Stadthagen
Facebook: Schülertrends nicht verschlafenStadthagen (kle/jw/kil). Immer mehr Schulen sind im sozialen Netzwerk Facebook unterwegs. In der Kreisstadt sind zwei von fünf weiterführenden Schulen aktiv vertreten – das Wilhelm-Busch-Gymnasium und die Integrierte Gesamtschule (IGS). Treffer landen Facebook-Nutzer allerdings auch bei der Suche nach anderen Schulen. So ist beispielsweise vom Ratsgymnasium eine Seite zu finden, die bloß Grunddaten der Schule auflistet. Allerdings werden längst nicht alle dieser Seiten von der jeweiligen Schule selbst ins Leben gerufen.
Die Berufsbildenden Schulen (BBS) und die Schule am Schlosspark betreiben noch keine selbst verwaltete Seite, überlegen aber noch, ob sie den Schritt ins Netzwerk wagen sollen, denn für Schulen hat die Präsenz bei Facebook sowohl Vor- als auch Nachteile.
Die IGS hat ihre Facebook-Seite vor nicht mal einem Jahr aus Anlass der 20-Jahr-Feier gestartet. „Auf diesem Weg wollten wir Ehemalige erreichen, die hier ihren Abschluss gemacht haben, von denen wir aber keine Kontaktdaten mehr haben“, erklärt Schulleiterin Astrid Budwach. Darüber hinaus werde die Seite von der Schulleitung für keine weiteren Zwecke genutzt, auch wenn sie weiterhin von einem Schüler der Oberstufe geführt werde, um unter anderem Schülerpartys anzukündigen.
Das WBG ist da um einiges aktiver: Zum Beispiel sei es denkbar, den Facebook-Auftritt als eine Art Nachrichtenportal für schulinterne Belange zu nutzen, wie der pädagogische Mitarbeiter Christoph Hübener erklärt.
Die BBS, die normalerweise in Sachen Digitales immer aktuell ist, ist Facebook betreffend „noch zögerlich“, sagt Schulleiter Jürgen Steltner. „Die Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen.“ Es gebe Argumente dafür und dagegen. Die Vorteile: Jugendliche müsse man heute auf einer anderen Ebene ansprechen. Facebook bilde da einen guten Kommunikationsweg – sowohl extern als Werbemittel als auch intern, um eine persönliche und schnellere Beratung mit Lehrkräften zu ermöglichen. Die Gefahren: „Wenn man auf Facebook ist, muss man immer aktuell sein und die Seite pflegen.“ Reaktionen müssten kontrolliert werden, um Mobbinggefahren zu minimieren. Für eben diese Aufgabe müsse erst Personal gefunden werden. Steltner sagt aber auch: „Irgendwann müssen wir uns der Sache einfach öffnen. Die Trends der Schüler dürfen wir nicht verschlafen.“
Rotraud Becker, Leiterin der Schule am Schlosspark, steht dem Facebook-Auftritt kritisch gegenüber, gibt aber an, dass die Anregung erst kürzlich vom Elternrat gekommen sei und zwar mit dem Argument, Identifikation mit der Schule zu schaffen. Auf Anhieb wisse die Schulleiterin selbst nicht, „was wir da sollen“. Sie gibt zu bedenken: „Es kann da viel Blödsinn passieren.“
Aber was halten eigentlich Schüler von „schulischen“ Facebook-Auftritten – und welche Inhalte würden sie sich für diese Seiten wünschen? Theresa Leitner (18) von der IGS hält einen Facebook-Auftritt einer Schule dann für sinnvoll, „wenn sie interessante und wichtige Informationen weitergeben würde“. Ähnlich Nadja Hegele (17), die es vorteilhaft fände, „wenn man dort auch wirklich wichtige Informationen wie einen Vertretungsplan finden würde.“ Allerdings findet die 17-jährige Mareike Langer: „Dafür gibt es ja eigentlich die Homepage. Ich finde, es muss nicht alles über Facebook laufen.“
Ein besonderes Projekt in Sachen Facebook bringt das Wilhelm-Busch-Gymnasium momentan ins Rollen. Der eigene Facebook-Auftritt soll Beispiel für einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit dem sozialen Netzwerk sein und mit Schülern im Unterricht besprochen werden.
Gemeinsam mit dem pädagogischen Mitarbeiter der Schule, Christoph Hübener, soll den Schülern ein verständiger Umgang mit Facebook vermittelt werden. „Es geht darum, Gefahren frühzeitig zu erkennen und Gebrauch von den eigenen Rechten zu machen“, erklärt Schulleiter Heiko Knechtel. Grund für das Projekt und den Internetauftritt sei der Druck der medialen Öffentlichkeit gewesen. „Ich fände es besser, wenn die Schüler ihre Verabredungen fernab des Internets machen würden, aber die Realität holt einen ein“, so Knechtel.
„Facebook gehört zum Alltag der Schüler und ist aus den Schulen schon nicht mehr wegzudenken“, weiß Hübener. Das WBG hat sogar Infoveranstaltungen für den achten Jahrgang als Pflicht eingeführt. Hübener berichtet dabei gemeinsam mit einem Vertreter der Polizei über die Gefahren der Internetseite. Außerdem soll es zukünftig eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema „soziale Netzwerke“ geben.
Während die Facebook-Seite der IGS allein für den Anlass der 20-Jahr-Feier ins Leben gerufen wurde und seither nur wenig genutzt wird, will das Wilhelm-Busch-Gymnasium mit seinem Facebook-Auftritt neue Wege beschreiten. Fotos: pr.