Rodenberg / Nenndorf
„Je älter das Weib, desto zäher das Fell!“Soldorf (nah). Auch im 30. Jahr ihres Bestehens haben die Soldorfer Laienspieler nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Mit einem deftigen Dreiakter gefielen sie den Premierenbesuchern und wollen ihn in den kommenden Wochen noch an weiteren zehn Abenden wiederholen. Pointen und turbulente Szenen dürften auch dann für viel Heiterkeit sorgen.
Vor allem Knecht Hannes (Thorsten Bäuchle) ist es, der mit seiner Rolle den Ereignissen auf dem Lindenhof ein Glanzlicht aufsetzt. Das Anwesen gehört den Tanten Mine (Susanne Strohwald) und Tine (Dagmar Hitzemann) zu gleichen Teilen. Und das ist wörtlich zu nehmen: halber Tisch, halbe Stube, halber Trecker.
Da bleiben Zwistigkeiten nicht aus. Nur das Personal wird nicht geteilt: Rieke (Christine Reinecke) umsorgt Mine, Frieda (Anja Hägerling) Tine. Doch diese beiden machen sich nicht minder das Leben gegenseitig schwer. Und dann sind da noch die beiden Kinder Lothar (Stephan Wichmann) und Anke (Annika Jünemann), die ja vielleicht zueinander finden würden, wenn sie nicht Cousin und Cousine wären. Doch diese Hürde klärt sich auf wundersame Weise, sodass am Ende nur noch die hinterhältige Tine mit leeren Händen da steht, obwohl sie doch eigentlich ein Auge auf den Maschinenhändler Grasmeyer (Rainer Langhals) geworfen hatte.
Den ganzen Reiz des Theaterabends machten nicht nur die Dialoge und mitunter kuriose Lebensweisheiten („Je älter das Weib, desto zäher das Fell!“) aus. Tolle Szenen wurden den Darstellern abverlangt: Turnübungen auf der winzigen Bühne, Ankes Melktraining an einem von Hannes mit Euter zur Kuh umfunktionierten Schaukelpferd, und schließlich das mit Mistforke und Dreschflegel bewaffnete Haushälterinnenpaar gegen ein vermutetes Gespenst im Schrank.
Hinzu kamen die beiden sich ständig angiftenden Tanten und der zwielichtige Händler. Kurzum: Zutaten, die Freunden volkstümlicher Lustspiele eigentlich nur Freude bereiten können. Schade nur, dass bereits alle angesetzten Veranstaltungen ausverkauft sind. Das Soldorfer Theatervergnügen hätte zweifellos noch mehr Publikum verdient gehabt. Aber für weitere Termine bot der Kalender der Hobby-Schauspieler einfach keinen Platz mehr.
Genau 30 Jahre nach ihrem Start staunt Soldorfs Laienspielgruppe selber über sich: „Dass wir so lange bestehen, hätten wir 1980 nie gedacht“, freute sich Leiter Hartmut Hitzemann in einer kleinen Feierstunde des Ensembles. Etliche Mitglieder der ersten Stunde seien immer noch dabei, obwohl jede Saison ein Vierteljahr lang viel freie Zeit für anfängliche Proben und spätere Aufführungen verlange. Hitzemann dankte besonders der Gemeinde für deren Unterhaltung der Räume: „Sonst gebe es uns wohl nicht.“
Glückwünsche formulierten Bürgermeister Heinrich Oppenhausen, Heinrich Wilkening von der Soldorfer „Dorfgemeinschaft“ und Hermann Doebel von den Apelerner Theaterleuten. „Die Laienspieler bringen Kultur nach Soldorf“, bemerkte Ortsbrandmeister Klaus Urlacher. Da dieser auch selber gelegentlich in Rollen schlüpft, wusste er vom entscheidenden Mangel der Gruppe – einem Werkzeugkoffer. Der fünfstündige Bühnenaufbau dürfte sich künftig verringern, verlangte er von Hitzemann: „Drei Stunden haben wir immer für die Schraubensuche gebraucht.“