Stadthagen
Lage bei mp-car-mobile dramatisch zugespitztStadthagen (ssr). Die Lage des insolventen Autohauses mp-car-mobil hat sich dramatisch zugespitzt, vor allem was die Standorte in Stadthagen und Bückeburg mit zusammen 85 Beschäftigten angeht.
Während einer Betriebsversammlung gestern Nachmittag sei an die 70 anwesenden Mitarbeiter nach Angaben von IG Metall-Sekretär Herbert Hahn ein Fax einer von Insolvenzverwalter Stefan Meyer beauftragten Anwaltskanzlei ausgeteilt worden. Trotz Einladung seien weder Meyer noch ein Vertreter dieser Kanzlei präsent gewesen.
In dem Fax wird als einziges zur Übernahme bereites Unternehmen das Autohaus Sölter genannt: „Anderweitige Erwerbsinteressierte sind nicht vorhanden.“ Die Sölter-Geschäftsführung bietet demnach die Übernahme der beiden Standorte in Stadthagen (VW und Audi) sowie – nach Einigung in der noch offenen Immobilienfrage – auch in Bückeburg an.
Dies allerdings nur, so der Fax-Text, wenn die Mitarbeiter bereit sind, „vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages einer unbefristeten Heraufsetzung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich sowie einem Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis einschließlich 2013 zuzustimmen“. Derzeit werden 36 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Sölter-Firmenleitung erkläre, „dass eine Tarifbindung für sie nicht in Betracht kommt“. Im Gegenzug sichere sie zu, betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2013 auszuschließen.
Unmissverständlich wird im Fax die Sichtweise des Insolvenzverwalters dargelegt, dass eine Ablehnung des Sölter-Angebots durch die Arbeitnehmer am 31. August „zur Einleitung der Betriebsstilllegung führen“ würde
Nach Schilderung von IG Metall-Sekretär Hahn hat der Betriebsrat während der Versammlung gestern erklärt, dass „die derzeitig vorliegenden Bedingungen nicht ausreichen, um Verhandlungen zu führen“. Das sei von den Anwesenden „mehrheitlich mit Beifall bedacht“ worden, sagte Hahn. Dieses sei dem Insolvenzverwalter per E-Mail unverzüglich mitgeteilt worden. Der IG Metaller machte klar, was der Arbeitnehmerseite fehle: Weder gebe es seitens der Firma Sölter „ein nachhaltiges, langfristiges Zukunftskonzept“. Noch wüssten die Mitarbeiter, „welche Details in den Arbeitsverträgen stehen, die sie vor dem Kauf unterschreiben sollen.“
Constantin Knabe, einer der Inhaber des Autohauses Sölter, bestätigte gestern auf Anfrage den im genannten Fax dargestellten Inhalt des Angebots. Er bekräftigte: „Ohne tarifungebundene Individualverträge haben wir an einer Übernahme kein Interesse.“
Knabe teilte mit, Sölter habe vor gut drei Wochen mit der VW AG eine „gegenseitige Absichtserklärung“ abgeschlossen. Diese garantiere Sölter für die Standorte Stadthagen und Bückeburg den alleinigen Händler-Status für VW und Audi. Dieser könne im Zweifel auch ohne den Erwerb der Immobilien der mp-car-Mobile erfolgreich ausgeübt werden, so Knabe. Aufgrund dieser Konstellation gebe es für die Mitarbeiter nur zwei Optionen, so Knabe: „Entweder auf das Angebot eingehen oder sich als Arbeitslose wiederzufinden.“
Dem Vernehmen nach ist auf der Betriebsversammlung auch mitgeteilt worden, dass es einen zweiten zur Übernahme bereiten Investor gebe. Dieser sei zur Tariftreue bereit, was das Gehalt angehe. Dies soll den lautesten Beifall während der Versammlung ausgelöst haben.
In Branchenkreisen war zudem zu erfahren, dass auch ohne Absichtserklärung oder Händlervertrag mit der VW AG jedermann eine Service-Werkstatt und – per Vermittler-Status – ein Autohaus betreiben könne.