Stadthagen

Wochenmarkt: Händlern fehlt die Hälfte in der Kasse

Raffaele Santangelo: „Die Kunden aus dem Umland blieben bei Eis und Schnee weg.“ Foto: rg

Stadthagen (ssr). Ununterbrochen Eis und Schnee während der beiden Monate Januar und Februar – das hat es seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Davon betroffen waren auch die Händler auf dem Wochenmarkt. Viele von ihnen haben in diesen beiden Monaten Umsatzeinbrüche gegenüber normalen Wintern von 30 bis 50 Prozent verkraften müssen.

„Wegen der Eisglätte sind vor allem viele Kunden aus dem Umland weggeblieben“, berichtet Obst- und Gemüsehändler Raffaele Santangelo. Er beklagt ein Umsatzminus von 50 Prozent. An den kältesten Tagen habe er trotz dreier 50-Kilowatt-„Gas-Heizpuster“ den Stand gar nicht aufgebaut: „Das hätte sowieso nichts gebracht.“

40 Prozent Umsatzeinbruch verzeichnet Robert Becker von der Fleischerei Plinke. „Es war oftmals viel zu kalt, da trauten sich vor allem die älteren Leute nicht raus.“ Trotz aller Widrigkeiten habe er aber keinen einzigen Markttag ausgelassen: „Gekämpft wird um den letzten Kunden.“

„Die Menschen hier sind einen harten Winter überhaupt nicht mehr gewohnt, da kriegen viele bei etwas Glätte gleich schon Angst“, hat Christa Wilke von der gleichnamigen Bäckerei beobachtet. Sie beziffert das Umsatzminus auf rund 35 Prozent. Mit Preisabschlägen hat Blumenhändlerin Petra Szymanski versucht, Kunden trotz des widrigen Wetters anzulocken. Gleichwohl muss sie ein Umsatzminus von 20 Prozent verkraften. Denn „letztlich sind Blumen Luxus, da gehen die Leute nicht mit der stärksten Nachhaltigkeit ran.“ Kaum Einbußen errechnet Joachim Piephans, der als Direktvermarkter Biogemüse und -obst anbietet. Allerdings kommt der Sulinger im Winter ohnehin nur an Samstagen auf den hiesigen Wochenmarkt. Und an diesen sei der Umsatz für ihn derselbe gewesen wie in den wärmeren Wintern zuvor. Übel hingegen war die Eiseskälte für Heinz-Dieter Schwarzlose mit seiner „Suppen-Feldküche“. 50 Prozent Umsatzeinbruch sei die Folge davon gewesen, „dass bei Schnee und Eis nur wenige Leute auf dem Markt waren“.

Ärgerlich zeigt sich Schwarzlose über „den viel zu schlechten Winterdienst der Stadt“. Das Eis um seine „Feldküche“ herum habe er schließlich selber weggehackt. Zumindest in der Mitte des Platzes sei zu schlecht geräumt gewesen, bestätigt Christa Wilke: „Ich bin dann einfach aus der zweiten in die erste Reihe vorgerückt, da war besser geräumt.“ Ganz anders Raffaele Santangelo: „Bewundernswert, was die Stadt geleistet hat, die Mitarbeiter haben oft um 4 Uhr morgens angefangen zu räumen.“

Weil in den eiskalten Monaten Januar und Februar etliche Marktbeschicker fern blieben, rückte das Thema „Lücken im Wochenmarkt“ besonders anschaulich ins Bewusstsein. Denn auch sonst gibt es diese Lücken, mal mehr mal weniger.

„Jede Lücke wirkt wie ein Leerstand“, nimmt Lars Masurek, Wirtschaftsförderer der Stadt, das Problem „sehr ernst“. Das „Kaufhaus Stadthagen“ brauche einen sehr attraktiven Wochenmarkt als ein Kernstück. Mit einem bundesweit erfahrenen, in Sachen Wochenmärkte spezialisierten externen Berater wird er das Thema in der nächsten Zeit erörtern. Dabei werde es unter anderem um ergänzende Waren-Angebote gehen, aber auch um ein besseres Management der Aufstellung der Buden. Ein „kompaktes Erscheinungsbild“ jedes Wochenmarktes fordert der Vorsitzende des Stadtmarketing Stadthagen (SMS), Holger Schulz. Alle Stände müssten jeweils zusammenrücken. Das wäre ihm auch in den beiden vergangenen Monaten lieber gewesen, „selbst wenn dann nur ein Drittel des Platzes belegt gewesen wäre“. Erforderlich dafür sei aber ein verlässliches zentrales Stellplatz-Management.

Artikel vom 07.03.2010 - 23.00 Uhr
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