Eilsen
Beim Dorffest wird der Kirchenstreit begrabenHier werden gerade die neuen Schilder enthüllt, die an die 1966 abgerissene Katharinenkapelle erinnern. Fotos: sig
Luhden (sig). Dass es einst zwischen der Kirchengemeinde und dem Luhdener Gemeinderat hoch her ging, davon ist heute nichts mehr zu spüren. Aber im Dorf leben noch viele Einwohner, die sich sehr gut daran erinnern können, wie hitzig die Auseinandersetzung um die einstige Katharinenkapelle war. Deren umstrittener Abriss rückte in den Mittelpunkt des Dorffestes und des Fürstenbesuches am vergangenen Sonntag.
Neben dem Gedenkstein, der an die Stelle erinnert, an der das Gotteshaus von 1646 bis 1966 stand, wurden zwei Tafeln enthüllt. Sie enthalten die Geschichte der Kapelle. In großen Lettern verkündeten damals Zeitungsüberschriften, dass der Abbruch der Katharinenkapelle schlichtweg empörend sei. Da war sogar von „Don Camillo und Peppone in Luhden“ die Rede.
„Es gab keine andere Wahl“
Der Gemeinderat gab damals als Grund für seine Entscheidung an, dass der bauliche Zustand des Gotteshauses ihm keine andere Wahl lasse. Die Kirchengemeinde hielt dagegen, dass es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn man für eine laufende bauliche Unterhaltung gesorgt hätte. Ganze 40 000 Mark hätten den Abriss des sakralen Baudenkmals verhindern können.
Es mag noch so manchen alten Luhdener geben, der den Verlust des historischen Bauwerkes bedauert. Fakt aber ist: Luhden hat längst wieder ein eigenes Zentrum für die kirchliche Arbeit und die Gottesdienste. Und der Gast, der den alten Standort neben dem Gasthaus Thies aufsucht, wird jetzt anhand von zwei Tafeln informiert.
Das Dorffest, in dessen Mittelpunkt die Erinnerung an den Kirchenstreit und der Besuch des „Fürsten Ernst“ stand, begann mit einem Gottesdienst, der wegen des unsicheren Wetters nicht im Freien unter den Kastanien am Lindenbrink abgehalten wurde. Pastor Lutz Gräber sprach in seiner Predigt davon, dass sowohl das Handeln von Politikern als auch die Entscheidungen von Fürsten nicht als verlässlich anzusehen sind. Sie alle seien fehlbar, wie die Vergangenheit ausreichend bewiesen habe.
An dem Gottesdienst im Kirchenzentrum nahmen auch Jungen und Mädchen des Eilser Kindergartens „Sinai“ teil. Sie sangen „Einfach Spitze, dass du da bist“ und meinten damit letztlich Gott. Anschließend tanzten die Kleinen einen Achttourigen. Diese Darbietungen wiederholten die Kinder beim Besuch der „fürstlichen“ Delegation an der Gedenkstätte der Katharinenkapelle.
Das Dorffest nahm seinen Fortgang mit Tänzen der Heeßer Dorfjugend. Auch der Posaunenchor Bad Eilsen-Rolfshagen trat vor dem festlich geschmückten Rathaus in Aktion. Zur Mittagszeit zogen die Festteilnehmer in Heerscharen zum Gerätehaus der Feuerwehr. Dort stand nämlich eine Gulaschkanone, gut gefüllt mit 180 Litern wohlschmeckender Erbsensuppe und heißen Würstchen. Kurze Zeit später wurde das große Tortenbüfett im Kirchenzentrum eröffnet.
Auf dem Parkplatz vor dem Gotteshaus befanden sich zahlreiche Spielstationen für die Kinder sowie ein kleines Karussell, das von den Kleinen Strom sparend mit den Füßen angetrieben wurde.