Auetal

Autoschieber verbringt 52 Tage hinter Gittern

Auetal/Bückeburg (ly). An seinen jüngsten Ausflug nach Deutschland wird ein Litauer (35) noch lange zurückdenken. Eigentlich wollte er nur einen Wagen aus den Niederlanden überführen und so schnell wie möglich nach Hause. Geworden sind daraus 52 Tage in Untersuchungshaft, denn der Wagen, ein 3er BMW Touring im Wert von mehr als 40 000 Euro, war gestohlen.

Über Weihnachten und in der Silvesternacht hat sich der Häftling vermutlich besonders einsam gefühlt ohne seine Familie. Erst jetzt, im Januar, kam er wieder auf freien Fuß, nachdem das Bückeburger Amtsgericht den Angeklagten wegen Hehlerei zu sechs Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt hatte.

Die Strafe mag nicht allzu hart sein, doch die vorausgegangene Untersuchungshaft hat abschreckende Wirkung und soll zur Warnung dienen. „Ich hoffe, dass Sie das nicht für sich behalten“, wandte sich Staatsanwalt Timo Goldmann direkt an den Angeklagten. Es darf sich nämlich ruhig herumsprechen. „Dass Sie für solch eine Sache Bewährung bekommen, passiert nur einmal“, gab Goldmann dem 35-Jährigen gleich mit auf den Weg.

Im November hatten Zollfahnder den Litauer auf der Raststätte Auetal aus dem Autobahnverkehr gezogen. Vielleicht witterten sie Drogenschmuggel. Als die Zollfahnder sahen, dass das Fahrzeug gestohlen war, übergaben sie den Fall an die Polizei.

Leugnen wäre zwecklos gewesen: Autoknacker hatten das Schloss der Fahrertür aufgebrochen. Den Motor starten musste der Mann hinterm Steuer mit einem provisorischen Schlüssel-Dummy aus Holz. „Es war sowas von offensichtlich, dass der Wagen gestohlen war“, fasst Staatsanwalt Goldmann zusammen. Eigenen Angaben zufolge hatte der 35-Jährige den Auftrag in Litauen bekommen und war dann nach Deutschland gebracht worden, um den BMW zu übernehmen.

„Der Angeklagte hat Glück, dass er in Litauen wohnt“, erklärte Richter Armin Böhm. „Als Deutscher würde er noch eine Arbeitsauflage von 200 Stunden bekommen.“ Dafür trägt der Verurteilte die Kosten des Verfahrens. Böhm hat „die Hoffnung, dass ihn die U-Haft hinreichend beeindruckt hat“.

Nicht geklärt werden konnte, ob der Litauer zu einer Bande von Autoschiebern gehörte, organisiertes Verbrechen also. Wenn ja, war er wahrscheinlich nur ein kleines Rädchen. Für seine Dienste, verbunden mit einem hohen Risiko, sollte der nicht vorbestrafte 35-Jährige nach eigenen Angaben zwischen 500 und 800 Euro bekommen.

Artikel vom 21.01.2012 - 00.00 Uhr
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