Eilsen

„Das ist die letzte Atempause vor dem Start in den Frühling“

Bad Eilsen (sig). Auf ein Weihnachtskonzert hatte der Gemischte Chor Eilsen zugunsten eines Frühlingskonzertes verzichtet. Angesichts der Fülle von vorweihnachtlichen Musikveranstaltungen war das damals eine sinnvolle Entscheidung – auch wenn jetzt draußen der Winter wiedergekommen war und die Schneeglöckchen unter einer weißen Decke verschwinden ließ.

Die zahlreichen Zuschauer im Kursaal schauten gern nach vorn. Ein Winterlied wollte niemand hören. Deshalb war es richtig, dass der gastgebende Chor mit dem „Frühlingsruf“ von Ludwig van Beethoven das Gemeinschaftskonzert mit dem Männergesangverein Porta Westfalica eröffnete.

Die Vorsitzende Renate Wischnat sagte bei ihrer Begrüßung optimistisch: „Der Frühling hat nur eine letzte Atempause vor der großen Explosion der Natur eingelegt.“ Im ersten Konzertteil folgte auf die Silcher-Komposition „Frisch gesungen“ eine Uraufführung. Das besinnliche Lied „Die Abendglocken rufen“ hat der Chor gestiftet bekommen. Es ist dem Übergang vom hektischen Tag zur Stille der Nacht gewidmet.

Zur unvergänglichen Volkslied-Literatur gehört Friedrich Silchers Komposition „Wenn alle Brünnlein fließen“. Im ausgedruckten Programm nicht enthalten war das „Schaumburger Heimatlied“, das aber auch von vielen Hörern mitgesungen wurde. Die temperamentvolle Dirigentin Ulrike Köhler hatte ihr Ensemble bei den von ihr ausgesuchten gesanglichen Darbietungen wieder gut im Griff.

Das gilt ebenso für Valentina Schaadt, die den fast 40-köpfigen Männerchor aus dem Raum Neesen-Lerbeck leitet. Dieses 1919 gegründete Ensemble steht in der Tradition der früheren Glasfabrik Porta Westfalica, die einst einen eigenen Gesangverein besaß. Seit einigen Jahren wächst eine Freundschaft mit dem Eilser Chor, mit dem in der nächsten Vorweihnachtszeit ein gemeinsames Konzert in der Kleinenbremer Kirche geplant ist.

Nach dem flotten Einstieg mit der Aufforderung „Sing mit mir!“ wurde es innerlicher. Auf „Die Nacht“ von Franz Schubert folgten die Frühlingsmelodien „Nun bricht aus allen Zweigen“ und „Wo Mandelbäume blühen“. Wer wagt es, zu widersprechen, wenn im Text von der „wunderschönen Maienzeit“ die Rede ist. Auch die Portaner boten eine Erstaufführung in ihrem Repertoire an. Sie sangen die Mozart-Komposition „Im Frühling“.

Seinen Auftritt nach der Pause widmete der Männerchor Udo Jürgens. „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“ sind echte Perlen aus der Feder des beliebten Barden. Sie haben bereits heute Evergreen-Status.

Das Eilser Chor-Ensemble blieb auch im zweiten Teil zunächst dem Volkslied treu. Auf den „Jäger aus Kurpfalz“ folgte das immer das Herz anrührende plattdeutsche Lied „Dat du min Leevsten büst“. Danach wurde es international. Es folgten Melodien aus Finnland, Schottland und Spanien.

Mit der beliebten Schlussmelodie vieler Chorkonzerte („Kein schöner Land in dieser Zeit“) verabschiedeten sich beide Ensembles von einem dankbar applaudierenden Publikum, das zumindest gedanklich der schönsten Jahreszeit schon sehr nahe war.

Artikel vom 10.03.2010 - 23.00 Uhr
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