Eilsen
Großer Kraftakt für den Erhalt der WasserspieleVon Thomas Wünsche
Sommerliche Wasserspiele, wie Bürger und Kurgäste sie mögen: Das Archivfoto zeigt Alexander Roleder bei der Justage der Düsen an der großen Fontäne. Sollen die Fontänen weiter sprudeln, muss die Gemeinde wenigstens 25 000 Euro in die Sanierung investieren. Fotos: tw
Acht Springbrunnen gibt’s im Kurpark: Werden sie nicht saniert, taugen sie auch im Sommer allenfalls noch als Ententeiche.
Auch das gibt’s im Kurpark: Unbekannte Täter haben in diesen Tagen Granitplatten der Brunneneinfassung gestohlen.
Bad Eilsen. Der Kurpark im Sommer ohne Fontänen? Das wäre wie Bäume, die im Sommer keine Blätter haben – das geht gar nicht. Das meint auch die Gemeinde Bad Eilsen, welcher der Kurpark gehört. Problem nur: Die acht Springbrunnen – sieben sind im Besitz der Gemeinde, einer gehört der Deutschen Rentenversicherung – sind marode, können das Wasser nicht mehr halten und sind für den Badeort auch finanziell ein Fass ohne Boden; denn die Rechnung fürs nutzlos verronnene Nass ist erheblich. Die Folge: Werden die Anfang/Mitte der 60er-Jahre gebauten Becken nicht saniert, droht den Springbrunnen über kurz oder lang die Stilllegung. Bad Eilsens Gartenanlagen wären dann um eine Attraktion ärmer. Eine Attraktion, die nicht nur für Kurgäste den Reiz des Parks schlechthin ausmacht …
Nicht umsonst heißt es etwa in dem 1978 erschienenen Buch „Bad Eilsen wie es wirklich ist“ von Dr. Horst Merckens: „Auch an modernen Brunnen, an Wasserspielen entstehen Träume, ohne die der Mensch in der Masse und in der Technik nicht leben kann. Deshalb lieben wir die Wasserspiele in unserem Kurpark; denn sie greifen uns ans Gemüt, das wir verloren glaubten. Und sie symbolisieren außerdem die heilkräftigen Quellen von Bad Eilsen. Sollten wir uns nicht freuen, wenn selbst das Wasser fröhlich wird, strahlend fließend aus schönen Brunnen?“
Christel Bergmann hat denn auch in einem Gespräch mit dieser Zeitung die Sanierung der Springbrunnen vor Kurzem zum größten Projekt erklärt, das der Badeort 2012 stemmen will. „Ich rechne mit Kosten im fünfstelligen Bereich“, so die Bürgermeisterin im Dezember 2011. Derweil hat Bauhofleiter Bertram Meyer recherchiert. Das Ergebnis: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit wäre, die Brunnen komplett neu mit ,Rhepanol’ auszukleiden.“ Das ist just das Material, das in den Becken bereits verlegt ist – und mit dem undichte Stellen seit Jahren wieder und wieder geflickt werden. „Etwa 1600 Euro kostete das die Kommune allein im zurückliegenden Jahr“, rechnet Gemeindedirektorin Svenja Edler. Der Erhalt der Springbrunnen insgesamt schlug mit 11 500 Euro zu Buche; ein erheblicher Posten in dieser Rechnung war das Ersetzen der alten Druckgussanschlüsse durch solche aus Edelstahl.
Rhepanol ist ein kautschukartiger Kunststoff, dessen Hauptbestandteil Polyisobutylen ist; Polyisobutylen (Abkürzung: PIB) wurde erstmals 1931 von der Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF SE) in Ludwigshafen-Oppau produziert und unter dem Handelsnamen Oppanol auf den Markt gebracht. Rhepanol werden höchste Abdichtungsqualitäten nachgesagt. Ein Beispiel: Das Material wurde 1956 auf dem 180 Quadratmeter großen Flachdach des Wasserwerkes in Leopoldshafen (Karlsruhe) verlegt – das nach Firmenangaben „älteste Kunststoffdach der Welt“ soll noch heute, nach 55 Jahren, dicht sein. Aber: Ein Neuauskleiden der Bad Eilser Kurpark-Becken wäre teuer. Edler rechnet mit Kosten von etwa 40 000 Euro.
Doch es gibt noch eine andere und zweite Möglichkeit, die Meyer ebenfalls recherchiert hat: „Alternativ“, sagt der Bauhofleiter, „könnten wir auch Dichtungsschlämme auftragen.“ Es handelt sich dabei um zementgebundenen Werktrockenmörtel, der jedoch durch Kunstharzzusätze besonders wasserdicht und frostsicher ist. Das Verfahren sei vergleichsweise neu und werde zur flexiblen Abdichtung von Wand- und Bodenflächen im Feucht- und Nassbereich genutzt. „Schwimmbecken, aber auch in den Erdboden eingelassene Trinkwasserbehälter sind mögliche Anwendungsbereiche“, so Meyer. In den Kurparkbecken müssten die Dichtungsschlämme voraussichtlich in zwei Lagen auf den Beton gespachtelt werden. Auch hier hat die Gemeindedirektorin die Rechnung aufgemacht. Das Ergebnis: Eine Sanierung der Springbrunnen mit Dichtungsschlämmen würde nur etwa 25 000 Euro kosten – 15 000 Euro weniger, als bei der Rhepanol-Lösung. Finanzielle Zuschüsse seien so oder so nicht zu erwarten.
„Die Entscheidung“, sagt Edler, „muss aber der Bauausschuss vorbereiten“. Er trifft sich im Februar. Das letzte Wort hat der Gemeinderat. Klar ist aber schon jetzt so viel: Die Gemeinde empfiehlt mit Blick auf die Kosten ein Sanieren der Brunnenbecken mit Dichtungsschlämmen. Und: Die Arbeiten müsste eine Fachfirma übernehmen; der Bauhof wäre damit überfordert. Meyer rechnet damit, dass der Bereich der Brunnen für etwa zwei Wochen zur Baustelle werden wird. „Spätestens zu Ostern“, sagt Edler, „sollten die Fontänen dann wieder sprudeln“.
Doch das Erneuern der Springbrunnen ist nur eine, wenn auch die große Aufgabe in den Gartenanlagen, die 2012 auf die Gemeinde zukommt. „Darüber hinaus“, blickt Meyer voraus, „wollen wir als Bauhof zehn bis 15 weitere Ruhebänke erneuern.“ Wo möglich, werde dabei das Metall mit dem Sandstrahlgebläse bearbeitet und anschließend mit einem neuen Anstrich versehen; auch die Belattung wird ausgetauscht.
Des Weiteren will der Bauhofleiter Ersatz für die kürzlich wegen Altersschwäche oder Wurzelfäule gefällten Bäume nachpflanzen; allein im Kurpark sind das vier Exemplare. Die Neuen sollen etwa 2,50 Meter hoch sein, ihr Stamm etwa 20 Zentimeter messen. Bezogen werden sie von Baumschulen aus Norddeutschland. „Bleibt dann noch Zeit übrig, würde ich mich gerne ans Rosarium machen“, sagt der Grünexperte. Es wurde beim Erneuern der Kurparkwege weiland ausgespart. Meyer möchte insbesondere die Beete einfassen – mit Flachstahl, der, der Witterung ausgesetzt, den derzeit angesagten weil modernen „Rost-Look“ annimmt.