Stadthagen

Hungern um die Wette – nicht selten tödlich

Stadthagen (kil/kle). Zum Weltfrauentag hat der „Weimarer Kulturexpress“ ein Theaterstück mit dem Titel „Hunger?! Der Killer in mir“ in der Berufsschule (BBS) in Stadthagen aufgeführt und damit das Thema Essstörung in den Blickpunkt gestellt.

Rund hundert Schüler hat es gestern Mittag zum Theaterstück in die Aula der BBS gezogen. Auf humorvolle aber auch schockierende Weise haben zwei junge Schauspielerinnen das Publikum bewegt und unterhalten zugleich.

Mit einem dunklen Bühnenbild, dramatischer Musik und viel Emotionen haben die beiden Künstlerinnen das Thema Essstörung auf die Bühne gebracht und dabei mögliche Auslöser, Krankheitserscheinungen sowie Wege aus der Sucht anhand der Geschichte von zwei Freundinnen geschildert.

Ausgelöst durch Liebeskummer und Schulstress gehen die beiden Mädchen eine Wette ein: Wer nimmt am meisten ab? Dann geht alles ganz schnell: Es wird gehungert, gewogen, gekotzt und gestritten. Von magischer Suppendiät über Abführmittel und Erbrechen bleibt kein Mittel unerprobt. Dazu dröhnt das Wort „Kalorien“ etliche Male von der Bühne. Die Geschichte eskaliert, denn die Mädchen geraten immer tiefer in die Sucht, werden aggressiv, depressiv und setzen dabei ihre Freundschaft aufs Spiel.

Das Ende ist zwiegespalten: Die eine schafft es nicht aus der Krise heraus und stirbt, die andere entscheidet sich für eine klinische Therapie und setzt damit den ersten Schritt zur Heilung.

Nach der Vorstellung sah man ruhige und betroffene Gesichter, wie auch Iris Burkardt-Pawlik, der Beratungslehrerin für Mädchen, auffiel. Diese hatte das Theaterstück in die BBS geholt, da sie das Thema für aktuell und wichtig hält. Zwar seien Fälle von Essstörungen nicht auf der Tagesordnung an der BBS, es komme jedoch immer wieder vor, dass betroffene Mädchen oder auch Freundinnen Rat bei ihr suchen. Zusammen mit dem „Basta“, der Stadthäger Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, versucht sie den Betroffenen zu helfen. Wichtig sei dabei, den Auslösern der Krankheit auf den Grund zu gehen, wie auch Dagmar Behrens vom „Basta“ erzählt. Monatlich kommen etwa 50 Frauen und Mädchen zur Beratung. Die Ursachen der Krankheit, wie zum Beispiel familiäre Probleme, ständen dabei im Mittelpunkt.

Dies wurde auch im Theaterstück deutlich, bei dem es am Ende hieß: „Nur, wenn du dich selber liebst, kannst du auch andere lieben.“

Oftmals ist es gar nicht so leicht, eine Essstörung bei sich oder anderen Menschen klar zu erkennen, denn nicht immer macht sich eine Essstörung durch extremes Über- oder Untergewicht bemerkbar. Entsprechend lassen sich auch nicht immer automatisch Rückschlüsse vom Gewicht eines Menschen auf ein Essproblem ziehen.

Menschen, die an Bulimie leiden, sind häufig normalgewichtig, wenn sie nicht gleichzeitig auch magersüchtig sind. Typisch für diese sind sogenannte Essanfälle, die über einen längeren Zeitraum immer wieder auftauchen, für gewöhnlich zweimal in der Woche, mindestens drei Monate lang. Um diese Kalorienzufuhr wieder rückgängig zu machen, erbrechen viele Bulimiker, aber nicht alle. Andere fasten, nehmen Medikamente oder machen extrem viel Sport. Magersüchtige zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr dünn sind, sich aber trotzdem zu dick fühlen. Sie essen immer nur wenig und meist nur Kalorienarmes. Ähnliches passiert bei Menschen mit Biggerexie, Muskelsucht. Die Betroffenen fühlen sich selbst mit vielen Muskeln noch zu schmächtig. Deshalb trainieren sie übermäßig, halten streng Diät und nehmen zusätzlich Produkte, die den Muskelaufbau fördern.

Mehr Informationen über die typischen Anzeichen von Essstörungen und was man gegen sie tun kann, gibt es unter www.bzga-essstoerungen.de.

Kontakt: Einige wichtige Kontaktadressen für Beratungsstellen zum Thema für Betroffene und Angehörige:

„Burghof-Klinik“ in Rinteln, www.burghof-klinik.de, Telefon (0 57 51) 94 00.

„Basta“ – Mädchen- und Frauenberatungsstelle in Stadthagen, www. basta-stadthagen.de, Telefon (0 57 21) 9 10 48.

Psychiatrie Wunstorf des Klinikums Region Hannover, www.krh.eu, Telefon (0 50 31) 9 30.

Diakonie Stadthagen, www.diakonisches-werk-stadthagen.de, Telefon (0 57 21) 99 30 30.

www.bundesfachverbandessstoerungen.de.

Artikel vom 09.03.2010 - 23.00 Uhr
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