Rodenberg / Nenndorf
Rülpsen und Schlürfen erlaubt – Naseputzen verpöntBad Nenndorf (tes). Wer nicht schlürft, dem schmeckt es nicht. Das glauben die Chinesen. In einem Crashkurs studieren 13 Schüler des Gymnasiums Bad Nenndorf an vier Wochenenden die Gepflogenheiten ihres zukünftigen Gastlandes bei Tisch und im gesellschaftlichen Miteinander. Am 12. März startet das GBN den ersten Austausch mit Chongqing in China.
Warum Rülpsen und Schlürfen beim Essen erlaubt, aber Naseputzen als sehr unhöflich gilt? Die chinesische Lehrerin Liping Kirsten bereitet die Schüler in einem Benimmkurs auf ihren Einsatz als Repräsentanten des GBN und Bad Nenndorfs im Reich der Mitte vor. Eine Delegation wird mit den Lehrern Sascha Wöllert und Niels Koblitz vom 12. März bis zum 29. März auf Einladung der Nankai-Middle-School nach China reisen, um eine dauerhafte Schulpartnerschaft zu initiieren. Zuvor lernen sie notwendige Verhaltensregeln und einige Grundlagen der Sprache.
Malin Kastening kennt schon einige chinesische Worte. Kein leichtes Unterfangen. „Jedes Zeichen kann bis zu vier Bedeutungen haben“, erklärt die Schülerin die Finessen bei der Aussprache. Aber auch asiatische Umgangsformen sind Thema. Überall lauern „Fettnäpfchen“, in die Europäer hineintappen könnten, benennt Wöllert die Befürchtungen der Schüler. Während der Gebrauch von Stäbchen als Esswerkzeuge einigen leicht von der Hand ging, machte an anderer Stelle schon der Tipp die Runde, einfach Campingbesteck mitzunehmen.
Nicht nur das Wie, auch das Was, beschäftigt die Schüler. Viele kennen die Geschichten, was in China so alles im Wok landen könnte: von Zunge bis Kralle, Schweineohr bis zu gebratenen Hunden und Schlangen. Sicher ist: Zu jedem Essen gibt es Schnaps, so Kirsten. Zudem werde immer grüner Tee gereicht – kalter Tee. Im bevölkerungsreichen China zählt der Kollektivgedanke, riet sie den Schülern, Süßigkeiten stets allen Anwesenden anzubieten. Die Chinesin lebt seit sieben Jahren in Deutschland. Die 29-Jährige erinnert sich, was für sie beim ersten Besuch in Deutschland besonders befremdlich gewesen sei: „Käse zu essen.“
Die Partnerstadt ist deutlich größer als Bad Nenndorf. „Vergleichbar mit Berlin“, erklärt Schulleiterin Irmtraud Gratza-Lüthen. Wegbereiter für den Austausch war das Ernestinum in Rinteln. „Als die Chinesen in Rinteln waren, haben sie auch das GBN einen Tag lang geprüft und für gut befunden“, berichtet sie. „Unser Ziel ist ein eigenständiger Austausch.“ Eine Zeit lang in einer chinesischen Familie zu leben: Darin sieht die Direktorin eine Chance für die Schüler, sich früh mit der völlig anderen Kultur der zukünftigen Großmacht China auseinanderzusetzen. „Ich bin neugierig“, sagt der Zwölftklässler Merten Neumann, der bereits in E-Mail-Kontakt mit seiner Gastfamilie steht. Ob China für die berufliche Zukunft eine Option darstellt, lassen die Schüler noch offen. „Ich will erst vor Ort alles genau ansehen“, meint Meike Klein.