Landkreis
Die Linke nominiert Student (23) für LandratswahlLandkreis (kle). Der Kreisverband Schaumburg der Partei Die Linke hat am Montag einstimmig beschlossen, einen eigenen Kandidaten für die kommende Landratswahl am 31. Oktober aufzustellen. In einer geheimen Wahl bestimmten die 14 anwesenden Parteimitglieder den 23-jährigen Sören Hartmann aus Rinteln als Kandidaten, um gegen Klaus-Dieter Drewes (CDU) und Jörg Farr, der für die SPD kandidiert, anzutreten.
„Wenn die Linke im Osten einen Kandidaten zur Landtagswahl aufstellt, ist das weder ein Problem, noch eine besondere Attraktion“, konstatierte Heinz Josef Weich, Vorsitzender der Linken in Schaumburg bei der Kreismitgliederversammlung in Stadthagen. „Im Westen ist das aber ein Novum. Wir wollen hiermit ein Signal setzen und unsere Politik in die Köpfe der Bürger bringen.“
Dabei war zunächst überhaupt nicht sicher, ob die Partei überhaupt einen eigenen Kandidaten zu Wahl stellen würde. So äußerten während der Versammlung auch einige Mitglieder ihre Bedenken gegenüber einer Kandidatur. Die Frage kam auf, wie eine ausreichende Mobilisierung der Mitglieder aussehen solle, wo doch zu einer derartigen Versammlung auch nur 14 Leute erschienen seien. „Eine Kandidatur birgt nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren“, lautete ein weiterer Einwand. Die Leute seien es gewohnt, zur Bundestagswahl zu gehen, nahm einer der Anwesenden Bezug auf den Wahlerfolg 2009, darum sei es leichter, Wähler dafür zu mobilisieren. Bei einer Landratswahl sehe das schon anders aus.
Am Ende entschieden sich jedoch alle Teilnehmer der Versammlung für eine Kandidatur. Ihre Chancen sahen sie vor allem darin, an unentschlossene Wähler heranzutreten – einer Umfrage zufolge sind dies rund 70 Prozent – und Themen anzusprechen, die „die Menschen bewegen“, so Hartmann. Dazu gehörten unter anderem das Kreiskrankenhaus in Rinteln, die Geschehnisse rund um den sogenannten „Trauermarsch“ von Neonazis in Bad Nenndorf und das Jobcenter. „Das ist eine riesengroße Chance, unsere Themen, in denen wir stark sind, nach außen zu tragen, auch im Blick auf die nächste Kommunalwahl“, betonte Hartmann.
Zu hoch wollten einige die Erwartungen an das Wahlergebnis aber nicht stecken. Wichtig sei es, so Landesvorsitzende Giesela Brandes-Steggewentz, die Wähler davon zu überzeugen, dass eine Stimme für ihren Kandidaten nicht einfach verschenkt, sondern eine Stimme gegen die großen Parteien sei. Auch Sitzungsleiter Jens Möller sagte: „Wir dürfen nicht erwarten, dass wir jetzt explosionsartig Mitglieder bekommen. Aber wir sollten einfach präsent sein und Flagge zeigen.“
In der Wahl um den Kandidaten gewann Sören Hartmann mit acht zu sechs Stimmen gegen seinen Kontrahenten Slatko Stevic. Hartmann studiert derzeit im letzten Semester an der Universität Bielefeld Sozialwissenschaften und Geschichte. Vergangenes Jahr sei er bei beim Bundestagswahlkampf sehr aktiv gewesen, so der 23-Jährige. Im Folgenden war er in Hannover im Niedersächsischen Landtag als studentische Hilfskraft tätig, in Vertretung des Referatsleiters für das Referat für Wirtschaft, Haushalt und Verkehr Uwe-Jens Rössel. Seither pflege er engen Kontakt mit den Abgeordneten Manfred Sohn und Ursula Weisser-Roelle, die ihn bei seinem Wahlkampf unterstützen würden.
Gisela Brandes-Steggewentz und Heinz Josef Weich (l.) beglückwünschen Sören Hartmann aus Rinteln zu seiner Kandidatur.
Foto: kle