Landkreis

Brombach: „Damit habe ich schlichtweg nicht gerechnet“

Landkreis (ll/kk/mafi/joa). Als interessante Alternative bezeichnete Schaumburgs Landrat Jörg Farr gestern die Pläne des Energiekonzerns e.on, seine Anteile wieder auf die kommunalen Gesellschafter zu übertragen. Zwar ist der Landkreis nicht direkt an dem regionalen Versorger e.on Westfalen Weser beteiligt, dennoch ist das Angebot an die Kommunen laut Farr neben den derzeit stattfindenden Überlegungen, die Konzessionsverträge in Schaumburg neu zu vergeben, auch eine „Möglichkeit, die Netze zu kommunalisieren“. Aber das liege in den Händen der jeweiligen Städte und Gemeinden in Schaumburg, sagte Farr.

Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach war gestern überrascht von der Nachricht, dass e.on seine Anteile an der regionalen Tochter Westfalen Weser verkaufen will. „Damit habe ich schlichtweg nicht gerechnet“, sagte er.

Von den Schaumburger Gesellschaftern hat die Stadt Bückeburg mit 0,6381 Prozent bislang den größten Anteil an e.on Westfalen Weser; die Wasserbetriebe Stadthagen halten 0,6218 Prozent an e.on Westfalen Weser. Beteiligt an dem Paderborner Unternehmen sind zudem die Samtgemeinde Nienstädt (0,1967 Prozent), die Entwicklungsgesellschaft Samtgemeinde Sachsenhagen (0,1629 Prozent), die Samtgemeinden Eilsen (0,1467 Prozent), Lindhorst (0,1435 Prozent) und Niedernwöhren (0,1435 Prozent) sowie die Stadt Obernkirchen mit 0,0772 Prozent.

Im Schaumburger Nordkreis laufen in den nächsten Jahren die Strom-Konzessionsverträge aus und müssen neu vergeben werden. Derzeitiger Konzessionär ist dort e.on Westfalen Weser.

Wie der Stadthäger Bürgermeister Bernd Hellmann kürzlich am Rande der Jahrespressekonferenz der Stadtwerke Schaumburg-Lippe erläuterte, haben die Kommunen im Schaumburger Norden, die auch Gesellschafter der e.on Westfalen Weser sind, die Konzessionen der Jahre zwischen 2013 und 2016 gerade neu ausgeschrieben. Derzeit laufe das Bieterverfahren. Auch die Stadtwerke Schaumburg-Lippe haben sich neben e.on Westfalen Weser als regionaler Stromversorger beworben.

„Die Bewerbung der Stadtwerke bietet Chancen, Wertschöpfung in Schaumburg vor Ort zu schaffen“, sagte Hellmann gestern auf Anfrage zu der grundsätzlichen Entscheidung. Mit dem Ausstieg von e.on aus der Tochtergesellschaft müsse die Konzessionsvergabe jetzt aber neu geprüft werden, eine konkrete Entwicklung sei zum derzeitigen Stand der Sondierungsgespräche noch nicht absehbar.

„Wir werden uns natürlich der Frage stellen, was das für das Bieterverfahren bedeutet“, sagte Hellmann. „Aber zu sagen, welchen Ausgang die Vergabe damit haben wird – dafür ist es noch viel zu früh.“

Geplant war ursprünglich, dass die Entscheidung im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres fallen würde. Entscheidungsträger seien die jeweiligen Räte der Kommunen. Hellmann betonte, dass kein „Crashkurs“ gefahren werden soll, sondern dass die Verfahren in aller Sorgfalt vorangetrieben würden. Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach sagte, dass jede Kommune zwar ihren eigenen Weg gehen kann, das Ziel sei aber eine gemeinsame Marschrichtung. Beide Bürgermeister stimmen aber darin überein, dass „dezentralen Erzeugern“ die Zukunft gehört. Der Energieerzeugung vor Ort komme immer größere Bedeutung zu.

