie zufrieden. Außerdem weiß sie von einer Muslimin der Gemeinde zu berichten, die besonders froh ist, über die Möglichkeit nun schwimmen zu gehen: „Ihr hatte der Arzt verschrieben, regelmäßig schwimmen zu gehen, sie tat es aufgrund ihres Glaubens aber nicht. Das ist jetzt vorbei. Dem schnellen Entgegenkommen der Stadt sei Dank.“