Rinteln
Das mühselige Warten der kleinen Leute auf das Paradies Rinteln (ur). Zum „Saisonabschluss“ im Erzählcafé des Heimatbundes konnten Initiatorin Ellen Genz und rund 30 interessierte Gäste diesmal den Heimatforscher Uwe Kurt Stade aus Hohenrode begrüßen.
Der gebürtige Hamburger, und leidenschaftliche Boule-Spieler, der schon seit längerem an einer umfassenden Publikation über Geschichte und Geschichten seiner Wahlheimat in dem alten Weserdorf arbeitet, gab zunächst einen Überblick über die bewegte Entwicklung des Grenzorts durch die Jahrhunderte. Von durchaus literarischer Qualität war dabei seine einfühlsam erzählte Geschichte vom Leben im Tag eines mittelalterlichen Kleinbauern, der seine liebe Not hatte, sich mit seiner Familie durchzubringen.
Bis nach Fischbeck zu den Nonnen im Klosterstift musste der arme Mann gehen, nachdem die kargen Lebensmittelvorräte so gut wie aufgebraucht waren, um den barmherzigen Frauen die Holzlöffel zu bringen, die er an langen Wintertagen in seiner düste-klammen Behausung geschnitzt hatte - in der zuversichtlichen Hoffnung, dafür einiges Essbare zu bekommen.
Anschaulich machte Stade dabei seinen Zuhörern auch, welche zentrale Bedeutung es für den Überlebenskampf der kleinen Leute dieser Zeit hatte, ihr irdisches Dasein als eine Prüfung für den Eintritt ins Paradies zu verstehen: „Wie sonst hätte man diese Entbehrungen und Anstrengungen überhaupt durchstehen können?“ Auch die Notzeiten des 30-jährigen Krieges und das Elend des Soldatenverkaufs durch die Hessen sowie die Auswanderungswellen ließ der Vortragende lebendig werden und natürlich fand auch die Rolle Hohenrodes für Klatschpresse und Weltpolitik ihre angemessene Berücksichtigung-etwa durch die Verweise auf die Abstammung von Königin Silvia von Schweden aus der Pfarrers-Dynastie Sommerlath in den unterschiedlichsten Schreibweisen. Auch die diversen weltanschaulichen Strömungen vom Quäkertum bis zur Freimaurerei fanden dabei intensive Berücksichtigung.
Einen vielleicht etwas zu breiten Raum nahmen die Darlegungen von Stade zu genealogischen Querverbindungen sowie unterschiedlichen historischen Maßen und Gewichten ein. Solche Archiv-Grabungen mögen für den danach forschenden Geist durchaus von Interesse sein, überfordern den weniger informierten Zuhörer aber doch in ihrer grenzenlosen Fülle.
Herzliche Worte von Frau Genz, ein diskret verpacktes Fläschchen und freundlicher Beifall dankten Stade für seine interessanten Beiträge: und schon jetzt freuen sich die Stammgäste des Erzähl-Cafés auf die Wiederaufnahme dieser unterhaltsamen Nachmittage im Herbst.