Bückeburg
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Auch Nanni ein Opfer skrupelloser Tierfänger?

Katze der Familie Ostermeier ebenfalls verschwunden / Ermittlungen der Polizei bleiben bisher ohne Ergebnis
Nanni, die Katze von Ilka Ostermeier aus Vehlen.
Nanni, die Katze von Ilka Ostermeier aus Vehlen.

Bückeburg / Vehlen (jp/rc). Auch die Katze von Dr. Ilka Ostermeier aus Obernkirchen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Opfer der Tierfänger geworden, die vergangene Woche in Bückeburg und weiteren umliegenden Städten am Werk waren (wir berichteten). Wie die Katzenbesitzerin aus dem Obernkirchener Ortsteil Vehlen unserer Zeitung und dem Tierschutzverein berichtete, verschwand ihre Katze Nanni genau an dem Tag, als in Vehlen die besagten blauen Wäschekörbe auf Bürgersteigen und vor Haustüren auftauchten. „Nanni war immer in der Nähe des Hauses und hat sich nie für längere Zeit vom Grundstück entfernt“, betonte Ilka Ostermeier.

Zum Verhängnis wurde dem Tier sehr wahrscheinlich seine Fellfarbe: Nanni ist eine sogenannte Glückskatze, hat also die drei Farben Schwarz, Weiß und Orange im Fell. Und auf die hatten es die Tierdiebe dieses Mal offensichtlich besonders abgesehen. Dies belegen die Meldungen vermisster Katzen, die sich seit dem Auftauchen der Wäschekörbe im Tierheim häufen.

Auch Ilka Ostermeiers Verdacht richtete sich sofort auf die blauen Wäschekörbe, nachdem unsere Zeitung sowie die Internetseiten mehrere überregionaler Tierschutzorganisationen bereits mehrmals vor Tierfängern warnten, die als vermeintlich wohltätige Altkleidersammler über Land ziehen. Daher reichte es ihr nicht, Fotos von ihrer verschwundenen Katze in der Nachbarschaft zu verteilen, sondern sie hielt gemeinsam mit ihren Eltern die Wäschekörbe im Auge. Und wurde fündig: Sechs Tage nach dem Erscheinen der Wäschekörbe beobachteten Mutter und Tochter Ostermeier einen weißen Ford Transit mit Hamelner Kennzeichen, der langsam durch ihr Wohngebiet fuhr und dessen Fahrer die Wäschekörbe wieder einsammelte. „Das Fahrzeug besaß Fensterscheiben, die von innen mit Folie verklebt waren“, so ihre Beobachtung. Als die beiden einen kurzen Blick ins Innere des Fahrzeugs erhaschen konnten, in das der Fahrer die Wäschekörbe verlud, waren sie sich sicher: „Der sichtbare Laderaum war viel kleiner, als das Fahrzeug insgesamt lang war. Außerdem besaß der Ford Transit sehr ungewöhnliche Haken auf seiner Unterseite.“

Mit der genauen Fahrzeug- und Personenbeschreibung sowie dem amtlichen Kennzeichen des Ford Transit erstattete Ilka Ostermeier Strafanzeige bei der Polizei. Sicherheitshalber gab sie bei den Ordnungshütern auch gleich den Wäschekorb ab, der eigenartigerweise ausgerechnet von ihrem Grundstück nicht wieder abgeholt worden war. Aufgeklebt auf dem Wäschekorb fand sich ein Zettel mit der Adresse einer angeblichen Firma aus Bad Münder, deren Name sich jedoch in keinem Telefonbuch und keinem Branchenverzeichnis finden ließ.

Wie Ulrich Kaupmann, Pressesprecher der Polizei, mitteilte, seien die Beamten den Hinweisen nachgegangen: allerdings hätten Kennzeichen und Fahrzeugtyp nicht zueinander gepasst, auch die Personenbeschreibung nicht. „Nichts greifbares derzeit“, so seine Auskunft. Bisher liegen der Polizei auch nicht mehr als zwei Anzeigen vor, trotz der Berichterstattung in der Zeitung: „Wir können die Zahl von bis zu 30 verschwundenen Katzen absolut nicht bestätigen.“ Dennoch habe die Polizei ihre Streifentätigkeit erhöht.

„Wir glauben mittlerweile fest, dass Nanni entführt wurde, um ihr Fell für Decken zu verarbeiten“, so die traurige Überzeugung von Ilka Ostermeier. Ganz besonders tragisch: Sie hat Nanni vor fünf Jahren adoptiert, als ihre damalige Katze auf ebenso plötzliche und mysteriöse Weise verschwand. „Ich hätte niemals geahnt, dass sich in Deutschland mit so etwas Abscheulichem Geld verdienen lässt“, so Ilka Ostermeier.

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