Bückeburg
Auch bei 65 Dezibel lässt es sich gut feiernFlorian Osthues, Tontechniker von der Porta Event, Fabian Hahn und Wolfgang Gisbert, Arbeitssicherheitsingenieur des „Minchens“, führen Geräuschmessungen in der Hannoverschen Straße durch. Ergebnis: alles im grünen Bereich.
Bückeburg (jp). Es kann der Frömmste nicht in Frieden feiern, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. So lautet leicht abgewandelt eine leider immer wieder bestätigte Volksweisheit. Gefeiert wird in Bückeburg gerne, doch leider immer seltener, weil einige ganz wenige Zeitgenossen allen anderen unter dem Vorwand des Lärmschutzes den Spaß zu verderben suchen.
So musste bereits der Granitball in der Innenstadt wegen des behördlich durchgesetzten Ruhebedürfnisses eines einzelnen Anliegers der Fußgängerzone in das Sommerfest integriert werden. Beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum vor zwei Wochen musste Veranstalter Gisbert Hiller des Nachts die Bühne entern und die frenetisch gefeierte Mittelalterband Saltatio Mortis abrupt zum Aufhören bewegen, weil ein einzelner Anwohner mit der Polizei drohte.
Und auch im „Minchen“, wo am Wochenende die Geburtstagsparty stieg, kann man davon ein Lied singen: Hier ist es ein einziger Nachbar, der seit Jahren Gästen und Gastgebern mit aller Macht das Leben und das Feiern schwer macht.
So war „Minchen“-Wirt Fabian Hahn bereits beim Open-Air vor einem Jahr gezwungen, nicht nur die Musik um Mitternacht aufhören zu lassen, sondern auch jeglichen Ausschank im Freien zu beenden. Doch damit nicht genug: In diesem Jahr musste zudem die Lautstärke der beiden ausgezeichneten Bands – es waren am Freitag die Petershäger Rockformation On Air, am Sonnabend zum vierten Mal in Folge die fantastische Groove Box Compilation aus Hameln – so dezent gehalten werden, dass die vorgeschriebenen 65 Dezibel nicht überschritten wurden.
Doch selbst das reichte dem Dauerbeschwerdeführer aus dem Lilienweg nicht. Der ließ es sich tatsächlich nicht nehmen, am Freitag um Mitternacht persönlich vor Ort zu erscheinen, um sich von der Einhaltung der behördlichen Auflagen zu überzeugen und dann „Minchen“-Chef Fabian Hahn vollmundig zu verkünden, man werde im kommenden Jahr eine Klage anstrengen, um das Open Air vollständig zu verhindern. Dann nämlich seien auch die übrigen Freiluftveranstaltungen in Bückeburg nicht mehr zu halten und damit „endlich Ruhe“.
Gegenüber den Gästen nahmen die „Minchen“-Verantwortlichen kein Blatt vor den Mund. „Ein Nachbarehepaar kämpft seit Jahren darum, dass das ,Minchen Open Air‘ nicht mehr genehmigt wird“, war auf einem öffentlichen Aushang zu lesen. Und weiter: „Der ständige Ärger (wohlgemerkt seit Jahren immer mit demselben Paar) kostet Nerven und unnötige Kraft. Aber solange wir sehen, dass hundert Gäste Spaß haben, werden wir weiter für die Open Air Party kämpfen.“
Mittlerweile regt sich jedoch nicht nur unter den vielen 100 „Minchen“-Fans geharnischter Widerstand gegen den Anwohner. Auch und gerade die Minchen-Nachbarn selbst gehen gegen das Dauerlamento über den angeblichen zu großen Kneipenlärm auf die Barrikaden. Über 40 Unterschriften wurden unter den direkten Anliegern bereits für das „Minchen“ und für die Beibehaltung des Open-Airs gesammelt. Und weit über 600 Unterschriften kamen allein am ersten Abend des „Minchen“-Geburtstags unter den Besuchern zusammen.
Nicole Huth wohnt selbst im Lilienweg 2 und damit deutlich näher am „Minchen“ als der angeblich so lärmgeschädigte Anwohner: „Wir alle finden es unglaublich toll, was Fabian hier auf die Beine stellt, insbesondere beim Minchen-Geburtstag, und können überhaupt nicht fassen, was dieser einzelne Nachbar für ein Gezeter dagegen anzettelt.“ Noch deutlicher wird Christiane Schmies, die nahezu Tür an Tür mit dem „Minchen“ wohnt: „Hier wird überhaupt niemand gestört.“ Die Beschwerden des Lilienweg-Anwohners sieht sie als völlig halt- und grundlos an: „Da sucht einfach nur jemand ein Ventil für die Unzufriedenheit in seinem Leben.“