Stadthagen
Ausbildungsplätze: Noch 167 stehen zur VerfügungStadthagen (ssr/jcp). Eine „Ausbildungsbörse“ bietet die Agentur für Arbeit in ihrer Stadthäger Filiale, Enzer Straße 21, am Donnerstag, 11. März, in der Zeit von 8 bis 18 Uhr an. Eingeladen sind insbesondere junge Leute, die noch einen Ausbildungsplatz suchen und deren Eltern. Die Redaktion hat sich zuvor bei der Agentur, beim Handwerk und bei Bewerbern zu Stichworten wie Angebotspalette, Ausbildungsfähigkeit und Probleme bei der Lehrstellen-Suche umgehört.
Auf Schautafeln werden bei der „Ausbildungsbörse“ die 167 im Schaumburger Land aktuell noch verfügbaren Ausbildungsplätze zu sehen sein. Auffallend: Allein 50 dieser offenen Lehrstellen gibt es im Bereich Altenpflege. „Da ist ein richtiger Boom im Gange“, kommentierte das Cornelia Kurth, Leiterin der Stadthäger Filiale der Agentur für Arbeit. Dort herrsche großer Bedarf an Fachkräften. „Wir können auf diesem Sektor im Grunde jeden Bewerber unterbringen“, sagte Kurth.
Auf der Suche sind nach Angaben Kurths kreisweit derzeit noch rund 400 junge Leute. Von denen werden freilich etliche erstmal weiter zur Schule gehen. Die Zusagen der Schulen kommen aber erst um Ostern herum, dann sinke die Zahl der Bewerber gewöhnlich merkbar nach unten.
Speziell auch Bewerbern mit guten Schulzeugnissen empfiehlt Kurth, sich zusätzlich zu den eigenständigen Bemühungen um einen Azubi-Platz auch an die Agentur zu wenden: „Wir können oft noch interessante Alternativen anbieten, und zwar in gleichwertigen Berufen mit guter Bezahlung – die Suche also breiter machen.“
Was die Leistungsfähigkeit der Bewerber angeht, empfiehlt Kurth den Betrieben, nicht nur auf die Schulnoten zu schauen. Praktikums-Zeugnisse seien oft aufschlussreicher. „Zudem sollte man die ganze Persönlichkeit im Blick haben, um vorhandene, vielleicht versteckte Ressourcen zu heben.“ In Richtung des Schulsystems fordert die Agentur-Leiterin eine erhebliche Umstellung der Lehrpläne: „Es gehören viel mehr lebenspraktische Dinge und weniger Theorie in die Lehrpläne.“ Das wäre geeignet, die Ausbildungsfähigkeit junger Leute zu erhöhen.
Aus Sicht der Ausbilder lassen viele Bewerber und Azubis teils simple mathematische und sprachliche Fähigkeiten wie etwa grundsätzliche Rechtschreibkenntnisse vermissen. Auch mit dem Engagement hapert es den Arbeitgebern zufolge häufig. So berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Fritz Pape: „Bei Grundrechenarten und verhältnismäßig einfachen logischen Fragestellungen müssen Bewerber im Eignungstest nicht selten die Segel streichen.“
Oft haben die Ausbildungsfirmen demnach das Gefühl, die Jugendlichen hätten durchaus die Fähigkeit aus der Schule mitgebracht, „höhere“ Matheaufgaben zu lösen. „Aber wenn es dann heißt, wie viel Teig brauche ich für zehn Brötchen, wie viel Tapete für soundsoviele Quadratmeter, da ist dann Schluss“, moniert Pape.
Hinzu komme eine Häufung von „Krachersituationen“, in denen zum Beispiel Azubis angewiesen würden, eine Bohrmaschine aus dem Regen zu holen, neben der deutlich sichtbar andere Werkzeuge eingenässt werden. Pape: „Zur Seite geschafft wird dann aber auch wirklich nur die Bohrmaschine, genau nach Anweisung.“ Ein „Mitdenken“ scheine nicht zu passieren.
Walter Hardekopf ist Kreislehrlingswart und Inhaber der Fleischerei Hardekopf in Niedernwöhren. Für die Firma „Bauerngut“ hat er festgestellt: „Mehr als elf bis 13 von insgesamt 15 Azubi-Stellen kriegen wir nicht mit wirklich motivierten Leuten besetzt“. Von den Eingestellten springe rund die Hälfte vor Ende der Ausbildung ab. Hardekopf bemängelt vor allem eine hohe Fehlzeiten-Quote, in den Betrieben und der Berufsschule gleichermaßen. „Heute komme ich halt einfach ‘mal nicht“, kritisiert Hardekopf dieses Sozialverhalten. „Manchen ist alles egal.“ Mit der Einstellung seien die jungen Leute nicht ausbildungsfähig.
Ausbildungsplätze sind da, aber keine qualifizierten Bewerber“ – so lautet die Klage einiger Handwerksbetriebe derzeit im Kreis Schaumburg. Beim ESTA-Bildungswerk in Stadthagen, das für junge Leute ohne Ausbildungsplatz Qualifizierungen anbietet, stellt sich die Problematik anders dar.
Anja Harmening vom ESTA-Bildungswerk zumindest sind solche Fälle unbekannt, dass Betriebe Bewerber wegen zu geringer Qualifikation abgelehnt hätten. „Schulbildung spielt zwar eine Rolle, aber keine so große“, sagt sie. „Unserer Erfahrung nach legen die Betriebe eher Wert auf vorhergehende Praktika.“ Dass die Bewerbungen vieler junger Leute dennoch abgelehnt würden, habe zum Teil finanzielle Gründe: „Einige Kleinbetriebe können aufgrund der wirtschaftlichen Lage gar keinen Ausbildungsplatz anbieten, egal wie qualifiziert die Bewerber sind.“
Diese Erfahrung musste auch Pascal Haase aus Obernkirchen machen. Rund vierzig Bewerbungen hat der 18-jährige seit seinem Schulabschluss verschickt – und nur Absagen erhalten. Trotz Realschulabschluss, anschließendem Besuch der Berufsfachschule für Technik in Rinteln und zahlreichen Praktika hat er noch keine Ausbildungsstelle als Elektroniker im Bereich Gebäudetechnik gefunden. „Leider bekommt man oftmals auch keine Begründung für die Absage“, sagt er.
Die 17-jährige Liridona Rexhepi aus Obernkirchen hat diese bange Phase endlich hinter sich gebracht. Auch sie musste sich nach ihrem Hauptschulabschluss 2008 und anschließendem Berufsgrundbildungsjahr mit einigen Absagen herumplagen. Schließlich konnte sie aber durch ein vierwöchiges Praktikum bei einem Friseur von sich überzeugen und hat dort nun einen Ausbildungsplatz erhalten.