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197 Faurecia-Beschäftigten droht Entlassung in 2011Stadthagen (ssr). Der Autositzhersteller Faurecia in Stadthagen hat den Abbau von weiteren 197 Stellen angekündigt. Die Zahl der Beschäftigten im Produktionswerk soll „beginnend in 2011“ auf nur noch 155 reduziert werden, heißt es in einer gestern Nachmittag verbreiteten Presseerklärung des Unternehmens. Betriebsrat und IG Metall sprachen von einem „schwarzen Tag für die gesamte Schaumburger Region“.
Erst vor wenigen Tagen waren Verhandlungen über einen Interessenausgleich für 90 geplante Kündigungen in der Abteilung Forschung und Entwicklung für gescheitert erklärt worden. Diese angekündigten Entlassungen dürften kurz bevor stehen.
Den neuerlichen Schritt begründet das Faurecia-Management so: Die Wirtschaftskrise habe das Werk zwar gut überstanden. Nun aber würden hier bis zum Jahresende drei wesentliche Aufträge auslaufen, und „Nachfolgeaufträge stehen in naher Zukunft nicht in Aussicht“. Dies habe eine „veränderte strukturelle Situation im Werk“ zur Folge, was „eine Restrukturierung“ verlange.
Die Faurecia-Geschäftsführung versicherte, von Kündigung betroffene Mitarbeiter „wenn möglich an anderen Standorten einzusetzen“. Erneut beteuert das Unternehmen in bereits bekannter Formulierung: „Langfristig wird an diesem Standort in Zukunftstechnologien investiert“.
Die bittere Kunde sei den Mitarbeitern gestern Mittag während einer Belegschaftsversammlung mitgeteilt worden, berichtete Thorsten Gröger von der IG Metall. Die von Geschäftsführer Thorsten Muschal gewählte Ansprache sei „unangemessen knapp und schwach“ gewesen. Unter den Arbeitnehmern habe „gedrückte Stille“ geherrscht. In vielen Gesichtern sei abzulesen gewesen, „welche Filme in den Köpfen ablaufen: Was passiert wohl bald mit mir und meiner Familie?“
Die Stimmung sei „in Wut und Enttäuschung“ umgeschlagen, als Personalchef Rupertus Kneiser wiederholt konkreten Fragen nach einem Interessenausgleich ausgewichen sei. „Das Management musste sich Pfiffe und laute Buh-Rufe anhören“, beschrieb der Gewerkschafter die Atmosphäre in der Werkshalle.
Die strukturellen Hintergründe, die der Konzern für die Kündigungen anführt, sind nach Überzeugung des Betriebsrats spätestens seit 2006 bekannt. Deswegen sei damals ein Zukunftsvertrag geschlossen worden, der die jetzt eingetretene Entwicklung habe verhindern sollen. „Das Management hat aber seine Hausaufgaben nicht gemacht, den Scherbenhaufen haben sie verursacht“, brandmarkte Betriebsratschef Fred Hartmann.
In dem Zukunftsvertrag sollte laut IG Metall-Sprecher Gröger das Werk neu ausgerichtet werden – weg von der Massenproduktion und hin zu Entwicklung und Herstellung von exklusiven Produkten und Ersatzteilen, verbunden mit Investitionen in ein Kompetenzcenter für Presstechnologie. Gröger dazu: „Diese Investition ist nicht gemacht worden und alle anderen Vereinbarungen wurden auch nicht mit der nötigen Konsequenz umgesetzt.“ Der Arbeitnehmervertreter weiter: „Die Geschäftsführung hat ihr Versprechen gebrochen.“
Für Freitag, 3. September, um 10.30 Uhr ruft die IG Metall zu einer Protestkundgebung auf dem Marktplatz in Stadthagen auf. Für die Arbeitnehmer ist der Treffpunkt um 9.30 Uhr vor dem Faurecia-Haupttor, wo der Demonstrationszug zum Markt beginnt.
Blick vom Parkplatz auf das Stadthäger Werk des Autositzherstellers Faurecia. Hier werden in naher Zukunft die Pkw von nur noch 155 Mitarbeitern parken.
Foto: rg