Stadthagen

Die Flut steht bis zu 50 Zentimeter hoch auf der Straße

Sintflutartige Regenfälle haben Stadthagen in eine Seenlandschaft verwandelt, Autofahrer kommen nicht mehr überall durch. Foto: rg

Stadthagen (kcg). Der Dauerregen hat zu Überschwemmungen auf zahlreichen Straßen in Stadthagen geführt und den Verkehr in den frühen Morgenstunden teilweise lahm gelegt. Hauptverkehrswege in die Kreisstadt wie die Vornhäger Straße, die Dülwaldstraße, die Enzer Straße und St. Annen mussten wegen Überschwemmungen stundenweise voll gesperrt werden. Der Verkehr wurde über die B 65 und die Ortsumgehung umgeleitet. Dabei ist es nach Angaben der Stadthäger Polizei zu Staus gekommen. Die Altstadt war hingegen nicht von den Wassermassen betroffen.

Bereits am Donnerstagabend zwischen 23 und 24 Uhr mussten die ersten Straßen gesperrt werden. Besonders stark überschwemmt waren nach Angaben der Polizei die Enzer Straße und die Gubener Straße, wo der Krumme Bach die umliegenden Felder unter Wasser gesetzt hatte. Dort stand das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch auf der Straße. „Am Georgschacht und auf der Stockfeldstraße stand das Wasser sogar noch höher“, berichtete Polizeisprecher Udo Philipp. Auch die Straße St. Annen an der Unterführung der B 65, der Schaumburger Weg im Bereich der Körsestraße, die Rodenberger Straße, die Bergstraße sowie die Nordsehler Straße mussten gesperrt werden.

Trotz der Vollsperrungen hatte sich der Verkehr am Freitagmorgen nach Auskunft der Polizei nur mäßig gestaut. „Durch die Verkehrsdurchsagen haben sich viele Fahrer darauf eingestellt und sind gar nicht erst losgefahren“, sagte Philipp. Zudem sei durch den Schulausfall weniger auf den Straßen los gewesen als üblich. Problematisch sei allerdings, dass sich nicht alle Autofahrer an die Vollsperrungen gehalten haben. „Viele haben die Absperrungen missachtet und sind dann mit ihren Fahrzeugen im Wasser liegen geblieben“, erklärte Philipp.

Am Vormittag entspannte sich die Lage allmählich. „Die Gesamtsituation sieht relativ gut aus, die Stadt ist aus Richtung Osten wieder befahrbar“, teilte Fritz Wehling, Sprecher der Stadt Stadthagen, gestern Nachmittag mit. Schon am Morgen wurde die Sperrung auf der Vornhäger Straße im Bereich Dülwaldstraße aufgehoben, auch die Bergstraße und die Rodenberger Straße konnten am Vormittag, die Enzer und die Gubener Straße am späten Nachmittag wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Entwarnung gab Wehling zudem für die Altstadt. Entgegen zahlreichen Meldungen im Radio war die Innenstadt nicht komplett überschwemmt. „Der Wallgraben ist nicht über seine Ufer getreten, die Innenstadt ist für alle Kunden erreichbar“, betonte Wehling.

Die Ursache der Überschwemmungen sieht Wehling in der „besonderen topografischen Lage“ Stadthagens. „Die Stadt liegt am Rande des Bückebergs. Von dort fließt das Regenwasser mit Wucht den Berghang runter“, sagte Wehling. Dabei seien die Oberflächenkanäle für „normale Regenfälle“ ausgerichtet, aber nicht für „so außergewöhnliche Witterungsereignisse wie in den vergangenen 48 Stunden.“ Auch die Bäche, die durch die Kreisstadt fließen, hätten die Wassermassen nicht auffangen können, selbst die Kapazität des neuen Regenrückhaltebeckens an der Enzer Straße sei nicht ausreichend gewesen. „Unheimlich viel Kraft“ stecke in den Fluten, sodass auch schwere Gullideckel von den Wassermassen hochgedrückt werden konnten, so Wehling.

Auch die Fußgängerunterführung am Stadthäger Bahnhof ist während der starken Regenfälle überflutet worden. Nach Angaben von Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis stand das Wasser dort fünf Zentimeter hoch. Die Fahrgäste mussten entweder einen großen Umweg gehen oder durch die Unterführung waten. Um 11.30 Uhr begann die Feuerwehr mit dem Auspumpen des Tunnels. Um 12.30 Uhr waren die Arbeiten abgeschlossen.

Auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und den Niederlanden kam es am Freitagmorgen zu Verspätungen von bis zu 60 Minuten. „Das hat aber nichts mit der Situation in Stadthagen zu tun“, erklärte Meyer-Lovis. Vielmehr sei bei Osnabrück ein Stellwerk überflutet worden. Der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Hannover und Bückeburg laufe wie gewohnt, so der Bahnsprecher weiter.

Artikel vom 28.08.2010 - 00.00 Uhr
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