Im Falle eines weiteren Anteilskaufs der Kommunen stünde dann bei der Konzessionsvergabe e.on Westfalen Weser – mit einem erhöhten Anteil der Kommunen – in Konkurrenz etwa zu den Stadtwerken Schaumburg-Lippe. „Durch die neuesten Entwicklungen eröffnen sich auch komplett neue Möglichkeiten“, sagte Hellmann. „Wichtig ist, dass wir Versorgung und Wirtschaftlichkeit sicherstellen.“

Laut Brombach hat sich durch den Trend zur Rekommunalisierung in anderen Regionen aber auch abgezeichnet, dass „sich etwas tun würde“. Bückeburgs Bürgermeister bestätigte unterdessen, dass e.on an die Stadt Bückeburg als Anteilseigner der e.on Westfalen Weser herangetreten ist. „E.on hat uns mitgeteilt, die Anteile auf die Aktionäre übertragen zu wollen“, so der Bückeburger Bürgermeister. „Das ist aber brandneu.“

Mögliche Konsequenzen vermochte Brombach noch nicht abzusehen. „Das werden wir nun in den politischen Gremien besprechen.“ Tatsache aber sei, dass die kommunalen Anteilseigner an dem regionalen Versorger mit einem Anteil von insgesamt rund 37 Prozent „erstes Zugriffsrecht“ haben.

Im Hinblick auf die Bewerbung um die Konzessionen für die Stromversorgung im Schaumburger Nordkreis sagte Brombach: „Ich gehe davon aus, dass die Bewerbung von e.on Westfalen Weser nun obsolet ist.“

Die Mitarbeiter von e.on Westfalen Weser wurden gestern durch die Geschäftsleitung per E-Mail von den Plänen unterrichtet. „Wir sehen die Entwicklung durchaus positiv“, betonte Norbert Kinast, Vorsitzender des Hamelner Betriebsrats. Die einstigen „Wesertaler“ seien schließlich nie glücklich gewesen, dass sie „von den vier Landkreisen verkauft wurden“. Die Rückkehr in kommunale Hände und eine Kooperation mit den Stadtwerken eröffne den Beschäftigten durchaus Perspektiven. „Das sind motivierte und gut qualifizierte Mitarbeiter, die weiterhin gebraucht werden“, erklärte Kinast. „Die Arbeit fällt nicht weg“, ist er überzeugt. Es habe im Zusammenhang mit dem Übertrag von Stromkonzessionen an die Stadtwerke Hameln bereits ein erstes Gespräch zur Mitarbeiterübernahme gegeben, weitere werden folgen.

In Bodenwerder unterhält e.on Westfalen Weser derzeit 25 Arbeitsplätze, in Hessisch Oldendorf sind es rund 20, in der Netzwerkstatt Afferde 15; weitere Dienststellen gibt es in Stadthagen, Stadtoldendorf, Blomberg, Lage und Bösingfeld. Mitte Februar werden Vorstand und Betriebsrat in Paderborn sowie in Herford oder Bad Oeynhausen auf Belegschaftsversammlungen über Details zu den Verhandlungen und möglichen Veränderungen informieren. „Und die alten Wesertaler sind Veränderungen ja gewohnt“, stellte Kinast fest.

Hameln-Pyrmonts Landrat Rüdiger Butte, wie Brombach Mitglied im Aufsichtsrat von e.on Westfalen Weser, zeigte sich gestern Morgen ebenfalls überrascht, als er schriftlich vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Dr. Thomas König, über „Gespräche zur Neuordnung der Eigentumsverhältnisse “ in Kenntnis gesetzt wurde. Butte: „Im Aufsichtsrat war das nie Thema.“ Der Landkreis Hameln-Pyrmont ist mit 0,5 Prozent an der Regionaltochter e.on Westfalen Weser beteiligt. E.on Westfalen Weser war im Jahr 2003 aus der Fusion der drei Regionalversorger der Elektrizitätswerke Minden-Ravensburg, Pesag Paderborn und Wesertal Hameln hervorgegangen.

Artikel vom 27.01.2012 - 00.00 Uhr
drucken
Diesen Artikel versenden


   
versenden

Artikel kommentieren






Startseite | Lokales | Überregionales | Sport | Magazin | Kultur | Anzeigenmarkt | Service | Impressum
© C. Bösendahl GmbH & Co. KG
Eine starke Gruppe: Deister- und Weserzeitung | Pyrmonter Nachrichten | Dewezet Bodenwerder | Schaumburger Zeitung | Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung | Neue Deister-Zeitung | Wesio | Weserbergland.Com | Medien 31