Stadthagen
Vier Prozent Migranten in der Stadthäger OrtsfeuerwehrBitte Platz zu nehmen: Migranten wären in der Stadthäger Ortsfeuerwehr willkommen. Foto: rg
Stadthagen (ssr). Verstärkt auch unter Migranten sollen die Freiwilligen Feuerwehren um Zuwachs werben, hat Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann kürzlich gefordert. Einerseits könne so der Nachwuchs besser gesichert und zugleich die Integration gefördert werden. Fühlt sich die Feuerwehr in einer Stadt wie Stadthagen, in der Migranten rund 15 Prozent der Bevölkerung stellen, davon angesprochen?
Ortsbrandmeister Rainer Pflugradt hat zunächst einmal die aktuellen Zahlen parat. Derzeit verzeichnet die Stadthäger Ortsfeuerwehr in ihren Reihen vier aktive Mitglieder mit Migrationshintergrund; diese sind polnisch, griechisch und kroatisch.
Das bedeutet einen Anteil von vier Prozent an der Gesamtzahl der Stadthäger Brandschützer, was immerhin fast doppelt so hoch ist wie der von Schünemann genannte Landesschnitt. Gar nicht vertreten ist allerdings die weitaus größte Migrantengruppe in der Kreisstadt, die der türkischstämmigen Einwohner. Dasselbe gilt für die Jugendfeuerwehr, wie deren Leiter Dietmar Potzinger berichtet.
Das von Schünemann genannte Motiv, durch Aufnahme von Migranten eigene Nachwuchssorgen zu beseitigen, stellt sich für die Stadthäger Feuerwehr nach Auskunft von Pflugradt überhaupt nicht. Denn die hiesige Feuerwehr zählt zurzeit 20 Prozent mehr Aktive als nach Richtlinie nötig wäre: „Mit Nachdruck anwerben müssen wir also gar nicht“, sagt der Ortsbrandmeister.
Gleichwohl sei insbesondere die Jugendfeuerwehr neuen Mitgliedern gegenüber stets aufgeschlossen, fügt Pflugradt hinzu, und das gelte auch für solche mit Migrationshintergrund. Die Feuerwehr schicke „Klassenbetreuer“ in die Schulen, man arrangiere Projektwochen für Schüler, es gebe einen versuchsweisen „Schnupperdienst“. Wenn sich bei solchen Gelegenheiten junge Migranten besonders interessiert zeigten, „wären wir selbstverständlich sehr offen“, sagt Jugendchef Potzinger.
Vor einigen Wochen hat Potzinger mit der dem Feuerwehr-Gerätehaus an der Enzer Straße benachbarten Moschee Kontakt aufgenommen. Während eines Jugendfestes signalisierte er Bereitschaft, dass türkische Jugendliche sich bei der Ortsfeuerwehr umschauen können.
Derartige Ansätze könne er nur von Herzen unterstützen, sagt dazu Ali Ünlü, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Stadthagen. Er wolle die Ortsfeuerwehr einladen, sich in der Moschee und in deren Jugendgruppen ausführlich vorzustellen, so Ünlü. „Wir sind Teil dieses Landes und das sollte sich auch durch das Mitmachen in Vereinen und Verbänden ausdrücken.“
Ähnlich sieht das Ahmed Cetindere, Vorsitzender des Stadthäger Integrationsvereins, der sich „Mosaik“ nennt. Dieser Verein versuche, Migranten zur Teilnahme am hiesigen Vereinsleben zu motivieren.
Nach den bisherigen Erfahrungen sei die Annäherung gerade türkischer Mitbürger an die Strukturen der Feuerwehr nicht so leicht, schränkt auch Pflugradt ein. Zum Beispiel über einen längeren Zeitraum ausreichende Regelmäßigkeit an den Tag zu legen, sei als Problem zu beobachten. Zudem sei „fließendes Deutsch“ unabdingbare Voraussetzung, um in Gefahrensituationen Missverständnisse mit Folgen zu vermeiden.