Obernkirchen
Freibad geschlossen: Ist die Saison schon jetzt beendet?Obernkirchen (rnk). Das Regentief Cathleen hat in der Nacht zum Freitag mit seinen Wassermassen das Schwimmbad überflutet, der Schwimmbetrieb ist bis auf Weiteres ausgesetzt, das Sonnenbrinkbad geschlossen.
Die Chronik einer langen Nacht und eines deprimierenden Tages beginnt um 19.16 Uhr am Donnerstagabend: Die Feuerwehr Obernkirchen rückt aus. Die erste Lage vor Ort: Das Sonnenbrinkbad läuft voll Wasser. Mit zwei Tauchpumpen und acht C-Schläuchen wird das Wasser vom Sonnenbrinkbad abgepumpt. Da ein reißender Bach das Gelände und den dann folgenden Fußgängertunnel überschwemmt, wird der Fußgängertunnel abgesperrt. Rings um das Bad und auf dem Gelände werden von den Feuerwehrmitgliedern alle verstopften Abläufe gereinigt.
20.42 Uhr, am gleichen Abend: Am Beckenrand stehen Wolfgang Hein, Fördervereinsvorsitzender, sowie Vorstandsmitglied Kathrin Stübke. Noch regiert vorsichtiger Optimismus: Sicher, das große Schwimmbecken ist überflutet, aber abgesehen von ein paar Blättern, die auf der Wasseroberfläche treiben, ist nicht viel passiert. Währenddessen schieben die Helfer das munter fließende Wasser am Beckenrand hinweg. Einen Tag, schätzt Hein, wird das Bad geschlossen sein, damit das Laub abgeschöpft, die Filter gereinigt und der Boden abgesaugt werden kann, aber mehr nicht. Am nächsten Morgen hat sich die Situation grundlegend und durchaus dramatisch geändert.
3.30 Uhr: Eine zweite Flutwelle fegt durch das Bad, jetzt ist für den Förderverein die Katastrophe da, alle Becken stehen voll mit einer dreckig-braunen Brühe. Auch die Umkleidekabinen und der Technikraum melden Land unter.
4.30 Uhr: Wolfgang Hein steht wieder im Bad und zieht eine erste Zwischenbilanz. Auch wenn er wenig sieht: Es sieht nicht gut aus.
Freitagmorgen, 8.52 Uhr: Im Technikraum werden die Schäden besichtigt, das Wasser stand gut 40 Zentimeter hoch, mit zwei Fönen werden die elektrischen Anlagen getrocknet. Draußen kümmert sich ein halbes Dutzend Helfer um den Schaden: Alle drei Becken wurden überflutet.
Die Situation erinnert stark an den 11. Mai 2002, als durch starken und lang anhaltenden Regen alle Becken und die Kellerräume samt technischen Anlagen mit schlammig-schmutzigem Wasser überflutet wurden. Zwölf Tage blieb das Bad geschlossen, allein der Sachschaden betrug 100 000 Euro, dazu kamen die Einnahmeausfälle.
Im Vergleich zu 2002 ist die Situation eher schlechter, denn es fehlt Zeit. Es ist Wochenende, vor einer Abgabe des Wassers müssen erst Genehmigungen eingeholt und Proben des Wassers müssen erst untersucht werden, ehe abgelassen werden darf. Selbst wenn dieses alles schnell geht, muss das Becken gereinigt, das neue Wasser eingeleitet und aufbereitet werden, müssen erneut Proben entnommen werden, damit die erforderlichen Genehmigungen erteilt werden können. Dazu kommt, dass das Wasser neu erwärmt werden muss – das dauert.
Gestern Abend hat sich der Vorstand zusammengesetzt, um Bilanz zu ziehen. Und um eine Frage zu entscheiden: Ist die Saison jetzt beendet? Es ist eine Kosten-Nutzung-Rechnung: Wie teuer wird es, und wieviel an Mehreinnahmen sind in den letzten sechs, sieben oder acht Wochen der Saison noch zu erwarten?
Ortsbrandmeister Clemens Keich muss mit seinen Männern in der Nacht noch einmal ausrücken. Zwischen Obernkirchen und Bad Eilsen, unterhalb der Firma Anke steht die Straße – wie immer bei starkem Regen – unter Wasser, der Acker läuft links und rechts die Straße entlang. Insgesamt, so erzählt Keich am nächsten Morgen, seien es zehn Einsätze gewesen, auch die Wehren in Gelldorf und Vehlen hatten mehrere Keller auszupumpen. Und ein Baum musste noch begutachtet werden: Er war im Bereich der Stollenbeeke umgefallen, Gefahr ging von ihm aber nicht aus.
Gestern Nachmittag rückten die Mitglieder der Wehr Krainhagen aus: Auf dem Flachdach des ehemaligen Martin-Luther-Hauses staute sich das Wasser und drückte eine Delle ins Dach. Mit dem Leiterwagen der Bückebürger Wehr wurde das Problem gelöst.
Gestern Morgen, kurz vor 9 Uhr: Frustriert reinigen die Mitarbeiter die Beckenränder, das Wasser selbst ist nur noch eine trübe Brühe. In der Technik wird mit dem Fön getrocknet (l.), in den Umkleidekabinen stapelt sich, was gerettet werden konnte. Fotos: rnk