Stadthagen
Bühne steht mitten in der AulaStadthagen (sk). Die Bühne steht in der Raummitte. Zum ersten Mal verwirklichen Schüler und Spielleiter am Ratsgymnasium Stadthagen eine 360-Grad-Aufführung in der Aula: Das Stück „Unter dem Milchwald“ des walisischen Autors Dylan Thomas kommt dem Publikum nahe – räumlich und inhaltlich.
„Verständlichkeit bei maximaler Redegeschwindigkeit“ hat Spielleiter Dietmar Post während der Probe von einer Darstellerin gefordert. „Nachmittags- und Abendkleider, Unterwäsche, Raumausstattung...“ – wie geölt muss das Sortiment eines Textilgeschäfts heruntergeleiert werden. Die Texte konfrontieren die Schüler in 40 Rollen weniger mit Philosophischem als mit Alltäglichem. Es geht nicht um komplizierte Zusammenhänge. Charaktere entwickeln sich nicht. Das Stück – ursprünglich als Hörspiel verfasst und von Erich Fried ins Deutsche übersetzt – hat keinen roten Faden. Dylan (1914-1953) skizziert schlicht Alltagsszenen aus seinem Heimatort, einem walisischen Fischerdorf. Der Zuschauer beobachtet und hört, was die Leute im Laufe eines Tages denken, fühlen, tun. Dabei guckt Thomas unter anderem in die Köpfe der Träumenden und Schlafenden.
Die Sprache ist lyrisch, erheitert mit rührseligen Formulierungen. Kostprobe: „Wirf deine kleinen Bettsocken weg und deine walisische Wollstrickjacke. Ich will dir selber die Betttücher heizen wie ein elektrischer Toaströster.“ Das Stück „Unter dem Milchwald“ ist ein humorvolles Stück, findet Post. Thomas Dylan beschreibt spitz aber liebevoll die Bewohner seines geliebtes Dorfs. Post und Mit-Inszenator Harald Ruprecht finden den Vergleich mit Wilhelm Busch durchaus angebracht.
„Unter dem Milchwald“ feiert am Montag, 15. März, im Ratsgymnasium Premiere. Weitere Aufführungen folgen am 16. und 17. März. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.
Harald Ruprecht (l.) beobachtet das Spiel zweier Akteurinnen.
Foto: sk