Stadthagen
„Wir haben nichts mehr“Sandsäcke und Absperrungen werden schnell zum raren Gut.
Stadthagen (sk). „Kommt man nach Flohr Otis durch?“ Ein Audi-Fahrer aus Hannover stoppt gegen 5.30 Uhr vor einer Bake auf der Dülwaldstraße, Höhe Hagebaumarkt. Stefan Dammeier, Mitarbeiter der Straßenmeisterei, weist den Autofahrer zurück. Ein paar Hundert Meter hinter der Absperrung steht das Wasser kniehoch. „Ein Auto steht schon im Wasser“, warnt Dammeier.
Der Straßenmeister und sein Kollege Dennis Dreyer haben die Sperrung errichtet, eine der letzten. Denn: „Die Beschilderungen sind ziemlich aufgebraucht“, sagt Dammeier.
„Wir haben nichts mehr“, erklärt ebenfalls ein Feuerwehrmann in den frühen Morgenstunden im „Vornhäger Krug“. Hier war das Wasser bis in den Saal gedrungen. Alle verfügbaren Pumpen und Sandsäcke, die die Feuerwehr mitgebracht hatte, sind im Einsatz. Ganz schlimm auch die Lage bei der Siga auf dem früheren Alcatel-Areal. Die Möbelwerkstatt steht komplett unter Wasser, der Schaden könnte für die Initiative ruinös sei.
Das Wasser artet zur Materialschlacht aus und kostet Nerven. „Die ganze Nacht war ich wach, musste aufpassen, dass die Tiere nicht absaufen“, klagt Katzenfreundin Ingrid Habekost in Habichhorst. Den Stadthäger Ortsteil hat es wie bei früheren Hochwassern besonders schlimm erwischt. Wasserfluten queren von Nord nach Süd die Straße, ergießen sich in Hofeinfahrten. Mancher Keller läuft voll. „In Dusche, Wanne und Klo“ sei das Wasser hochgekommen. „Ich hatte Angst, das es überläuft“, berichtet Johanna Deppe, die inzwischen aufatmen kann. Die Wohnung blieb vor Nässe verschont. Tochter Lara hat Deppe seit Donnerstagabend nicht mehr gesehen. Die 17-Jährige ist bei der Feuerwehr Wendthagen aktiv und seit zwölf Stunden im Einsatz. Der Habichhorster Jürgen Damm lobt das Engagement von Feuerwehr und THW im Stadthäger Ortsteil.
„Probsthagen hat diesmal Glück gehabt“, wertet Pastor Jan-Uwe Zappke gegen 10 Uhr die Hochwassersituation vor Ort. Bei niemandem sei das Wasser durch die Wohnung gelaufen. Dennoch: Die Lage sieht dramatisch aus: Die Bornau hat die Gärten an ihren Lauf unter Wasser gesetzt. Eine weitläufige „Seenplatte“ ist entstanden, hinter deren östlichem Ende die Kirche und das ehemalige Küsterhaus auf einer Warft zu stehen scheinen.
Ruinös könnten die Fluten für die Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit (Siga) sein. Deren Möbelwerkstatt stand komplett unter Wasser.
Fotos: rg